Theo Müller (Unternehmer)
deutscher Unternehmer
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Theobald Alfons „Theo“ Müller[1] (* 29. Januar 1940 in Aretsried) ist ein deutscher Unternehmer. Er ist insbesondere durch sein Unternehmen Unternehmensgruppe Theo Müller bekannt und sorgt durch sein Verhältnis zur rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) für öffentliche Debatten.
Leben
Theo Müller wuchs als Sohn des Molkereibesitzers Alois Müller im schwäbischen Aretsried auf.[2][3] 1971 übernahm er die Leitung der väterlichen Molkerei mit vier Angestellten.[4] Zum Jahresende 1999 war die Unternehmensgruppe Theo Müller mit der bekannten Marke Müllermilch das viertgrößte milchverarbeitende Unternehmen in Deutschland. Die Molkereigruppe Theo Müller beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 35.000 Beschäftigte und erzielte 2025 einen vorläufigen Umsatz von 10,4 Milliarden Euro.[5] Die Holding der Unternehmensgruppe hat ihren Sitz in Luxemburg; zum Markenportfolio zählen unter anderem Weihenstephan und Landliebe.[5]
In Rainer Zitelmanns Buch Setze dir größere Ziele findet sich eine ausführliche biografische Skizze über Müller. Sein Erfolgsgeheimnis sei, dass er aus dem austauschbaren Produkt „Milch“ Markenprodukte machte. Zitelmann zitiert Müller: „Mit einem Markenprodukt wie etwa dem ‚Joghurt mit der Ecke‘ kann ich etwa sechs- bis siebenmal mehr verdienen als mit einem Standardprodukt, wie es etwa die H-Milch ist, die jeder herstellen kann.“[6] In der Branche hätten nur etwa 15 Prozent der Milchprodukte eine Markenidentität, bei seiner Unternehmensgruppe seien es etwa 50 Prozent.[6]
Umzug in die Schweiz
2003 zog die Familie in die Schweiz, nach Erlenbach an den Zürichsee, um die Zahlung der deutschen Erbschaftsteuer zu vermeiden.[7] Zeitgleich mit dem Familienumzug wurde in der Schweiz die Theo Müller Holding (Schweiz) gegründet, um damit auch Erträge der Firmengruppe in der steuergünstigeren Schweiz zu versteuern und somit die Gesamtsteuersumme zu senken. Müller wurde vorgeworfen, in den Jahren zuvor für seinen Molkereibetrieb in Leppersdorf im Bundesland Sachsen Subventionen im dreistelligen Euro-Millionen-Bereich erhalten zu haben. Der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder soll daher deutliches Missfallen über Müllers Umzug geäußert haben.[8]
Als im Kanton Zürich Anfang 2009 die Pauschalbesteuerung abgeschafft werden sollte, von der auch Theo Müller profitierte, drohte er im Vorfeld des diesbezüglichen Volksentscheids mit einem Wegzug aus dem Kanton, falls die Pauschalbesteuerung abgeschafft würde. Trotz der Abschaffung blieb er jedoch im Kanton wohnen.[9]
Familie
Müller hat aus seiner Ehe mit Hanna Bittmann sieben Kinder und mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin Ines Hüvel zwei Töchter.[2][10] Im März 2023 heiratete Müller in Baden-Baden Beate Ebert, die Gesellschafterin und Geschäftsführerin des Industriedienstleiters Ebert Hera Esser.[11]
Kritik
Theo Müller wurde mehrfach eine Nähe zu rechtem oder rechtsradikalem Gedankengut nachgesagt. Wegen des seit 2005 anonym verbreiteten[12] Gerüchts, Müller unterstütze die extrem rechte Partei NPD, erklärte die Unternehmensgruppe in Pressemitteilungen 2007 und 2009, dass weder sie noch Theo Müller rechtsextremen Parteien nahestünden.[13][14][15] Unabhängige Quellen fanden keine das Gerücht belegenden Indizien.[16][17] Dem Magazin Wiener gelang es 1989, Müller im Namen eines rechtspopulistischen „Freundeskreises deutscher Republikaner“ einzuladen. Im Gespräch mit jenen vorgeblichen Unterstützern der Partei Die Republikaner äußerte Müller laut Wiener sowohl zahlreiche reaktionäre Sprüche als auch seine Bereitschaft, diese mit Parteispenden zu unterstützen. Sein Versuch, die Berichterstattung per Unterlassungserklärung zu beenden, scheiterte.[18][19]
2023 wurde bekannt, dass sich dieser regelmäßig mit Alice Weidel (AfD) austauscht. Wie er dem Handelsblatt gegenüber auf Anfrage einräumte, habe er diese unter anderem zu einem privaten Dinner in Cannes getroffen. Dies sei weder das erste noch das letzte Treffen gewesen: „Bei den Gesprächen mit Frau Dr. Weidel galt mein Interesse dem Programm der AfD sowie ihrer persönlichen Ansicht zur aktuellen Politik“.[20] Er betonte, das Treffen habe auf privater Basis stattgefunden und dass er die AfD nicht mit Spenden unterstütze. Auch habe er keinerlei Anhaltspunkte für eine NS-Ideologie, welche für ihn ein „absolutes No-Go“ sei.[21] Zum Zeitpunkt der Aussage Ende November 2023 wurde die AfD bereits in mehreren Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet, so auch in Baden-Württemberg, Weidels Landesverband.[22]
In einem NZZ-Interview Anfang 2024 bezeichnete er Alice Weidel als „eine Freundin“, die öfter zu Besuch komme.[23] Natürlich gebe es „Einzelne in der AfD, die dummes Zeug reden, rechtsextremistische Parolen verbreiten und zum Beispiel Deutsche, die woanders geboren wurden, abschieben wollen“. Er sehe keinen Grund, sich von der Partei zu distanzieren. Dass diese nicht verboten wurde, sei für ihn der Beleg, dass sie auf dem Boden des freiheitlich demokratischen Rechtsstaats stehe.[24]
Susanne Amann und Ann-Katrin Müller berichteten im Spiegel, dass bei den Feierlichkeiten anlässlich Müllers 85. Geburtstag am 31. Mai 2025 neben Weidel auch Hans-Christian Limmer, einer der Organisatoren des Treffens rechter und rechtsextremer Netzwerker in Potsdam 2023, Roger Köppel, Chef der rechten Schweizer Zeitschrift Weltwoche, der Klimaerwärmungsskeptiker Gerd Ganteför und der Historiker Rainer Zitelmann, der als einer der Wegbereiter der Neuen Rechten gilt, anwesend waren, ebenso der ehemalige CSU-Abgeordnete Peter Gauweiler und die Bestsellerautorin Gaby Hauptmann.[25]
Anfang 2026 sorgte eine Kampagne von Campact für Aufsehen. Die Aktivisten brachten nach eigener Angabe mehr als 2,2 Mio. Sticker in Umlauf, mit denen Produkte von Müller Milch beklebt werden sollten. Abgebildet war der Slogan „Alles AfD oder was“. Zudem hängte das Aktionsbündnis bundesweit 28.000 Plakate auf mit der Aufschrift „Jetzt mit AfD-Geschmack: Konzerngründer Theo Müller unterstützt die rechtsextreme AfD“. Begründet wurde die Kampagne mit Verweis auf die Treffen mit Alice Weidel und angebliche Sympathiebekundungen zugunsten der AfD. Müller ging medienrechtlich gegen die Kampagne vor und bestreitet die Vorwürfe.[26] Campact gab an, die Plakate im Rahmen der Aktion in 14 Großstädten anzubringen.[5]
Im Februar 2026 beantragte Müllers Anwalt Christian Schertz beim Landgericht Hamburg den Erlass einer einstweiligen Verfügung, um Campact die Aussage zu untersagen, Müller „unterstützt die rechtsextreme AfD“.[27] Schertz bezeichnete die Formulierung als unwahre Tatsachenbehauptung und argumentierte, die Öffentlichkeit verstehe unter „Unterstützung“ insbesondere Spenden oder ein sonstiges Zurverfügungstellen von Ressourcen.[27] Nach Darstellung seines Anwalts habe Müller der AfD weder Geld gespendet noch Ressourcen zur Verfügung gestellt und im NZZ-Interview erklärt, Mitglied der CSU, aber nicht der AfD zu sein.[27] Campact hielt dem entgegen, man habe keine Finanzierung behauptet, sondern eine „ideelle“ Unterstützung gemeint, weil ein prominenter Unternehmer sich öffentlich über die Partei äußere und sich mit deren Vorsitzender fotografieren lasse.[27] Als Beispiele verwies Campact auf ein gemeinsames Foto Müllers, seiner Ehefrau und Alice Weidel bei den Bayreuther Festspielen 2025 sowie auf Müllers in der Berichterstattung wiedergegebene Einordnung seines AfD-Verhältnisses als „irgendwas dazwischen“ zwischen interessierter Beobachtung und Sympathie.[27] Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung kündigte Campact zudem eine bundesweite Aktion mit „LED-Trucks“ an, die in mehr als 20 Städten Kritik an Müller zeigen sollten.[27] Mit Beschluss vom 24. Februar 2026 wies das Landgericht Hamburg den Eilantrag zurück und stufte den Slogan als zulässige Meinungsäußerung ein, die Müllers Persönlichkeitsrecht nicht verletze.[5] Die Entscheidung erging ohne mündliche Verhandlung und war zunächst nicht rechtskräftig; Müller erklärte jedoch, keine weiteren rechtlichen Schritte ergreifen zu wollen.[5] Das Gericht stellte dabei auf einen weit verstandenen Unterstützungsbegriff ab und hielt bereits eine nicht ablehnende Haltung gegenüber der AfD sowie deren öffentliche Artikulation für ausreichend; als Bezugspunkt nannte es Müllers Aussage, er sei „irgendwas dazwischen“ zwischen Beobachter und Sympathisant.[5] Für die Einordnung als Meinungsäußerung berücksichtigte das Landgericht zudem den satirischen Gesamtkontext der Campact-Kampagne, die etwa mit der Abwandlung von Werbeslogans („Alles AfD oder was?“) arbeitete.[5]
Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg sagte Müller Mitte März 2026, denkbar sei auch eine von der AfD unterstützte CDU-geführte Regierung, ob als Koalition oder Duldung. Zudem äußerte er sich positiv über den baden-württembergischen AfD-Politiker Markus Frohnmaier.[28]
Vermögen
Theo Müller wurde im Jahre 2010 mit einem geschätzten Vermögen von 1,3 Mrd. Euro als Nummer 84 in der Liste der reichsten Deutschen geführt.[29] 2012 wurde sein Vermögen vom Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz auf 2,5 Mrd. Schweizer Franken geschätzt (Platz 63),[30] 2013 belegte er mit einem geschätzten Vermögen von 2,7 Mrd. Dollar den Platz 527 der Forbes-Liste[31] und war damit auf dieser Liste unter den Deutschen auf Platz 35[32] und 2014 belegte er mit einem Vermögen von 3,7 Milliarden US-Dollar den Platz 453 auf der Forbes-Liste.[33]
In der Liste der 500 reichsten Deutschen des Manager-Magazins wurde Theo Müller 2016 mit einem Vermögen von 5 Mrd. Euro unter den 25 größten Vermögen in Deutschland geführt.
Auszeichnungen
- 2004: Ehrensenator der Technischen Universität München[34]
- 2021: Sächsischer Verdienstorden[35]
Literatur
- Theo Müller im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Meilensteine des Unternehmens auf der Website der Unternehmensgruppe Theo Müller