Theodor Thon

deutscher Naturforscher From Wikipedia, the free encyclopedia

Theodor Thon (* 14. Mai 1792 in Eisenach; † 17. November 1838 in Jena[1]) war ein deutscher Naturforscher, Schriftsteller und Erfinder eines Stenografie-Systems.

Theodor Thon – Porträtzeichnung, etwa 1830

Leben

Theodor Thon war ein Sohn des Wirklichen Rats Heinrich Christoph Thon[2] (1756–1835) sowie ein Neffe von Christian August Thon. Er studierte nach dem Abitur am Eisenacher Gymnasium ab 1809 an der Universität Jena[3] Naturwissenschaften. Besonders widmete er sich der Mineralogie. 1810 wurde er Mitglied des Corps Saxonia Jena.[4] Vorübergehend Gutsverwalter, wurde er am 10. Oktober 1811 in Jena zum Dr. phil. promoviert.[5] Wenig später wurde ihm erlaubt, ohne Habilitation als Privatdozent der Naturgeschichte in Jena zu wirken. Er gab die Stelle im Herbst 1813 auf und kehrte nach Eisenach zurück. Er übernahm dort verschiedene private Verwaltungsämter. 1816 wurde er als Registrator bei der Großherzoglichen Landesdirektion in Eisenach angestellt.[6] Von dieser Tätigkeit unbefriedigt, bat er Anfang 1821 um seine Entlassung[7] und zog nach Weimar, um im Landes-Industrie-Comptoir naturwissenschaftliche Werke zu bearbeiten. Er vervollkommnete sich nebenbei im Zeichnen und erlernte auch die Kupferstechkunst.

Der alte Wunsch nach einem Lehrstuhl an der Landesuniversität trieb ihn 1824 wieder nach Jena. Durch seine naturwissenschaftlichen und technischen Bücher inzwischen bekannt geworden, erhielt er im Juni 1827 die fürstliche Erlaubnis, ohne weitere Förmlichkeiten wieder naturwissenschaftliche Privatvorlesungen an der Universität zu halten. Ihre Themen waren außerordentlich vielfältig: Naturgeschichte, Sammlung naturwissenschaftlicher Körper, Mineralogie, Zoologie, Entomologie, Architektur, Technologie, Kupferstechkunst und Stenografie.[8] Die Ernennung zum a.o. Professor 1834[9] besserte Thons materielle Lage nur wenig. Nach wie vor war er auf schriftstellerische Arbeiten angewiesen. Bedeutsam wurde die um 1824 angeknüpfte Verbindung mit der Verlagsbuchhandlung von Bernhard Friedrich Voigt.

Thon war dreimal verheiratet: 1. 1817 mit Karoline geb. Röhn aus Mosbach bei Ruhla († 1878 in Eisenach), nach einem Jahr geschieden[10]; 2. mit Charlotte Emilie geb. Seifert aus Spremberg († 1834 in Jena[11]); 3. 1835 mit Emilie Mathilde Luitgard Haßkerl (Hahskerl)[12]. Sein Sohn Sixt Thon (1817–1901) wurde stellvertretender Zeichenschuldirektor in Weimar; Guido Thon (* 6. Februar 1837; † 7. Oktober 1891) wurde Arzt in Queensland.

Stenografisches Wirken

Thon beschäftigte sich ab 1809 mit Stenografie.[13] Er hatte sich das geometrische Stenografie-System von Carl Gottlieb Horstig (1763–1835) angeeignet und weiterentwickelt. Zusätzlich nutzte er die Verbesserungen in Friedrich Mosengeils Systemversion von 1819.[14] 1825 veröffentlichte Thon einen Abriss dieses von ihm entwickelten Systems in seinem Biometrie-Buch. Er war der Erste, der Stenografie an einer deutschen Universität unterrichtete; von 1827 bis 1833 hielt er Vorlesungen über seine eigene Stenografie an der Universität Jena.[8] Die Einladungsschrift zu seinen Vorlesungen (1827) beschrieb sein Stenografie-System und enthielt etliche Abänderungen gegenüber seiner Systemveröffentlichung von 1825.[15]

1834 würdigte er Franz Xaver Gabelsbergers Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst ausführlich. Er entwickelte ein umfangreiches Manuskript, um zwischen der alten geometrischen und der neuen kursiven Richtung der Kurzschrift zu vermitteln; diese Ausarbeitung ist verschollen.

Bibliophiler Kupferstecher

Die meisten Kupfertafeln zu seinen Büchern stach Thon selbst. Er lieferte auch viele Zeichnungen und Kupferstiche zu fremden Werken, z. B. zu Dietrichs Deutschlands Giftpflanzen (1826).[16]

Werke (Auswahl)

  • Historisch-Geographische Stammbuchblaetter gesammelt und herausgegeben von Dr. Theodor Thon. 1. Bändchens 1. Heft. [1821]. Digitalisat.
  • Die Lebens-Meß- u. Rechnungskunst (Biomètrie). […] Nach M. A. Julliens Werken bearbeitet, mit einer Einleitung, vielen praktischen Regeln und einer ganz neuen, leichten, viel Raum und Zeit sparendern Methode der Geschwindschreibekunst (Stenographie) […]. Ilmenau 1825. Digitalisat.
  • Die Drehkunst in ihrem ganzen Umfange. Nach dem Französischen frei bearbeitet. (Reihe Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke, 15. Band.) Ilmenau 1825. Digitalisat.
  • Abbildungen ausländischer Insekten, I, Heft 1: Käfer (Jena 1826)
  • Der Gebäudemaler und Decorateur, oder die Kunst, Gebäude sowohl von Außen, als von Innen mit Geschmack zu verzieren. Nach dem Französischen frei bearbeitet und mit vielen Zusätzen versehen. (Reihe Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke, 18. Band.) Ilmenau 1826. Digitalisat.
  • Handbuch für Naturaliensammler. Frei nach dem Französischen bearbeitet und vervollständigt. Ilmenau 1827. Digitalisat.
  • Ueber den Nutzen der Stenographie, besonders über die Vortheile, welche sie Studirenden gewährt. Jena 1827. Digitalisat.
  • Die Botanik in ihrer practischen Anwendung auf Gewerbskunde, Pharmazie, Toxicologie, Oeconomie, Forstcultur und Gartenbau. Frey nach dem Französischen bearbeitet. Ilmenau 1828. Digitalisat.
  • Lehrbuch der Kupferstecherkunst, der Kunst in Stahl zu stechen und in Holz zu schneiden. Nach dem Französischen bearbeitet. (Reihe Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke, 54. Band.) Ilmenau 1831. Digitalisat.
  • Lehrbuch der Reißkunst oder der wahren Grundsätze der Zeichnenwissenschaft. Frei nach dem Französischen bearbeitet. (Reihe Neuer Schauplatz der Künste und Handwerke, 55. Band.) Ilmenau 1832. Digitalisat.
  • [Besprechung von] Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst oder Stenographie, von Fr. Xav. Gabelsberger. 1834. In: Repertorium der gesammten deutschen Literatur. 2. Band, 1834, S. 579–582.
  • Die Insekten dargestellt in getreuen Abbildungen und mit ausführlicher Beschreibung. Leipzig 1835 ff.
  • Die Naturgeschichte der in- und ausländischen Schmetterlinge. Leipzig 1837.
  • Die Insekten, Krebs- und Spinnenthiere, mit besonderer Berücksichtigung der in Deutschland lebenden, dargestellt in getreuen Abbildungen und mit ausführlicher Beschreibung von Theodor Thon und A. B. Reichenbach. (Reihe Die Naturgeschichte in getreuen Abbildungen und mit ausführlicher Beschreibung derselben, Band Insekten.) Leipzig 1838. (482 S. + CXXXI Tafeln) Digitalisat.
  • Allgemeines ökonomisch-technologisches Kunst- und Gewerbe-Lexikon, 2 Teile. Leipzig 1838–1839. Digitalisate.

In der Belletristik versuchte sich Thon unter dem Pseudonym „Guido Romito“. Er schrieb die Novelle Bertha oder Liebe und die Stimme von Jenseits (Eisenberg 1825) und die Erzählungen Der Meisterschlag und ’s hat eins geschlagen (Leipzig 1836).

Literatur

  • P. Mitzschke: Theodor Thon (1792–1838). In: Thüringer Warte. Monatsschrift für die geistigen, künstlerischen und wirtschaftlichen Interessen Thüringens. Band V, Jg. 1908/1909, S. 27–35.
  • Mitzschke: Thon, Theodor. In: Allgemeine Deutsche Biographie. 54. Band, Leipzig 1908, S. 700–702.
  • Heinz-Jürgen Thon: Geschichte der Familie Thon. Von den Anfängen in Sachsen-Eisenach bis zum Neubeginn in Bayern. (1535–2005). Hausen (Oberfr.) 2006. ISBN 3-87707-677-7. (S. 55 und 65f.)
  • H[einrich] W[eigel], F[elicitas] M[arwinski]: Thon, Theodor. In: Lebenswege in Thüringen. Vierte Sammlung. Jena 2011, ISBN 978-3-939718-57-4, S. 344–350.
Commons: Theodor Thon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Theodor Thon – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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