Tim Ballard

US-amerikanischer ehemaliger Beamter der CIA From Wikipedia, the free encyclopedia

Timothy Ballard ist ein US-amerikanischer ehemaliger Beamter der CIA und des Department of Homeland Security sowie der Gründer und ehemalige CEO von Operation Underground Railroad (O.U.R.), einer Organisation, die sich gegen Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen einsetzt. Der Thriller Sound of Freedom aus dem Jahr 2023 mit Jim Caviezel in der Hauptrolle wurde von Ballards Erfahrungen inspiriert, wenn auch stark fiktionalisiert. Ballard musste O.U.R. im Juli 2023 verlassen, nachdem mehrere Mitarbeiter der Organisation ihm sexuellen Fehlverhalten vorgeworfen hatten.

Tim Ballard (2023)

Laufbahn

Ballard wuchs in Kalifornien auf und schloss 1994 die La Cañada High School ab.[1][2] Als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage absolvierte er eine zweijährige Mission in Chile. Danach besuchte er die Brigham Young University (BYU) in Utah und schloss sein Studium mit einem Bachelor of Arts in Spanisch und Politikwissenschaft ab. Anschließend erwarb er einen Master of Arts in internationaler Politik am Monterey Institute of International Studies (heute Teil des Middlebury College).[3] Laut Ballard arbeitete er im US-Innenministerium und war der Internet Crimes Against Children Task Force (Task Force für Internetkriminalität gegen Kinder) zugeteilt.[4] Er soll auch für die CIA gearbeitet haben.[5]

Ballard gründete 2013 die gemeinnützige Organisation Operation Underground Railroad (O.U.R.).[4] Er behauptet, dass seine Organisation Tausende von Opfern des Menschenhandels gerettet habe.[6] Am 14. Mai 2015 sagte Ballard vor dem Unterausschuss für globale Menschenrechte des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des US-Kongresses aus, wobei er Verfahren und Praktiken zur Rettung von Kindern aus Menschenhandelsringen empfahl.[7] Er wurde auch von Donald Trump eingeladen, dem Beratungsgremium des Weißen Hauses zur Bekämpfung des Menschenhandels beizutreten.[8]

Im Oktober 2020 leitete die Staatsanwaltschaft von Davis County, Utah, eine Untersuchung zu Beschwerden ein, wonach O.U.R. und Ballard illegale Spendenaktionen durchgeführt hätten, die Ermittlungen wurden allerdings 2023 ohne Klage eingestellt.[9] Im Jahr 2021 zahlte Ballard sich selbst 355.000 Dollar an Gehalt und Vergütung als CEO von O.U.R. Im Jahr 2022 war sein Gehalt auf 546.548 Dollar gestiegen.[10]

Anschuldigungen wegen Fehlverhaltens

2023 wurde Ballard von mehreren Mitarbeitern von O.U.R des sexuellen Fehlverhaltens bezichtigt und musste deshalb im Juli 2023 als CEO von O.U.R. zurücktreten. Am 28. September veröffentlichten mehrere ehemalige Mitarbeiter und ehemalige Auftragnehmer über die Anwältin Suzette Rasmussen eine Erklärung, in der sie die Vorwürfe gegen Ballard bestätigten und angaben, dass sie „sexueller Belästigung, Manipulation, Grooming und sexuellem Fehlverhalten ausgesetzt waren“.[11] So soll Ballard Sting-Operation zur Bekämpfung von Kinderhandel, bei denen sich Mitarbeiterinnen als seine Ehefrau ausgeben mussten, zu sexuellen Annäherungsversuchen genutzt haben.[10] In einer Erklärung vom Dezember 2023 erklärte O.U.R., dass eine unabhängige Anwaltskanzlei zu dem Schluss gekommen sei, dass Ballard „sich unprofessionell verhalten habe und damit gegen die Richtlinien und Werte von O.U.R. verstoßen habe“.[12] Aufgrund der Anschuldigungen wurde Ballard von der LSD-Kirche exkommuniziert.[13]

Tim Ballard stritt alle Verwürfe gegen ihn vehement ab. Gegen ihn wurden Klagen von Frauen wegen sexuellen Missbrauchs in Kalifornien und Utah eingereicht.[14] Im Oktober 2024 reichten die sechs Frauen, die Ballard vor einem staatlichen Gericht verklagt hatten, eine weitere Klage vor einem Bundesgericht ein, in der sie Ballard zusätzlich vorwarfen, sich an Menschenhandel beteiligt zu haben.[15] Im November 2025 lehnte die Staatsanwaltschaft in Salt Lake City eine Anklage gegen Ballard ab und erklärte, es gebe „unzureichende zulässige Beweise“.[16]

Privatleben

Ballard und seine Frau Katherine lernten sich an der Brigham Young University kennen und haben neun Kinder, von denen zwei im Rahmen einer verdeckten Ermittlungsaktion in Haiti adoptiert wurden.[5]

Ballard war ein langjähriger enger Freund des politischen Kommentators Glenn Beck. Im Oktober 2023 verurteilte Beck Ballard öffentlich in seinem Podcast und erklärte, er fühle sich „völlig getäuscht“, Ballards Geschichte „beginne auseinanderzufallen“ und er glaube nach Prüfung der Beweise im Zusammenhang mit den Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens nicht mehr daran, dass Ballard die Wahrheit sage.[17] Ballard war bis 2023 der CEO von The Nazarene Fund, einer von Glenn Beck unterstützten Organisation zur Bekämpfung des Menschenhandels.[18]

Mediale Rezeption

Ballard trat wiederholt in den Medien auf. Er war zu Gast bei Fox & Friends, Fox News Sunday mit Chris Wallace, The Meredith Vieira Show, CBS Nightly News, ABC Nightline, CNN Headline News, MSNBC, The Glenn Beck Program sowie in vielen lokalen Nachrichtensendungen.[3]

Der 2016 von Gerald Molen produzierte Dokumentarfilm The Abolitionists zeigte die ersten Operationen von Ballard und Operation Underground Railroad.[19] Ein weiterer Dokumentarfilm des Regisseurs Nick Nanton, Operation Toussaint, wurde 2018 produziert und zeigte eine Operation in Haiti, die von dem haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse und der ehemaligen US-Kongressabgeordneten Mia Love aus Utah unterstützt wurde.[20]

Ein Spielfilm mit dem Titel Sound of Freedom, in dem Jim Caviezel die Rolle des Ballard spielt, wurde 2018 angekündigt und kam 2023 in die Kinos.[21] Der Film war mit einem Einspielergebnis von 184 Millionen US-Dollar ein großer kommerzieller Erfolg.[22]

Einzelnachweise

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