Tiberius Claudius Cogidubnus
Vassallenkönig und legatus augusti
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Tiberius Claudius Cogidubnus (nach neueren Überlegungen vielleicht eher Tiberius Claudius Togidubnus) war König und legatus Augusti, also ein Klientelkönig in der römischen Provinz Britannien in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., der über die keltischen Regni (auch Regini oder Regnentes genannt) herrschte. Diese hatten in der vorrömischen Zeit unter der Herrschaft der Atrebaten gestanden. Tiberius Claudius Cogidubnus folgte als König wohl einem gewissen Verica.
Tiberius Claudius Cogidubnus wurde wahrscheinlich als Mitglied der lokalen herrschenden Schicht geboren. Als England im Jahr 43 n. Chr. von den Römern erobert wurde, ist er anscheinend auserwählt worden, auf der Insel eine Rolle als König einzunehmen. Es ist denkbar, dass er zuvor als Kind zur Erziehung nach Rom gesandt worden war und im Erwachsenenalter wieder in die Provinz zurückgeschickt wurde, um dort die Herrschaft anzutreten, wie das auch bei dem Cheruskerfürsten Arminius der Fall gewesen war. Dafür können aber keine Belege erbracht werden.
Quellen

Als Ehrbezeugung und auch aus Respekt für den römischen Kaiser nahm er dessen Namen an: Tiberius Claudius. Tiberius Claudius Cogidubnus ist nur in zwei schriftlichen Quellen bezeugt: bei Tacitus und auf einer Inschrift, die man in Chichester fand.
Tacitus erwähnt in der Biographie seines Schwiegervaters Gnaeus Iulius Agricola, dass der britische König Cogidubnus – in den Abschriften meist Cogidumnus genannt – bestimmte Stammesgebiete zur Regentschaft erhalten habe. Der König habe schon früh die römischen Sitten angenommen und sei bis zu Tacitus’ Zeiten immer loyal gewesen:[1]
„Quaedam civitates Cogidumno regi donatae (is ad nostram usque memoriam fidissimus mansit), vetere ac iam pridem recepta populi Romani consuetudine, ut haberet instrumenta servitutis et reges.“
1723 fand sich in Chichester, dem ehemaligen Noviomagus Regnorum, eine Inschrift, die die Errichtung eines Tempels für Neptun und Minerva erwähnt. Die Erlaubnis zum Tempelbau erteilte der König (rex) und legatus augusti Tiberius Claudius Cogidubnus. Die Inschrift lautet:

TEMPLVM
[PR]O·SALVTE·DO[MVS]·DIVINA[E]
[EX]·AVCTORITAT[E·TI]·CLAVD·
[CO]GIDVBNI·R[EG·MA]GNI·BRIT·
[COLE]GIVM·FABROR·ET[·Q]VI·IN·E[O]
[SVNT]·D·S·D·DONANTE·APEAM
Deutsche Übersetzung (mit erklärenden Anmerkungen in eckigen Klammern): [Den Göttern] Neptun und Minerva haben diesen Tempel für das Heil des Göttlichen Hauses [der römischen Kaiser] auf Veranlassung des Tiberius Claudius Cogidubnus, des rex magnus Britannorum, das collegium [die ‚Zunft‘] der Schiffsbauer [oder Schmiede] und ihre Mitglieder aus ihren eigenen Mitteln geweiht, wobei Clemens, der Sohn des Pudentinus, das Gelände gegeben hat.[3]
Der Titel rex magnus Britannorum war aus römischer Perspektive bedeutungslos; welche konkrete Rolle in Britannien für Cogidubnus damit einherging, ist umstritten. Ebenfalls nicht eindeutig geklärt ist, ob Tiberius Claudius Cogidubnus direkt in Chichester residierte. In der Nähe von Chichester, im Dorf Fishbourne, wurde ein großes palastartiges Gebäude ausgegraben, das diesem König zugeordnet wird. Falls Cogidubnus ein eigenes Herrschaftsgebiet hatte, wurde es nach seinem Tod sicherlich voll in das römische Reich integriert, denn es wurde kein Nachfolger als König bestimmt.
Literatur
- Barry Cunliffe: Fishbourne. A Roman Palace and Its Garden. Thames and Hudson, London 1971, ISBN 0-500-27015-5, S. 23–25, 165–169.
- Anthony A. Barrett: The Career of Tiberius Claudius Cogidubnus. In: Britannia. Band 10, 1979, S. 227–242.
- Julianus Egidius Bogaers: King Cogidubnus in Chichester: Another Reading of RIB 91. In: Britannia. Band 10, 1979, S. 243–254.
- Jean Coert: Cogidubnus – ein König ohne Königreich in der britannischen Provinz? Die Dekonstruktion eines Klientelkönigreiches im römischen Britannien. In: Phasis. Greek and Roman Studies. Band 21/22, 2019, S. 30–72 (online).