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Thomaskirche (Essen)

Kirchengebäude in Essen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die evangelische Thomaskirche ist eine neugotische Backsteinkirche im Essener Stadtteil Stoppenberg. Die Thomasgemeinde gehört zum Kirchenkreis Essen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Kirche wurde im Jahr 1900 nach Plänen des Bochumer Architekten Heinrich Robert errichtet und nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg verändert wieder aufgebaut. Sie ist Teil der Themenroute 2 der Route der Industriekultur – Industrielle Kulturlandschaft Zollverein.

Thomaskirche (2021)

Geschichte

Am 1. Januar 1896 hatte sich die Stoppenberger Gemeinde von der Essener Muttergemeinde gelöst. Bis zur Grundsteinlegung der Kirche wuchs die Zahl der Gemeindeglieder von 1500 auf über 4000, was der Einwanderung von evangelischen Arbeitskräften, meist aus östlichen Gebieten, für den umliegenden Steinkohlenbergbau geschuldet war. Bis zur Einweihung der neuen Kirche wurden Gottesdienste provisorisch in Klassenräumen der evangelischen Schule I abgehalten.[1]

Grundsteinlegung

Das Baugrundstück der ersten evangelischen Kirche in Stoppenberg und des Pfarrhauses schenkte die Zeche Friedrich Ernestine am 3. Mai 1897, die Landeskirche unterstützte den Kirchbau. Die Grundsteinlegung der 950 Plätze bietenden Kirche fand am 23. Juli 1899 mit anschließender Feier im Saal des Kaisergartens der Restauration Schulz statt. Ein Festzug begann an der evangelischen Schule in der Hugenstraße und führte zum Bauplatz. Auf dem Weg hatte man sieben laubbekränzte Ehrenbögen aufgestellt, an denen Bibelsprüche angebracht waren. Angeführt wurde der Festzug von den Kindern der Volksschulen zu Stoppenberg und des Schonnebecker Bruchs, gefolgt vom Posaunenchor des Evangelischen Männer- und Jünglingvereins, dem Superintendenten des Kirchenkreises An der Ruhr und den Ortspfarrern, den Pfarrern der Nachbargemeinden, den Ehrengästen, dem Kirchbaumeister, dem Architekten Heinrich Robert, dem Presbyterium, der Kirchbaukommission, dem Evangelischen Frauen- und Jungfrauen-Missions-Vereins, dem Evangelischen Knappenverein und weiteren Gemeindegliedern. Eine geschmückte Ehrenpforte befand sich am Eingang an der Hallostraße. Der Grundriss der künftigen Kirche war bereits durch die bis zum Sockel ausgeführten Umfassungsmauern erkennbar, die mit Flaggen geschmückt waren. Nach vielen Worten und Gesang wurde die Urkunde der Grundsteinlegung mit folgendem Wortlaut verlesen:

„Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Am heutigen Sonntag, VIII. p. Trin., den dreiundzwanzigsten Juli im Jahre des Heils achtzehnhundert neun und neunzig, am Gedenktage des Religionsfriedens zu Nürnberg, im 28. Jahre nach der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, im elften Jahre der gesegneten Regierung Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm II., der sich wiederholt und zuletzt bei Gelegenheit der Einweihung der Erlöserkirche zu Jerusalem am 31. Oktober 1898 vor aller Welt zu Jesu Christo, dem Sohn Gottes, als dem einzigen Grunde unseres zeitlichen und ewigen Heiles bekannt hat, wird der Grundstein zu der Kirche der evangelischen Gemeinde Stoppenberg gelegt.“

Zu dieser Urkunde wurden in die Kapsel des Grundsteins gelegt: der Kirchbaubericht des Architekten Heinrich Robert, das Verzeichnis der Mitglieder des Presbyteriums und der Repräsentation, die Ordnung der Festfeier, die Satzungen des Evangelischen Männer- und Jünglingvereins, des Evangelischen Knappenvereins, des Evangelischen Frauen- und Jungfrauen-Missions-Vereins, der Kirchliche Anzeiger des Tages sowie ein Zenhmarkstück in Gold, ein Einmarkstück in Silber, ein Zehnpfennig- und ein Einpfennigstück.[1]

Einweihung

Mit dem ersten Gottesdienst am 18. November 1900 wurde die Einweihung gefeiert. Dazu blies der Posaunenchor des evangelischen Männer- und Jünglingsvereins vom Kirchturm herab. Im Anschluss läuteten die Glocken. Gegen 9 Uhr versammelten sich die Festgäste an der evangelischen Schule I in der Hugenstraße (seit 1937 Hugenkamp), in der bisher provisorisch Gottesdienste stattfanden, zur Abschiedsfeier. Anschließend begab sich der Festzug von dort durch die Straßen mit geschmückten Hausfassaden zur neuen evangelischen Kirche, an deren Hauptportal die Schlüsselübergabe stattfand. Es folgte der Festgottesdienst.[2] Bei der danach stattfindenden Vollendungsfeier im großen Saal des Hallo-Restaurants sprach Superintendent Karl Klingemann auf der Festversammlung. Ungeachtet der anwesenden katholischen Geistlichen und Laien forderte er finanzielle Unterstützung der Los-von-Rom-Bewegung, woraufhin die Katholiken das Lokal verließen.[3]

Architektur

Der dreischiffige, neugotische Backsteinbau nach Plänen des Bochumer Architekten Heinrich Robert war mit 125.000 Mark inklusiv Orgel und Glocken veranschlagt.[1] Der Kirchturm erhielt eine seitliche Stellung. Der am südöstlichen Ende des Langhauses angebaute rechteckige Chor besitzt beidseitige Eingänge in seinerseits kleinen Anbauten. Die Joche der Seitenschiffe werden durch Quergiebel betont. Im Innern gab es zwei Längsemporen und westlich eine Querempore. Diese Emporen wurden nach den Kriegszerstörungen nicht ersetzt. Über der erhöhten Wand hinter dem Altar befindet sich die Orgelempore. Neben einer Sakristei gibt es drei weitere Nebenräume. 1903 wurde ein baulich vom Kirchbau getrenntes Pfarrhaus auf dem von der Zeche Friedrich Ernestine gestifteten Grundstück errichtet.[4]

Zerstörung und Wiederaufbau

Durch schwere Schäden im Zweiten Weltkrieg war die Kirche seit 1943 nicht mehr nutzbar. Bei einer weiteren Bombardierung der Alliierten im Oktober 1944 brannte sie vollständig aus.[4] Nach vereinfachtem Wiederaufbau wurde die Kirche im November 1952 wieder ihrer Bestimmung übergeben. Seitdem fehlt bewusst, als bleibende Mahnung an Krieg und Zerstörung, die Kirchturmspitze.

Das Kirchengebäude, das zuvor Martin-Luther-Kirche oder Kirche der Evangelischen Gemeinde Stoppenberg genannt wurde, ist seit 1967 nach dem Apostel Thomas benannt.[5]

Im Jahr 1989 fand ein großer Umbau statt, der der Kirche ihr heutiges Aussehen verlieh. Dabei wurde unter anderem ein Foyer eingezogen, das bis heute auch als Gemeinderaum genutzt wird.

Derzeit (Stand 2026) gibt es Planungen zum Umbau der Kirche zum Quartierszentrum, um sie zukunftsfähig zu erhalten.[6]

Commons: Thomaskirche (Essen-Stoppenberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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