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Thomaskirche (Grünwald)

schlichter Saalbau mit dreiseitigem Chorabschluss und wuchtigem Westturm, Backstein geschlämmt, im Stil der Neuen Sachlichkeit, von Oskar Delisle und Ingwersen, 1931/32; mit Kirchenausstattung From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Thomaskirche ist ein evangelisch-lutherisches Kirchengebäude. Es befindet sich am Ludwig-Thoma-Platz 5 in der Gemeinde Grünwald im Landkreis München.

Thomaskirche

Geschichte

Die Beratschlagungen ab 1924 von Grünwalder Bürgern mit dem Dekan Theodor Heckel mündeten 1926 in die Gründung des Evangelischen Vereins Grünwald und Geiselgasteig, dessen Ziel die Errichtung einer Tochterkirchenstiftung war. Die staatliche Genehmigung zur Erbauung einer Kirche wurde 1930 erteilt. Die Gemeinde Grünwald räumte daraufhin für die Lösung der Grundstücksfrage ein Erbbaurecht am Parkplatz ein. Zur Finanzierung der Baukosten von 56.452 Reichsmark mussten die etwa 450 Gemeindeglieder einen wesentlichen Anteil übernehmen. Nach einem Entwurf der Architekten Oskar Delisle und Bernhard Ingwersen wurde am 8. November 1931 der Grundstein gelegt. Daraufhin wurde das Gebäude von der Baufirma Martin Kneidl, dessen Firmeninhaber damals auch Bürgermeister von Grünwald war, ausgeführt. Am 4. September 1932 wurde die Evangelisch-Lutherische Kirche am Parkplatz zu Geiselgasteig bei München durch Kreisdekan Baum und Dekan Langenfaß feierlich eingeweiht.[1]

1940 wurde die Tochterkirchengemeinde Grünwald in die neu errichtete Gemeinde Emmaus in Harlaching integriert.[1]

Mit dem Beschluss des Landeskirchenrats vom 10. Februar 1953 erhielt die Kirche den Namen Thomaskirche und wurde 1955 zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben.[1]

Im Laufe der Zeit wurden diverse Renovierungen durchgeführt, wie die Umgestaltung der Empore oder die Erneuerung der Bankheizung.[1]

Kirchengebäude und Ausstattung

Die geostete Kirche ist ein schlichter Saalbau mit dreiseitigem Chorabschluss und wuchtigem Westturm. Sie ist in einer traditionellen Formensprache mit geschlämmten Backsteinen errichtet, im Stil der Neuen Sachlichkeit, und daher auch im Kirchenraum schlicht gehalten. Der ortsansässige Schreinermeister Karl Hengst fertigte die Kirchenbänke. Der zunächst einzige Schmuck des Raumes war neben Taufstein, Altar und Kanzel aus rotem Wesersandstein nur ein schweres Holzkreuz.[1]

Fresko

Prägnant gestaltet wurde das Altar-Fresko Die Bergpredigt von Reinhold Max Eichler, welches er in 54 sogenannten Tagwerken im Alter von 62 Jahren schuf und 1935 signierte. Die Vollendung wurde lediglich in einer knappen Pressemitteilung in den Münchner Neuesten Nachrichten vom 24. Juni 1936 erwähnt. Dort heißt es, dass ein „monumentales Freskobild“ mit der Darstellung der Bergpredigt der evangelischen Gemeinde zu Grünwald übergeben wurde. Das Fresko mit 4,5 m × 6,5 m gilt als eines der bedeutendsten Werke Eichlers. Der Künstler deutet das Geschehen als eine illusionistische Fortsetzung des Kircheninneren, indem Volk und Jünger die Sitzordnung der Kirche fortsetzen und die Altarstufen den Berg hinauf führen, auf dem Christus predigt. Das kunsthistorisch bedeutsame Werk gilt auch als künstlerisches Bekenntnis gegen die NS-Ideologie.[2][3]

Die vorhergehende Untersuchung und anschließende Restaurierung durch eine Kunsthistorikerin und zwei Restauratoren wurde 2008 abgeschlossen.[4]

Orgel

Die erste Orgel der Kirche mit 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal wurde 1938[1] von Albert Moser erbaut. Die Disposition des pneumatischen Kegelladen-Instruments lautete:[5]

Disposition der Moser-Orgel
I Manual
Gedeckt8′
Weidenpfeife8′
Gemshorn4′
Mixtur II–III2′
II Manual
Quintatön8′
Prestant4′
Blockflöte2′
Terzian
Tremulant
Pedal
Subbaß16′
Pommer08′
Prestant 04′′′[Anm. 1]′′
Blockflöte 02′′′[Anm. 1]′′

Anmerkungen

  1. Transm. aus 2. Man.

Die heutige Orgel wurde 1992 von der Orgelbauwerkstatt Georges Heintz für 300.000 DM gefertigt.[2] Das rein mechanische Schleifladen-Instrument verfügt über 18 Register plus zwei Transmissionsregister auf zwei Manualen und Pedal. Das Hauptwerk in der Brüstung als Brüstungswerk ausgeführt, Schwell- und Pedalwerk sind auf einer Windlade an der Rückwand der Empore platziert. Das Werk wurde am 13. September 1992 unter dem Pfarrer Gerhard Nörr feierlich eingeweiht.[2] Die Disposition lautet:[6][7]

I Hauptwerk
Principal8′
Gedeckt8′
Flûte harmonique8′
Oktave4′
Flûte conique4′
Nazard223
Oktave2′
Mixtur IV113
Tremulant
II Schwellwerk
Flöte8′
Prestant4′
Quinte223
Waldflöte2′
Terz135
Larigot113
Oboe8′
Tremulant
Pedal
Subbaß16′
Oktavbaß08′
Flöte08′
Prestant04′
Fagott16′

Glocken

Bereits mit dem Bau der Kirche wurden drei Glocken in den Turm eingehoben, die von der Firma Schilling in Apolda gegossen worden waren. Die beiden größten Glocken wurden zu Kriegsbeginn beschlagnahmt und neben den Glockenstühlen zerschlagen, da man sie anders nicht aus dem Turm herausbrachte.[1] Die heutigen vier Glocken erklingen auf die Nominaltöne fis', gis', h' und cis´´, und wurden bis auf die erhaltene 3. Glocke (h') 1962 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossen.

Commons: Thomaskirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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