Thomas Walsingham

spätmittelalterlicher englischer Chronist From Wikipedia, the free encyclopedia

Thomas Walsingham OSB (gestorben nach 1422) war ein spätmittelalterlicher englischer Chronist. Seine Chronica maiora gilt als die bedeutendste erzählende Quelle für die englische Geschichte im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert.

Thomas Walsingham war ein Benediktinermönch der bedeutenden Abtei von St Albans. Über ihn selbst wissen wir nur relativ wenig. 1364 wird seine Priesterweihe in St. Albans erwähnt, er wird wohl um 1340 geboren sein und verbrachte seine Zeit als Priester fast ausschließlich in der Abtei, studierte aber wohl in Oxford.[1] Von 1394 bis 1396 war er Prior in Wymondham, bevor er wieder nach St. Albans zurückkehrte. Er verfasste mehrere lateinische Schriften, darunter der Liber benefactorum (über Wohltäter der Abtei und andere Personen in dessen Wirkungskreis), eine Schrift zur Musiktheorie, ein Werk über die Äbte St. Albans (Gesta abbatum, eine Fortsetzung des Werks von Matthäus Paris) und ein historisches Werk zur Eroberung der Normandie durch die Engländer (Ypodigma Neustriae).[2] Walsingham war offenbar sehr belesen und beschäftigte sich auch mit klassischen antiken Texten. Dies sollte sein wichtigstes Werk beeinflussen, die Chronica maiora.

St. Albans hatte eine lange Tradition von Gelehrsamkeit, im 13. Jahrhundert entstanden hier auch mehrere Chroniken.[3] Walsingham knüpfte daran an, wobei die Überlieferungslage für seine Chronik sehr kompliziert ist.[4] So ist kein vollständiges Manuskript erhalten, das Werk ist vielmehr in einzelnen Teilen überliefert, die unterschiedlich lang bzw. vollständig sind, was die Erforschung lange Zeit erschwert hat. Daher wurde zunächst angenommen, dass um 1400 verschiedene Chronisten in St. Albans gewirkt hätten (woraus moderne Bezeichnungen für unterschiedliche Manuskriptteile entstanden, so Chronicon Angliae und Historia Anglicana),[5] doch geht die Forschung nun weitgehend davon aus, dass die verschiedenen Manuskripte Teile eben einer großen Chronik sind und Walsingham dafür verantwortlich war.[6] Für die Zeit nach 1393 ergeben sich jedoch stilistische Auffälligkeiten, so dass Walsingham für den späteren Teil Unterstützung heranzog und die Fertigstellung überwachte.[7] Die 2003/2011 publizierte Edition von John Taylor, Wendy Childs und Leslie Watkiss bezieht die ganze Breite der vorhandenen Manuskripte erstmals ein.

Walsinghams Chronik knüpfte an das Geschichtswerk des Matthäus Paris und den anschließenden Fortsetzungen (ab 1272) an.[8] Die Zeit von 1376 bis 1422 schilderte Walsingham eigenständig. Für diesen Zeitraum ist er die wichtigste erzählende Quelle für England, wobei bedeutende Ereignisse (wie das Good Parliament von 1376, der Bauernaufstand von 1381 in England oder die Geschehnisse um John Wyclif) vor allem dank seiner Schilderung genauer nachvollziehbar sind, die zudem teilweise einzigartige Informationen enthält.[9] In der Forschung wird seine Chronik daher sehr geschätzt und gilt als zuverlässig. Walsingham stützte sich offenbar auf gute Quellen, darunter Zeitzeugen und schriftliche Quellen.[10]

Die Chronik entstand in Etappen, so wurde sie in den 1390er Jahren überarbeitet.[11] Doch eine frühe Fassung zirkulierte offenbar bereits Ende der 1380er Jahre und war recht verbreitet.[12] Mehrere Chronisten haben sich für den behandelten Zeitraum Ende des 14./Anfang des 15. Jahrhunderts auf Walsinghams Schilderung gestützt.[13]

Ausgaben und Übersetzungen

  • St Albans Chronicle. The Chronica Maiora of Thomas Walsingham. Hrsg. von John Taylor, Wendy Childs und Leslie Watkiss. 2 Bände. Oxford University Press, Oxford 2003 (Band 1) / Oxford 2011 (Band 2). [Edition mit englischer Übersetzung und umfangreicher Einleitung]
  • The Chronica Maiora of Thomas Walsingham (1376–1422). Hrsg. von David Preest, James G. Clark. Boydell Press, Woodbridge 2005. [englische Übersetzung, die auf teils anderen Manuskripten basiert als die oben genannte Edition von Taylor/Childs/Watkiss]

Literatur

  • James Clark: Thomas Walsingham Reconsidered. Books and Learning at the late-medieval St. Albans. In: Speculum 77 (2002), S. 832–860.
  • Antonia Gransden: Historical Writing in England. Band 2. Cornell University Press, Ithaca (New York) 1982, S. 118 ff.

Anmerkungen

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