Theodor Nauerz

deutscher Priester und Verfolgter des NS-Regimes From Wikipedia, the free encyclopedia

Theodor Nauerz, Taufname Theodor Joachim Nauerz, (* 20. März 1909 in Otterbach; † 1. Oktober 2007 in Waldfischbach-Burgalben) war ein Priester der Diözese Speyer und Verfolgter des NS-Regimes. Er war 27 Jahre Stadtpfarrer von Grünstadt.

Pfarrer Theodor Nauerz, Altersbild
Theodor Nauerz am Tag seiner Primiz, 1933
Theodor Nauerz als Stadtpfarrer von Grünstadt
Theodor Nauerz, 1929, vor seiner Priesterweihe, als Angehöriger der katholischen Studentenverbindung Ascania

Leben

Theodor Joachim Nauerz kam als Sohn eines Eisenbahners in Otterbach zur Welt. Über seine Mutter, eine geborene Brunk, gehörte er zur Verwandtschaft des damaligen Münchner Erzbischofs und späteren Kardinals Franziskus von Bettinger. Nach seinem Studium am Canisianum in Innsbruck erhielt Theodor Nauerz am 9. Juli 1933 im Dom zu Speyer durch Bischof Ludwig Sebastian die Priesterweihe.

Danach arbeitete er als Kaplan in Kirchheimbolanden, St. Ingbert und Blieskastel. Nach einer zweijährigen Tätigkeit in der Jugendseelsorge als Präfekt im bischöflichen Studienheim St. Joseph in Speyer wirkte er erneut als Kaplan in Steinfeld und Dudenhofen sowie als Seelsorger in Eußerthal und Otterstadt. Dabei geriet Nauerz in Konflikt mit dem NS-Staat.

Von 1941 bis 1953 war Theodor Nauerz Pfarrer im nordpfälzischen Gerbach. Am 1. Dezember 1953 übernahm er das Amt des Stadtpfarrers von Grünstadt, das er bis zum 1. Dezember 1980 innehatte. Zusätzlich zur Stadtgemeinde betreute er die Filialen Mertesheim mit eigener Kirche, Asselheim mit einer Kapelle sowie Albsheim an der Eis und Mühlheim an der Eis. Unter seiner Ägide wurden die heruntergekommenen Gebäude des ehemaligen Kapuzinerklosters renoviert und wieder kirchlichen Zwecken zugeführt. Man richtete darin das Schwesternhaus und den Kindergarten ein. Außerdem ließ er einen Barock-Torbogen aufrichten, der einst zum Jesuitenkollegium Speyer gehört hatte, jedoch abgetragen und eingelagert worden war. Durch seinen Kunstverstand bewahrte er mehrere Dinge in der Grünstadter Kirche – was in anderen Gotteshäusern dem Zeitgeschmack zum Opfer fiel – darunter die Barockausstattung. Im Zuge dessen verhinderte er die geplante Beseitigung der historischen Stummorgel. Die kriegsbedingte Notverglasung der Kirche ließ er durch Bleiglasfenster ersetzen, von denen eines Hildegard von Bingen zeigt. Letzteres stellt eine Reminiszenz an seine Schwester Hildegard Nauerz dar, die die Sanierung finanziell unterstützte.

Nach seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahr 1980 war Theodor Nauerz in Kaiserslautern ansässig; dort war er als Emeritus weiterhin in der Seelsorge tätig. Später zog er in das Seniorenheim der Pilgerstätte Maria Rosenberg. Dort feierte er 2003 das Fest seines 70-jährigen Weihejubiläums. In der Wallfahrtskirche zelebrierte er selbst die Festmesse. Bis wenige Wochen vor seinem Tod hielt er in der Hauskapelle regelmäßig Gottesdienste für die Mitbewohner. Pfarrer Theodor Nauerz starb in Maria Rosenberg am 1. Oktober 2007 im Alter von 98 Jahren. Er war der älteste Priester der Diözese Speyer und wurde unter Teilnahme des damaligen Speyerer Diözesanadministrators Weihbischof Otto Georgens auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Otterbach beigesetzt.

Rezeption

Eine Dokumentation über den Widerstand Pfälzer Priester gegen den Nationalsozialismus listet folgende Fakten über ihn auf: „1935 Untersuchungsverfahren bei der Regierung Saarbrücken wegen Verweigerung des Hitlergrußes, 1936 Zeitungsangriffe gegen ihn wegen Missachtung eines politischen Umzugs in Speyer, vom 9. August bis 26. August 1940 Untersuchungshaft wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz u. Verlust seiner Pfarrstelle in Eußerthal, diesbezüglich am 10.1.1941 durch Sondergericht Saarbrücken zu 190 RM verurteilt, Oktober 1941 Schulunterrichtsverbot.“[1]

In der Wochenzeitung Der Pilger und im Pilger-Kalender erschienen ausführliche Nachrufe, Die Rheinpfalz, Lokalteil Grünstadt, publizierte zu seinem 100. Geburtstag einen Gedenkartikel.

In der Grünstadter Kirche ist am Sonntag Laetare (4. Fastensonntag) und am Sonntag Gaudete (3. Adventssonntag) – den einzigen beiden Tagen im Kirchenjahr, an denen die seltene liturgische Farbe Rosa verwendet wird – bis heute ein Messgewand im Gebrauch, das Theodor Nauerz zum 25-jährigen Priesterjubiläum 1958 geschenkt worden war.

Literatur

  • „Geschichtliche Notizen - Beilage zum Schematismus des Bistums Speyer 1947“, Pilger-Verlag Speyer 1947, auch im Reprint erschienen
  • „Nachruf“, Der Pilger, Nr. 42, 2007 sowie im Pilger-Kalender 2009
  • „Kennt ihr Otterbach ihr Gäste? - Zum 100. Geburtstag von Pfarrer Theodor Nauerz“, Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Grünstadt, 20. März 2009.

Einzelnachweise

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