Thomas Meyer (Schriftsteller)

Schweizer Schriftsteller, Texter und Aktionskünstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Thomas Meyer (* 20. Januar 1974 in Zürich) ist ein Schweizer Schriftsteller, Drehbuchautor, Podcaster, Aktionskünstler und Realschullehrer.

Thomas Meyer an der Frankfurter Buchmesse, 2019

Leben und Arbeit

Thomas Meyer wurde in Zürich als Sohn einer jüdischen Mutter und eines christlichen Vaters geboren und wuchs in Mellingen und Wädenswil auf. Nach einem abgebrochenen Studium der Jurisprudenz an der Universität Zürich arbeitete er als Werbetexter und Journalist. 2006 absolvierte er eine Ausbildung zum Coach. Er lebt in Zürich-Albisrieden und ist Vater eines Kindes.

Erste Beachtung als Autor erlangte er ab 1998 mit unter dem Pseudonym Hans Schmerz veröffentlichten Online-Kolumnen und als Autor der Zürcher Underground-Zeitschrift KULT. 2007 machte er sich als Autor und Texter selbstständig.

Aufkleber der «Aktion für ein kluges Zürich», eines Street-Art-Projekts von Thomas Meyer (2008)

2012 erschien Meyers Debütroman Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse beim Salis Verlag. Der Roman, der von den Liebesnöten eines jungen Wiediker Juden handelt und Deutsch mit Jiddisch kombiniert, war 2012 für den Schweizer Buchpreis nominiert und stand insgesamt 70 Wochen lang auf der offiziellen Schweizer Bestsellerliste. Für das Werk, das bislang über 200'000 Mal verkauft worden ist, erhielt Thomas Meyer 2013 den Anerkennungspreis des Zolliker Kunstpreises.

Im Sommer 2017 wurde das Buch unter demselben Titel verfilmt. Die Rolle des Motti spielt Joel Basman. Meyer schrieb das Drehbuch, Regie führte der Schweizer Michael Steiner. Der Film war die erfolgreichste Schweizer Produktion 2018[1] und war fünfmal für den Schweizer Filmpreis 2019 nominiert, darunter für das beste Drehbuch. Er ist im Weiteren die erste Schweizer Produktion, die weltweit auf Netflix gezeigt wird.[2]

2019 veröffentlichte Thomas Meyer die Fortsetzung Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin. Abermals sprach er das Hörbuch selbst ein. Es wurde für den Deutschen Hörbuchpreis 2020 in der Sparte «Beste Unterhaltung» nominiert und kam auf die Shortlist.

2015 publizierte der Salis Verlag Meyers historischen Roman Rechnung über meine Dukaten. Das Werk handelt vom preussischen König Friedrich Wilhelm I. und den Langen Kerls – seiner Leibgarde aus großen Männern. Es verwendet Ausdrücke und Schreibweisen des 18. Jahrhunderts. Den Rahmen bildet eine Liebesgeschichte zwischen einem der unfreiwillig rekrutierten «Sechsfüßer» und einer grossgewachsenen Potsdamer Bäckerstochter.[3]

Nach einer persönlichen Krise, die er mit psychiatrischer Hilfe überwinden konnte, einer Schaffenskrise und finanziellen Schwierigkeiten, entschloss er sich, zum Beruf des Lehrers zu wechseln. 2025 bezeichnete er sich in einem Interview mit der Zeitung Tages-Anzeiger als «ehemaligen Schriftsteller».[4]

Sein mit der Basler Illustratorin Magali Franov publiziertes Bilderbuch «Herschel, der Gespensterhund» war für den Schweizer Kinderbuchpreis 2026 nominiert.[5]

Kampagnen

«Meyer rät»

Seit 2014 schreibt Meyer für das Magazin des Schweizer SonntagsBlick eine wöchentliche Ratgeberkolumne. Dabei beantwortet er Zuschriften von Leserinnen und Lesern oder persönliche Schilderungen von Freunden und zufälligen Bekanntschaften zu den Themen Liebe, Beziehung, Familie und Beruf. Die bisher rund 350 Kolumnen wurden teilweise in Buchform publiziert.

Den offiziellen Fahrzeugbeschriftungen nachempfundener Aufkleber auf dem Privatwagen von Thomas Meyer

«Aktion für ein kluges Zürich»

Von 2007 bis 2010 führte Thomas Meyer das Street-Art-Projekt «Aktion für ein kluges Zürich» durch, indem er im öffentlichen Raum Aufkleber mit Fragen anbrachte. 2013 erschien beim Salis Verlag ein Postkarten-Set von Meyer, das unter dem Titel Wem würden Sie nie im Leben eine Postkarte schicken? zum Teil Fragen aus dieser Aktion aufgreift.

«Amt für Ironie»

2014 hat Thomas Meyer sein privates Auto mit der Aufschrift «Stadt Zürich – Amt für Ironie» versehen. Daneben ist das offizielle Zürcher Stadtwappen abgebildet. Die Stadt Zürich drohte Meyer in den Medien mehrfach mit Konsequenzen.[6]

Trennungscoaching

Plakat, mit dem Thomas Meyer in Zürich sein Trennungscoaching bewarb (2022)

Nach der Publikation seines Buches «Trennt euch!» wurde Thomas Meyer regelmässig mit Beratungsanfragen zum Thema Trennungen kontaktiert. Zwischen 2022 und 2024 bot er Trennungscoaching in Zürich an und beriet Menschen, die vor einer Trennung standen oder eine hinter sich hatten.[7]

Werkliste

Belletristik

  • Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse. Salis, Zürich 2012.[8][9][10]
  • Rechnung über meine Dukaten. Salis, Zürich 2014.
  • Ich frage, was für Tee es sei, der schmecke so gut (Kurzgeschichte). Salis, Zürich 2015.
  • Wäre die Einsamkeit nicht so hilfreich, könnte man glatt daran verzweifeln. Salis, Zürich 2015.
  • Trennt Euch! Salis, Zürich 2017.
  • Verschiedene Arten von Warten. Diogenes, Zürich 2019.
  • Meyers kleines Taschenlexikon. Salis, Zürich 2019.
  • Meyer rät (Sammlung der SonntagsBlick-Kolumnen). Beobachter, Zürich 2019.
  • Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin. Diogenes, Zürich 2019.
  • «Was soll an meiner Nase bitte jüdisch sein?» Über den Antisemitismus im Alltag. Salis, Zürich 2021
  • Hat sie recht? (Weitere Sammlung der SonntagsBlick-Kolumnen). Diogenes, Zürich 2021.
  • Auf Mut kannst Du lange warten. Salis, Zürich 2024.

Comic

  • Ich bin doch kein:e Antisemit:in! Sachcomic mit Lisa Frühbeis. HFF, München 2022.

Bilderbuch

  • Wie der kleine Stern auf die Welt kam. Diogenes, Zürich 2020.
  • Das Tännchen Felix. NordSüd, Zürich 2023.
  • Herschel, der Gespensterhund. Atlantis, Zürich 2025.

Drehbuch

Weitere Werke

  • Die Federhure. Kolumnenband. Edition J. Zentner, Zürich 2001.
  • Die Federhure ff. Kolumnenband. Fairlane, Zürich 2002.
  • Wem würden Sie nie im Leben eine Postkarte schicken? Set mit 48 Postkarten. Salis, Zürich 2013.
  • Mit wem möchten Sie endlich mal Klartext reden? Kartenspiel. Salis, Zürich 2021.
  • Trennt Euch! Die Praxisbox. Brettspiel. Salis, Zürich 2022.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI