Thomas Schmid (Politiker, 1961)

deutscher Kommunalpolitiker (CSB) From Wikipedia, the free encyclopedia

Thomas Schmid (* 31. Januar 1961 in Oberammergau) ist ein ehemaliger deutscher Diplomat und Kommunalpolitiker (CSB). Seit Juli 2014 ist Schmid Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbands.[1]

Thomas Schmid, 2013

Ausbildung

Schmid legte 1981 am Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen das Abitur ab. Nach dem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr studierte er Politische Wissenschaften an der Universität München. Es folgte ein Postgraduiertenstudium am College of Europe im belgischen Brügge, das er als Master of European Studies abschloss.

Berufliche Tätigkeiten und Positionen

Schmid trat 1989 in den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik ein und war über ein Jahrzehnt für den Ausländischen Dienst als Diplomat tätig.[2] In seiner letzten diplomatischen Position leitete er die Rechts- und Konsularabteilung der Deutschen Botschaft in Ottawa.

2014 wurde Thomas Schmid zum neuen Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbandes berufen. Der Verband begründete diese Entscheidung neben Schmids breitem Erfahrungsspektrum von Kommunalpolitik bis internationale Diplomatie mit Schmids Vertrautheit mit Bauprojekten, die er in seiner vorhergehenden Rolle als Bürgermeister Garmisch-Partenkirchens erfolgreich durchführte.[3]

Schmid äußerte sich als Verbandschef wiederholt zum Zusammenhang zwischen bezahlbarem Wohnraum und funktionierendem Mobilitätssystem. Er vertrat dabei die Position, dass eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur – inklusive Schienen- und Radwegenetz – den Wohnungsmarkt in Städten entlasten kann, da sie die Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land angleiche.[4]

Schmid ist ehrenamtlicher Vizepräsident der Sportorganisation Special Olympics Bayern, die sich für Inklusion und Sport von Menschen mit Unterstützungsbedarf und kognitiver Beeinträchtigung einsetzt.[5]

Politische Tätigkeit (2002–2014)

Von 2002 bis 2014 war Thomas Schmid Erster Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, zunächst für die CSU. Zu den Projekten seiner Amtszeit zählen unter anderem der Bau eines Solarparks auf der ehemaligen Mülldeponie „Am Lachen“. Mit 5.500 Photovoltaikmodulen und einer Versorgungsleistung für ca. 370 Haushalte galt der Solarpark im Eröffnungsjahr 2010 als die größte Anlage dieser Art in Südbayern.[6]

Ein weiteres zentrales Projekt war die Modernisierung der örtlichen Skianlagen im Zuge der Ausrichtung der Alpinen Skiweltmeisterschaften 2011. Schmid fungierte als stellvertretender Präsident des Organisationskomitees. Die Skiweltmeisterschaft wurde erfolgreich durchgeführt, jedoch von Kontroversen um sozio-ökonomische und ökologische Auswirkungen auf die Region begleitet. Die mediale Aufmerksamkeit richtete sich vor allem auf den Neubau der Großen Olympiaschanze, dessen Kosten von kalkulierten 10 Millionen auf über 17 Millionen Euro stiegen. Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen stellte sich nach kritischer Aufarbeitung dieser Kostensteigerung mit knapper Mehrheit hinter Verwaltung und Bürgermeister.[7]

Schmid war als Bürgermeister Befürworter der Bewerbungen von München und Garmisch-Partenkirchen für die Olympischen Winterspiele 2018 und erneut 2022.[8] Trotz der vorangegangenen Debatte um Kosten und Auswirkungen durch Sport-Großveranstaltungen stimmte die Mehrheit der Bürger von Garmisch-Partenkirchen im Bürgerentscheid 2012 deutlich für eine Olympia-Bewerbung für das Jahr 2018.[9] Beide Bewerbungen scheiterten letztlich: für Olympia 2018 entschied das IOC zugunsten Pyeongchangs, für 2022 fiel der Bürgerentscheid negativ aus.[10]

Zerwürfnis mit der CSU und Gründung des CSB

Nachdem Schmid von parteiinternen Kritikern vorgeworfen wurde, mit einem selbstherrlichen Führungsstil seiner Partei, der CSU, zu schaden,[11] wurde er von der Partei 2007 nicht erneut als Bürgermeisterkandidat aufgestellt. Als Reaktion hierauf trat er aus der örtlichen Gruppierung der Partei aus und gründete mit weiteren aus dem Ortsverband ausgetretenen Mitgliedern das "Christlich Soziale Bündnis e.V. - Bürger für Garmisch-Partenkirchen" (CSB).[12]

Bei der Kommunalwahl 2008 erzielte das CSB unter der Leitung von Thomas Schmid zwölf Gemeinderatssitze und löste die CSU als stärkste Fraktion ab.[13] Schmid setzte sich bei der Bürgermeisterwahl durch und wurde im ersten Wahlgang mit 52,2 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Der CSU-Kandidat Max Wank blieb mit 17,1 Prozent der Stimmen deutlich zurück.[14]

Nachdem Schmid bei den Kommunalwahlen 2014 nicht im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen konnte und eine Stichwahl gegen die SPD-Kandidatin Sigrid Meierhofer anstand, gab er in einer E-Mail-Erklärung bekannt, dass er nicht weiter für das Amt des Bürgermeisters zur Verfügung stehen würde. Auch im Falle eines eventuellen Obsiegens in der Stichwahl würde er die Wahl nicht annehmen. Hiernach war Schmid zunächst für mehrere Tage nicht zu erreichen.[15] Schmid erreichte in der Stichwahl 32,5 Prozent der Stimmen.

Nach Schmids Rückzug aus der Kommunalpolitik verlor das CSB in Garmisch-Partenkirchen schrittweise an Bedeutung und stand 2024 vor der Auflösung.[13]

Trivia

Schmid sorgte nicht nur in der regionalen Presse für Aufsehen, als er seine Hochzeitsgäste statt Geschenken um Geldspenden für einen Luxusurlaub bat. Erst als Reaktion auf Proteste nahm er von dieser Idee Abstand.[11] Stimmen aus der Politik äußerten sich in der Presse differenziert zum Vorfall. Der Ältestenrat in Garmisch-Partenkirchen stellte fest, dass „keinerlei Amtsbezogenheit“ vorliege, und CSU-Politiker Alexander Dobrindt wertete die Presseberichterstattung als „Sommertheater“. Stimmen aus der SPD beurteilten den Hochzeitswunsch von „höchst bedenklich“ bis zur „privaten Angelegenheit".[16]

Commons: Thomas Schmid (politician, *1961) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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