Thorit

Mineral, Inselsilikat aus der Zirkon-Gruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Mineral Thorit ist ein häufig vorkommendes Inselsilikat aus der Zirkongruppe und hat die chemische Zusammensetzung (Th,U)[SiO4].[4] Durch Substitution kann es beträchtliche Mengen anderer Elemente enthalten, insbesondere Zirconium und Uran anstelle von Thorium.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Thorit
idiomorpher Thoritkristall aus der „Kemp Uranium Mine“, Cardiff, Ontario, Kanada
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Thr[1]

Chemische Formel (Th,U)[SiO4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/A.07
VIII/A.09-030[2]

9.AD.30
51.05.02.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol 4/mmmVorlage:Kristallklasse/Unbekannte Kristallklasse[3]
Raumgruppe I41/amd (Nr. 141)Vorlage:Raumgruppe/141[4]
Gitterparameter a = 7,13 Å; c = 6,32 Å[4]
Formeleinheiten Z = 4[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5 bis 5[5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,63 bis 7,20; berechnet: 6,70[5]
Spaltbarkeit deutlich nach {110}[5]
Bruch; Tenazität muschelig; spröde[5]
Farbe gelborange, bräunlichgelb, braun bis schwarz, auch grün[5]
Strichfarbe hellorange bis dunkelbraun[5]
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz, Harz- bis Fettglanz[5]
Radioaktivität sehr stark: 32 kBq/g[3]
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,790 bis 1,840[6]
nε = 1,780 bis 1,820[6]
Doppelbrechung δ = 0,010 bis 0,020[6]
Optischer Charakter einachsig negativ
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Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist quadratische, prismatische oder pseudo-oktaedrische Kristalle bis etwa 8 cm Größe, aber auch massige Aggregate von gelboranger, bräunlichgelber, brauner bis schwarzer, selten auch grüner Farbe und helloranger bis dunkelbrauner Strichfarbe.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Thorit 1828 vom Pfarrer Morten Thrane Esmark auf der norwegischen Insel Løvøya (Løvø) im Langesundsfjord in der norwegischen Provinz Telemark und 1829 wissenschaftlich beschrieben durch Jöns Jakob Berzelius, der das Mineral nach dem in der Formel enthaltenen chemischen Element Thorium benannte.[7]

Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen und Geologischen Museum der Universität Oslo (MGMU) in Oslo unter der Inventarnummer 5998 (CT) aufbewahrt.[8][9]

Da der Thorit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Thorit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[10] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Thorit lautet „Thr“.[1]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Thorit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“, wo er gemeinsam mit Coffinit, Thorogummit (diskreditiert) und Zirkon in der „Zirkon-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/A.07 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/A.09-030. Dies entspricht der Abteilung „Inselsilikate mit [SiO4]-Gruppen“, wo Thorit zusammen mit Atelisit-(Y), Coffinit, Hafnon, Reidit, Stetindit-(Ce), Thorogummit und Zirkon die „Zirkongruppe“ mit der Systemnummer VIII/A.09 bildet.[2]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[11] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Thorit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Inselsilikate ohne zusätzliche Anionen; Kationen in oktaedrischer [6]er- und gewöhnlich größerer Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Coffinit, Hafnon, Stetindit, Thorogummit und Zirkon die „Zirkongruppe“ mit der Systemnummer 9.AD.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Thorit die System- und Mineralnummer 51.05.02.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikatminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in >[6]-Koordination“ in der „Zirkongruppe“, in der auch Zirkon, Hafnon, Coffinit, Thorogummit und Stetindit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Thorit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I41/amd (Raumgruppen-Nr. 141)Vorlage:Raumgruppe/141 mit den Gitterparametern a = 7,13 Å und c = 6,32 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Eigenschaften

Das Mineral ist durch seinen Gehalt an Thorium (max. 71,6 %) und Uran (je nach Grad der Substitution von Thorium) sehr stark radioaktiv. Unter Berücksichtigung der Mengenanteile der radioaktiven Elemente in der idealisierten Summenformel sowie der Folgezerfälle der natürlichen Zerfallsreihen wird für das Mineral eine spezifische Aktivität von etwa 32 kBq/g[3] angegeben (zum Vergleich: natürliches Kalium 0,0312 kBq/g). Der zitierte Wert kann je nach Mineralgehalt und Zusammensetzung der Stufen deutlich abweichen, auch sind selektive An- oder Abreicherungen der radioaktiven Zerfallsprodukte möglich und ändern die Aktivität.

Aufgrund der starken Radioaktivität ist es zudem oft metamikt, das heißt sein Kristallgitter ist zerstört, wobei durch die zunehmende Zerstörung des Kristallgitters auch die Farbe immer dunkler wird, von Braun bis schließlich Schwarz.

Modifikationen und Varietäten

Die Verbindung (Th,U)[SiO4] ist polymorph, das heißt, sie tritt in der Natur neben dem tetragonalen Thorit auch als monokliner Huttonit auf.

Orangit ist eine kristallisierte, orangefarbene oder gelbe Varietät von Thorit; Uranothorit mit viel U, MacIntoshit mit U und Ce, Auerlith mit P anstelle von Si.

Thorgummit galt bis 2014 als eigenständiges Mineral, wurde diskreditiert und wird seitdem als Thorit-Varietät geführt.[12]

Bildung und Fundorte

Idiomorpher Thoritkristall

Thorit ist ein typisches Mineral in granitischen Pegmatiten, die an inkompatiblen Elementen angereichert sind. Weiterhin findet sich Thorit in sehr geringer Menge in zahlreichen magmatischen und metamorphen Gesteinen. Begleitminerale sind unter anderem Zirkon, Monazit, Gadolinit, Fergusonit, Uraninit, Yttrialith-(Y) und Pyrochlor.

Als häufige Mineralbildung ist Thorit an vielen Orten anzutreffen. Weltweit sind bisher über 1800 Vorkommen[13] für Thorit dokumentiert (Stand: 2025). Außer an seiner Typlokalität auf der Insel Løvøya (Løvø) trat das Mineral noch an vielen Orten in der Kommune Porsgrunn und der Provin Telemark auf. Weitere bekannte Fundorte in Norwegen liegen unter anderem in den Provinzen Agder, Akershus, Buskerud, Nordland, Østfold und Vestfold.[14]

In Deutschland fand sich Thorit bisher bei Malsburg-Marzell und Hornberg in Baden-Württemberg, im Steinbruch Steinerleinbach (Markt Röhrnbach), im Graphitbergwerk Kropfmühl (Hauzenberg) und im Steinbruch Stahl bei Dörrmorsbach in Bayern, in den Pegmatiten um Elmshausen (Lautertal) in Hessen, an verschiedenen Stellen nahe dem Laacher See und der Gemeinde Mendig in Rheinland-Pfalz sowie bei Markersbach, am Schwalbenberg bei Königshain, im Steinbruch Arnsdorf-Melaune bei Döbschütz und in Mineralproben, die beim Aushub des Autobahntunnels Königshainer Berge bei Thiemendorf in Sachsen anfielen.[14]

In Österreich kennt man Thorit aus verschiedenen Steinbrüchen in Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Oberösterreich.

In der Schweiz wurde das Mineral bisher nur bei Iragna im Kanton Tessin, bei Tiefenbach UR im Kanton Uri sowie bei La Fouly, im Binntal, bei Grengiols und bei Emosson im Kanton Wallis gefunden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Ägypten, Algerien, Argentinien, Armenien, Australien, Bangladesh, Belarus, Bolivien, Brasilien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Japan, Kambodscha, Kamerun, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Madagaskar, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Myanmar, Namibia, Neuseeland, Nigeria, Nord- und Südkorea, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, der SchwedenSlowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Ukraine, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland) sowie in mehr als der Hälfte der Bundesstaaten der USA.[14]

Siehe auch

Literatur

  • J. J. Berzelius: Ueber den Thorit, ein neues Mineral, und eine darin enthaltene neue Erde, die Thorerde. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 91, 1829, S. 633–634 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 17. März 2026]).
  • J. J. Berzelius: Untersuchung eines neuen Minerals und einer darin enthaltenen zuvor unbekannten Erde. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 92, 1829, S. 385–415 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 17. März 2026]).
  • L. H. Fuchs, Elizabeth Gebert: X-ray studies of synthetic coffinite, thorite and uranothorites. In: American Mineralogist. Band 43, Nr. 3–4, 1958, S. 243–248 (englisch, minsocam.org [PDF; 353 kB; abgerufen am 17. März 2026]).
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 671 (Erstausgabe: 1891).
Commons: Thorite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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