Tina Mußack
deutsche Telefonistin und Blindenaktivistin
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Werdegang
Tina Mußack wurde im Dorf Aletshausen bei Krumbach geboren. Als blindes Kind besuchte sie von 1940 bis 1948 Blindenschulen in Augsburg und Ursberg. Nach Ende der Volksschule absolvierte sie eine zu dieser Zeit klassische Ausbildung im Blindenhandwerk. Dazu gehörten Kunststricken, Bürstenbinderei, Stuhl- und Korbflechterei. In Augsburg ging sie in die Fortbildungsschule für das Blindenhandwerk und lebte im dortigen Blindenheim.[3]
Nachdem sie die Möglichkeit hatte, in Kempten einen Telefonistenkurs zu belegen, nahm sie eine Stelle im Landratsamt Krumbach an. Da ihr Arbeitsplatz in der Nähe ihres Elternhauses lag, zog sie wieder dort ein. In dieser Zeit begann sie, sich im Blindenbund - heutiger Name: Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) - zu engagieren, dem sie im März 1954 beitrat. Als das Landratsamt 1972 geschlossen wurde, fand Tina Mußack bei der Post in Memmingen eine neue Arbeit. Sie zog 1973 in eine eigene Wohnung[1] in der Nähe, von der aus sie den Arbeitsweg selbständig bewältigen konnte und führte zum ersten Mal ein eigenständiges Leben.[3]
Um auch anderen Blinden mehr Selbständigkeit zu ermöglichen, weitete Tina Mußack ihren Einsatz beim Blindenbund aus. Sie setzte sich politisch für die Belange von Menschen mit Behinderung ein[3] und war viele Jahre als Mitglied im Sozialhilfeausschuss und im Behindertenbeirat in Memmingen tätig.[1] Tina Mußack starb 2021.
Arbeit im Blindenwesen
Tina Mußack setzte sich für ein selbstbestimmtes Leben für Blinde ein. Als Grundvoraussetzung dazu erachtete sie eine Erwerbstätigkeit zur Sicherstellung wirtschaftlicher Unabhängigkeit. In ihrer Stellung als Beauftragte der Unterallgäuer Bezirksgruppe des BBSB sprach sie sich für bessere Bildungsmöglichkeiten aus und übernahm langjährig zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten.[1][3]
Während ihrer Zeit in Krumbach war sie in der Bezirksgruppe Schwaben-Augsburg des BBSB aktiv, nach dem Umzug nach Memmingen übernahm sie 1975 das Amt der Kreisbeauftragten für das Unterallgäu und die Stadt Memmingen. Dem Bezirksgruppenausschuss gehörte sie von 1975 bis 1999 und von 2008 bis 2011 an. Sie war auch stellvertretende Bezirksgruppenleiterin in den Jahren 1975 bis 1979, 1983 bis 1987 und 1991 bis 1999.[1]
Ab 1983 kümmerte sie sich mit um die Vervielfältigung und die Verteilung einer Zeitung für Sehgeschädigte auf Kassette mit ausgewählten Artikeln aus der Memminger Zeitung und der Mindelheimer Zeitung.[4][5] Als Blinden- und Sehbehindertenberaterin war sie von 2008 bis 2017 aktiv,[1] machte Hausbesuche bei blinden Menschen, um Tipps zur Bewältigung des Alltags zu geben und geeignete Hilfsmittel zu empfehlen.[3]
Ehrungen
- 1995 zeichnete der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund Tina Mußack mit der „Medaille für besondere Verdienste“ aus.[1][6]
- Ebenfalls 1995 wurde sie mit dem Ehrenzeichen des bayerischen Ministerpräsidenten gewürdigt.[1][7]
- Im Jahr 2000 wurde Tina Mußack für ihr ehrenamtliches Engagement für Blinde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet,[3] das ihr im März 2001 überreicht wurde.[1][8]
- 2007 ernannte der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund sie zum Ehrenmitglied.[1]
- Tina Mußack wurde mit der Aufnahme in das Projekt FrauenOrte des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales ausgezeichnet, das Leben und Wirken von Frauen in Bayern sichtbar macht. Wie auch in anderen nationalen Projekten der Frauenorte werden Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt.[3][9]
Weblinks
- Tina Mußack in FrauenOrte in Bayern