Theodor August Stein
deutscher Architekt und Geheimer Regierungs- und Baurat in Preußen
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Theodor August Stein (* 18. Juli 1802 in Plock, Südpreußen; † 12. November 1876 in Berlin) war ein deutscher Architekt und preußischer Baubeamter.
Leben
Stein wuchs im von 1793 bis 1807 preußischen Plock als Sohn eines Postbeamten auf. 1803 zog die Familie nach Königsberg, wo er die Volksschule besuchte und auf Wunsch des Vaters zunächst eine Lehre als Gerichtsschreiber in Labiau machte. Nach Abbruch der Lehre war er im Büro des Landbaumeisters Heinrich Theodor Eduard Jester (1791–1870) tätig, mit dem er 1821 nach Heilsberg ging. Ab 1823 war er in Königsberg praktisch tätig. Nachdem er 1825 die Feldmesser- und Bauconducteurprüfung bestanden hatte, begann er 1827 sein Studium an der Bauakademie in Berlin, wo er 1829 sein Examen als Baumeister für den Land- und Wasserbau bestand. 1828 trat er in den Architektenverein zu Berlin ein. 1829/30 arbeitete er bei Cantian in der Stadtbauverwaltung. Unter Karl Friedrich Schinkel war er an Umbauarbeiten am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin beteiligt. 1830 nahm er seine Tätigkeit bei den preußischen Bezirksregierungen in Potsdam und Gumbinnen auf. Von 1837 bis 1842 war er Bauinspektor in Danzig, reiste anschließend mit August Hopfgarten nach Italien und wurde 1843 in die Ministerial-Baukommission in Berlin berufen. Hier begann seine Freundschaft mit Christian Daniel Rauch und August Stüler. 1846 unternahm er eine Reise nach Belgien, Frankreich und England. 1847 wurde er zum Baurat ernannt und war bis 1849 Lehrer für Wegebau und Bauführung an der Bauakademie.[1] Mit Ludwig Persius war er beim Bau des Central-Diakonissenhauses Bethanien in der Berliner Luisenstadt beteiligt und leitete nach Persius’ Tod den Bau des Hauses. Seit 1849 wirkte er als Regierungs- und Baurat in Aachen, wo er unter anderem am Bau mehrerer Kirchen beteiligt war. Er war Mitglied des Karlsvereins zum Wiederaufbau des Aachener Münsters und Leiter des Bauausschusses und freundete sich mit Ernst Friedrich Zwirner an. 1851 gestaltete er die Exposition des Deutschen Zollvereins auf der Londoner Industrieausstellung. Von 1851 bis 1854 war er Mitglied der Technischen Baudeputation. 1855 gestaltete er die Exposition Preußens auf der Pariser Industrieausstellung.
Mitte der 1850er Jahre wandte sich Stein dem Eisenbahnbau zu. 1856 wurde er Vorsitzender der Königlichen Kommission für den Bau der Kreuz-Küstrin-Frankfurter-Eisenbahn. Er war unter anderem an den Entwürfen für mehrere Brücken der Strecke beteiligt. Nach der erfolgreichen Fertigstellung des Projekts wurde Stein 1857 zum Geheimen Regierungsrat ernannt, reiste anschließend nach Österreich, Italien und in die Schweiz und war ab 1858 bei der Eisenbahnkommission im Handelsministerium tätig. 1861 schied er aus dem Staatsdienst aus. In der Folge arbeitete er bei der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft (BStE) und leitete die Vorarbeiten für den Bau der Zweigbahn von Angermünde nach Stralsund. In der Folge wurde ihm die Leitung der Bauausführung übertragen. Er entwarf eine Reihe von Bahnhofsgebäuden an der Strecke. 1863 wurde er Technischer Direktor bei der BStE. In der Folge leitete er die Bauarbeiten weiterer Zweigstrecken der BStE, unter anderem Strasburg–Stettin (1866), Eberswalde–Wriezen (1867) und Köslin–Stolp–Danzig (1870). Von 1872 bis 1876 leitete er den Bau des neuen Stettiner Bahnhofs in Berlin. 1876 übernahm er den Vorsitz der BStE und ging im Oktober in den Ruhestand. Am 12. November des gleichen Jahres starb er in Berlin.
Bauten
- 1843: Fialen auf der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin
- 1844: Gestaltung der Berliner Gewerbeausstellung im Zeughaus
- 1845–1847: Central-Diakonissenhaus Bethanien in Berlin, Mariannenplatz in der Luisenstadt (erhalten, umgenutzt)
- 1847–1848: Kaufhaus Gerson in Berlin (nicht erhalten)
- 1850–1851: Kirche St. Johannes Baptist in Wildenrath (nicht erhalten)
- 1851–1852: Erweiterung der Kirche St. Lucia in Stolberg
- 1851–1855: evangelische Friedenskirche in Eupen
- 1858–1866: St.-Nikolaus-Kirche in Gemünd (erhalten)
- um 1863: mehrere Empfangsgebäude an der Bahnstrecke Angermünde–Stralsund
- Bahnhof Angermünde (erhalten)
- Bahnhof Prenzlau (verändert erhalten)
- Bahnhof Pasewalk (verändert erhalten)
- Bahnhof Ducherow (ruinös erhalten)
- Bahnhof Anklam (erhalten)
- Bahnhof Greifswald (erhalten)
- Bahnhofsgebäude an weiteren Zweigbahnen der Berlin-Stettiner Eisenbahn
- 1866: Bahnhof Strasburg (Uckerm) (verändert erhalten)
- 1869: Bahnhof in Stolp (nicht erhalten)
- 1865–1867: Umbau der Bahnanlagen in Stettin
- 1872–1876: Stettiner Bahnhof in Berlin, Oranienburger Vorstadt (nicht erhalten)
Literatur
- Skalweit: Theodor Stein, Königlicher Geheimer Regierangsrath a. D. und Vorsitzender des Directoriums der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft. In: Zeitschrift für Bauwesen. Nr. 10, 1877, Sp. 471–479 (zlb.de – Nekrolog).
- Stein, Theodor. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 31: Siemering–Stephens. E. A. Seemann, Leipzig 1937, S. 547 (biblos.pk.edu.pl).
- Dieter Grusenick: 150 Jahre Eisenbahn zwischen Berlin und Stralsund. VBN Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2013, ISBN 978-3-941712-31-7, S. 15–19.
- Uwe Kieling: Berliner Privatarchitekten und Eisenbahnbaumeister im 19. Jahrhundert, Biographisches Lexikon. Kulturbund der DDR, Berlin 1988, S. 67–68.
Weblinks
- Theodor August Stein. bildindex.de (offline).