Till Patrik Holterhus
deutscher Rechtswissenschaftler
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Till Patrik Holterhus (* 1983 in Bremen) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer. Er ist Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität des Saarlandes und Direktor des Europa-Instituts Saarbrücken.
Biografie
Von 2003 bis 2009 studierte Holterhus mit einem Stipendium der deutschen Begabtenförderung Rechtswissenschaft an der Georg-August Universität Göttingen. Parallel absolvierte er das Magisterstudium „Rechtsintegration in Europa“.
2013 wurde Holterhus an der Georg-August-Universität Göttingen mit einer Arbeit zum europäischen Prozessrecht promoviert. Im Rahmen seiner ebenfalls durch die deutsche Begabtenförderung geförderten Promotion absolvierte er einen Forschungsaufenthalt an der University of California, Berkeley.
Den juristischen Vorbereitungsdienst absolvierte er von 2012 bis 2014 im Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf, unter anderem mit Stationen beim Bundesverfassungsgericht und beim Auswärtigen Amt. Anschließend erwarb er von 2016 bis 2017 einen Master of Laws (LL.M.) an der Yale Law School.
In den Jahren 2021 und 2022 übernahm Holterhus Vertretungsprofessuren an der Georg-August Universität Göttingen (BVR a. D. Prof. Dr. Andreas Paulus) sowie der Humboldt-Universität zu Berlin (Richter am IGH Prof. Dr. Georg Nolte). Im Jahr 2022 habilitierte er sich an der Georg-August-Universität Göttingen mit der Arbeit „Der extrovertierte Rechtsstaat“.
2023 wurde er zum Professor (W3) für Staats- und Verwaltungsrecht, Internationales Öffentliches Recht sowie Rechtsvergleichung an die Leuphana Law School der Leuphana Universität Lüneburg berufen. Dort verantwortete er den Aufbau eines neuen Modells des Jurastudiums, dass interdisziplinär ausgerichtet und vollständig in den „Bologna-Prozess“ integriert ist.[1] Er ist Mitbegründer der Juristischen Gesellschaft Lüneburg-Celle e. V.
Zum 1. Februar 2026 folgte Holterhus einem Ruf an die Universität des Saarlandes auf eine Professur (W3) für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht. Er ist Direktor des dortigen Europa-Instituts Saarbrücken.[2] Ein Bleibeangebot der Leuphana Universität Lüneburg lehnte er ab.[3]
Holterhus’ Arbeit ist von internationaler Vernetzung gekennzeichnet. Studium, Lehre und Forschung führten Holterhus unter anderem in die USA (Berkeley, Yale), nach China (Nanjing), Frankreich (Paris), Irland (Galway), Ungarn (Budapest) und Österreich (Innsbruck).[4] Er ist Gründer und Ko-Vorsitzender der „Interest Group on the European and International Rule of Law“ der „European Society of International Law (ESIL)“. In 2024 hat er auf Einladung der Harvard Law School am Minda de Gunzburg Center for European Studies zum Thema „EU Supranational Militant Democracy“ vorgetragen.[5]
Forschungsschwerpunkte
Holterhus’ Forschungsschwerpunkte liegen in den unions- und völkerrechtlichen Bezügen des deutschen Verfassungsrechts, im Außenverfassungsrecht der Europäischen Union, im europäischen Binnenmarkt- und Wirtschaftsrecht, im institutionellen Völkerrecht, im internationalen Menschenrechtsschutz, im Wirtschaftsvölkerrecht sowie in der Theorie der Rechtsstaatlichkeit in staatlichen und überstaatlichen Herrschaftsordnungen.
Der Arbeit von Holterhus’ Lehrstuhl liegt ein Forschungsansatz zu Grunde, der die deutsche, europäische und internationale Rechtsordnung im Sinne eines „Internationalen Öffentlichen Rechts“ stets in ihren vertikalen Verflechtungen begreift und betrachtet.[6]
Dritte Mission
Holterhus tritt regelmäßig in verschiedenen Medien (unter anderem FAZ[7], Die ZEIT[8], 3-sat[9], rbb24 Inforadio[10], oder Saarländischer Rundfunk) und als Sachverständiger in Anhörungen des Deutschen Bundestages auf.
Herausgeberschaften
- Mitherausgeber der „Zeitschrift für europarechtliche Studien (ZEuS)“ (Nomos)
- Mitherausgeber der Schriftenreihe „Schriften des Europa-Instituts der Universität des Saarlandes“ (Nomos)
Veröffentlichungen (Auswahl)
(Quelle: [11])
- Rechtsstaat, 2022 (Bundeszentrale für politische Bildung), Informationen zur politischen Bildung/IzpB („Schwarze Hefte“), Nr. 351/2022, 82 Seiten, Erstauflage 500.000 Stk.
- Handbuch Europäische Souveränität, 2024 (Mohr Siebeck), gemeinsam mit Ferdinand Weber, 573 Seiten
- Die schwache Gewalt? – Zur Behauptung judikativer Autorität, 2022 (Mohr Siebeck), Schriftenreihe POLITIKA, 169 Seiten, gemeinsam mit Fabian Michl