Tiit Tamm
estnischer Wintersportler und Trainer
From Wikipedia, the free encyclopedia
Tiit Tamm (* 18. April 1952 in Tallinn, Estnische SSR[1]) ist ein ehemaliger estnischer Wintersportler und heutiger Trainer. Er war für die Sowjetunion im Skispringen, im Skilanglauf, der Nordischen Kombination und im Biathlon aktiv und von 1989 bis 1998 Biathlonnationaltrainer in Estland.
| Tiit Tamm | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nation | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Geburtstag | 18. April 1952 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Geburtsort | Tallinn, Estnische SSR, Sowjetunion | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Größe | 176 cm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Gewicht | 70 kg | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Beruf | Skitrainer | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Karriere | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Disziplin | Skispringen Nordische Kombination Biathlon | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Trainer | Uno Kajak (1961–1969) Raimond Mürk (1969–1975) Tõnu Haljand (1975–1977) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Status | zurückgetreten | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Medaillenspiegel | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Werdegang
Tamm begann als Neunjähriger 1961 mit dem Skisprung- und dem Biathlontraining[2] unter Anleitung des Kombinierers Uno Kajak, der selbst 1956 an den Olympischen Winterspielen teilgenommen hatte sowie dem mehrfachen estnischen Meister Enn Uhkai.[2] 1968 und 1969 gewann Tamm bei den estnischen Jugendmeisterschaften insgesamt viert Titel, zwei davon im Skispringen und zwei im Biathlon. Ab 1969 trainierte er unter Raimond Mürk und gewann bei den estnischen Juniorenmeisterschaften 1970 Gold im Skispringen sowie bei den Senioren Gold in der Nordischen Kombination. Im gleichen Jahr startete er bei den Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften 1970 in Östersund und erreichte den 10. Platz im Einzelwettbewerb sowie bei den Nordischen Junioren-Skieuropameisterschaften 1970 in Bad Goisern den 11. Platz im Skisprung-Einzel, nachdem er am Vortag in der Qualifikation beim Sprung auf Bestweite schwer gestürzt war.[2] Im Folgejahr gelang ihm bei den Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften im finnischen Hämeenlinna der 15. Platz im Einzel. Bei seinem dritten Start bei den Juniorenweltmeisterschaften 1972 im Schweizer Linthal erreichte er mit Platz 6 sein bis dahin bestes Resultat. Bei den Vorbereitungen für die Nordischen Skiweltmeisterschaften 1974 in Falun stürzte Tamm Ende 1973 schwer und zog sich dabei eine Kniegelenksverletzung zu und konnte so nicht starten.[2] Obwohl man anfangs von einem Ausfall über Monate ausging, konnte Tamm durch eine neuartige Behandlung der Verletzung in einer Dekompressionskammer und mit Hilfe von später ab 1976 verbotenen anabolen Steroids bereits nach wenigen Wochen das Training wieder aufnehmen.[2]
Ab 1975 trainierte Tamm für zwei Jahre unter Tõnu Haljand. 1976 stürzte Tamm erneut und zog sich nach einem Aufprall bei 65 Metern eine Kompressionsfraktur der Halswirbelsäule zu.[2] Nachdem er monatelang nicht springen konnte, gelang ihm einen Tag, nachdem die Gipsverbände entfernt worden, der Sieg bei einem Turnier in Otepää.[2] Von 1977 bis 1979 gewann er dreimal die Estnischen Meisterschaften in der Nordischen Kombination.
Obwohl er erst 1979 seine aktive Karriere beendete, arbeitete Tamm bereits ab 1978 als Trainer und Ausbilder für Dynamo und das Sportkomitee der Estnische SSR.[1] Von 1980 bis 1984 arbeitete er als leitender Trainer und Lehrer an der Skischule Dynamo. 1985 überlebte er das Unglück des Aeroflot-Flug 8381, nachdem er und einige von ihm betreuten Sportler trotz gebuchter Tickets das Flugzeug nicht rechtzeitig vor dem Start erreichten und somit beim Absturz, bei dem 94 Personen, darunter auch Sportler wie der Tischtennisspieler Alari Lindmäe ums Leben kamen, nicht an Bord waren.[2]
Ab 1989 war er für neun Jahre Biathlonnationaltrainer der estnischen Männer. 1994 erhielt er die Auszeichnung zum Estnischen Trainer des Jahres.[1] Im gleichen Jahr hatte er gemeinsam mit einigen seiner Sportler sowie seinem Freund Anatoli Šmigun und dessen Tochter und späteren Olympiasiegerin Kristina Šmigun-Vähi Tickets für die Fahrt mit der Fähre Estonia am 27. September 1994 von Tallinn nach Stockholm. Auf der Fahrt zum Hafen blieb die Gruppe aufgrund eines Fahrzeugdefekts liegen und war somit nicht an Bord, als das Schiff während seiner Überfahrt in der Nacht sank.[2] Kristina Šmigun-Vähi selbst beschrieb die Umstände später auch in ihrer Autobiografie.[2]
1998 nach seinem Ausscheiden wurde er Trainer beim Skiclub Nömme, ab 2007 war er für drei Jahre dessen Vorsitzender.[1] 2003 erhielt er den Jahrespreis der estnischen Kulturstiftung für Körperkultur und Sport.[1]
2011 erhielt Tamm die Lizenz als Skisprungtrainer.[3] Im Rahmen seiner jahrelangen Trainertätigkeit arbeitete er mit zahlreichen Skispringen und Nordischen Kombinierern, darunter Allar Levandi, Ago Markvardt, Peter Heli, Toomas Tiru, Magnar Freimuth, Ilmar Aluvee, Tambet Pikkor und Jens Salumäe.[2]
Tamm lebt seit 2014 auf einem Bauernhof im Dorf Roosiku in der Gemeinde Antsla. Im Ortsteil Rehepapi betreibt er eigene Skispisten für Kinder und bietet Skikurse für Nachwuchssportler an.[2] Seit 2014 ist er Vorsitzender und Trainer beim Sportklub Rehepapi.[4]
Doping
Bei einem Interview 2019 räumte Tamm ein, als Athlet unwissentlich mit Ephedrin gedopt worden zu sein.[2] Er bestätigte, das Medikamentenversuche durch sowjetische Sportmediziner durchgeführt worden sind, jedoch nur bei Sportlern, die nicht für die Olympischen Spiele nominiert werden sollten.[2] Tamm berichtete auch von Todesfällen in Verbindung mit den Medikamententests.[2] Das Doping am von ihm 1979 als Trainer betreuten Skispringers Fjodor Koltšin durch dessen Mutter und ehemalige Olympiasiegerin Alewtina Koltschina soll laut Tamms Aussagen der Grund für das eigene Karriereende 1979 gewesen sein.[2]
Platzierungen
Biathlon
- 1970 Östersund: 10. Platz im Einzel
- 1971 Hämeenlinna: 15. Platz im Einzel
- 1972 Linthal: 6. Platz im Einzel
- Estnische Jugendmeisterschaften
- 1968: Gold Einzel
- 1969: Gold Einzel
- Estnische Meisterschaften
- 1970: Gold Einzel
- 1973: Gold Einzel
Skispringen
- 1970 Bad Goisern: 11. Platz im Skispringen
- Estnische Jugendmeisterschaften
- 1968: Gold Einzel
- 1969: Gold Einzel
- Estnische Juniorenmeisterschaften
- 1970: Gold Skispringen
- 1971: Silber Skispringen Mannschaft
- 1972: Silber Skispringen
- Estnische Meisterschaften
- 1973 Sommer: Gold Einzel
- 1973 Winter: Silber Einzel
Nordische Kombination
- Estnische Meisterschaften
- 1970 Otepää: Bronze Einzel
- 1971 Otepää: Silber Einzel
- 1973 Otepää: Silber Einzel
- 1974 Otepää: Silber Einzel
- 1975 Otepää: Gold Einzel
- 1977 Otepää: Gold Einzel
- 1979 Otepää: Gold Einzel