Theresia Schepers
deutsche Ordensfrau und eine Pionierin sozialer und seelsorglicher Arbeit
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Theresia Schepers Ordensname Schwester Kunigunde (* 22. Oktober 1914 in Mesum; † 9. April 1999 im Altenheim Haus Loreto in Leer-Horstmar) war eine deutsche römisch-katholische Ordensfrau und eine Pionierin sozialer und seelsorgerischer Arbeit.
Leben
Theresia Schepers wurde am 22. Oktober 1914 als fünftes von sieben Kindern in Mesum geboren. Sie hatte fünf Brüder und eine Schwester. Nachdem sie 1929 die Schule verlassen hatte, trat sie der Kongregation der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung bei. Dadurch bot sich ihr die Möglichkeit, eine qualifizierte Ausbildung zur Kindergärtnerin zu machen. Sie arbeitete ein Jahr im Kindergarten der Schwestern in Mesum und ging 1931, als sie 17 Jahre alt war, nach Münster in die Friedrichsburg, das Mutterhaus der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung. Zunächst musste sie die sogenannte Schulwissenschaftliche Vorprüfung als Voraussetzung für die Zulassung zum Kindergärtnerinnenseminar ablegen, dazu bekam sie Vorbereitungskurse im Mutterhaus der Schwestern. Theresia Schepers bestand 1933 die Prüfung und zwei Jahre später bestand sie auch die Prüfung zur staatlich geprüften Kindergärtnerin und Hortnerin am Sozialpädagogischen Schwesternseminar des Caritasverbandes.[1]
Eintritt in den Orden und erste Jahre
Am 9. April 1935 trat Theresia Schepers offiziell in die Kongregation ein. Sie legte ihre erste Profess, das zeitlich begrenzte Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit am 23. Oktober 1935 ab. Dabei nahm sie den Namen Kunigunde an. Sie verbrachte ihr Noviziat im St. Katharinenhaus in Winnekendonk im Dekanat Kevelaer. Dort betrieben die Schwestern einen Kindergarten und eine Handarbeitsschule sowie eine ambulante Krankenstation. Als ein nationalsozialistischer Kindergarten in Haren eingerichtet werden sollte, hatte Schwester Kunigunde einen großen Anteil daran, dies zu verhindern. Die Schwestern trugen bei ihrer Arbeit kein Ordenskleid, sondern lange dunkle Kleider mit einem kleinen Hut. Schwester Kunigunde war musikalisch und künstlerisch begabt und sehr kreativ. Dies waren gute Voraussetzungen für die Arbeit mit den Kindern. Sie beauftragte während des Zweiten Weltkriegs den Bildhauer Theodor Wenge mit der Anfertigung einer Schutzengelgruppe, die an der Außenwand des Kindergartens in einer Fensternische eingearbeitet wurde.[1]
Um Haren und die Kirche vor weiterem Beschuss zu schützen, bestieg Schwester Kunigunde am 8. April 1945, nachdem bereits die Bevölkerung Haren verlassen hatte, den Turm der Pfarrkirche St. Marinus und hisste ein Bettlaken als weiße Fahne. So trug sie dazu bei, dass der Ort und die Kirche vor weiterer Zerstörung bewahrt wurden. Haren musste im Mai 1945 auf Befehl der Militärregierung etwa 5000 aus Polen stammende „Displaced Persons“ aufnehmen und die Schwestern mussten den Ort verlassen. Kurzfristig wurde der Ort in Maczków umbenannt. Die Schwestern errichteten daraufhin Notunterkünfte, einen Behelfskindergarten und Notkapellen. Sie übernahmen seelsorgerische Aufgaben, den schulischen Unterricht und die ambulante Versorgung der Kranken. Sie konnten erst 1948 in ihr nun stark renovierungsbedürftiges St. Elisabeth-Stift zurückkehren. Auf Wunsch ihrer Vorgesetzten verließ Schwester Kunigunde am 2. April 1951 Haren und kehrte in das Mutterhaus zurück, um sich zu erholen.[1]
Weiteres Leben
Danach engagierte sich Schwester Kunigunde bis 1952 für die Betreuung von Waisen in Wesel. Von 1952 bis 1958 arbeitete sie als Pfarrhelferin in Kleve. Danach übernahm sie die Leitung eines Kindergartens in Walsum. Schließlich entschloss sich Schwester Kunigunde 1964, sich einen Lebenstraum zu verwirklichen und einen Neuanfang in der Niederlassung der Schwestern in Brasilien zu starten.[1]
In Rio de Janeiro leitete sie zunächst ein Zentrum deutschsprachiger Einwanderer. Von 1967 bis 1968 arbeitete sie als Pfarrhelferin im Bundesstaat Rio Grande do Norte. Schwester Kunigunde kam mit dem Klima nicht zurecht und sie litt unter gesundheitlichen Problemen, auch reichte ihre sprachliche Begabung nicht aus, um die Landessprache zu erlernen, so kehrte sie nach Deutschland zurück. Zunächst arbeitete sie als Gruppenleiterin in der Marienburg bei Coesfeld, dann als Erzieherin im Collegium Augustianum Gaesdonck. Ihre letzte Stelle als Pfarramtshelferin trat sie 1973 in der Pfarrgemeinde St. Barbara in Meerbeck an. Sie erwarb im Alter von 64 Jahren den Führerschein, um Hausbesuche bewältigen zu können und sorgte in der Gemeinde dafür, dass erste Messdienerinnen Dienst am Altar ausüben durften. Die Gleichberechtigung war ihr ein Anliegen.[1]
In der Pfarrgemeinde konnte Schwester Kunigunde eigenverantwortlich arbeiten und setzte auch dadurch ein Zeichen für die Aufwertung von Frauen im kirchlichen Dienst. Sie zog sich 1985 aus dem Berufsleben zurück und verbrachte von 1985 bis 1996 ihren Ruhestand im St. Anna-Stift in Stadtlohn. 1996 ging sie in das Altenheim Haus Loreto in Leer-Horstmar. Am 9. April 1999 starb Schwester Kunigunde dort.[1]
Ehrungen
Für die Menschen in Haren war Schwester Kunigunde eine Stütze in der NS-Zeit und in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, zudem rettete sie den Ort am Ende des Krieges vor weiterer Zerstörung. Dafür erhielt Schwester Kunigunde am 18. Dezember 1995 die Ehrenurkunde der Stadt Haren.[1]
Ihr wurde 2012 in Haren der „Schwester-Kunigunde-Platz“ auf dem alten Friedhof am „Emsland-Dom“ St. Martinus gewidmet.[1]
In Haren wurde Schwester Kunigunde mit einem FrauenOrt geehrt.[2]