Tiwanaku-Architektur

Oberbegriff für die Architektur des Tiwanaku-Staats From Wikipedia, the free encyclopedia

Tiwanaku-Architektur ist der Oberbegriff für die Architektur des Tiwanaku-Staats. Im engeren Sinn steht der Begriff für die Architektur Tiwanakus. Architekturhistoriker zählen die Steinarchitekturen von Tiwanaku zu den kunstvollsten der Welt.[1] Zudem gilt sie als weltweit einzigartig.[A 1]

Computergestützte Rekonstruktion Pumapunkus von Alexei Vranich

Forschung

Die Tiwanaku-Architektur ist erst wenig erforscht. Die einzigen Forscher, die die Steinarchitekturen von Tiwanaku bisher systematisch untersuchten, sind

Hauptkomponenten

Nach dem Anthropologen Paul Goldstein lassen sich im weitesten Sinne die Schlüsselelemente wie folgt kategorisieren:[2]

Die Architekturhistoriker Jean-Pierre Protzen und Stella Nair ergänzen:

Diagnostische Merkmale

Abgestufte Faschen (in feiner Ausführung), die Nischen und Tore umgeben, sind ein diagnostisches Merkmal der Tiwanaku-Architektur. Außerdem sind das Stufenmotiv und Krampen mit denen Steinblöcke zusammengehalten werden, ein diagnostisches Merkmal. Das Motiv der abgestuften Fasche wurde von den Inka bei Pilkokaina übernommen und findet sich dort in weniger feiner Ausführung.[3] Zudem tritt das Motiv abgestufter Faschen oft in Reihen auf.

Abgestufte Faschen bzw. Laibungen finden sich vereinzelt auch in der Region Cusco beispielsweise bei Naupa Iglesia.

Einzigartigkeit und Vorläufer

Gemäß Max Uhle ist es unklar, ob an einem anderen Ort auf der Erde eine vergleichbare Architektur entwickelt wurde. Diese Architektur wäre zweifellos äußerst selten. Eine mögliche Bezeichnung wäre jedoch „megalithische Architektur“. Durch den Begriff „Architektur“ würde die künstlerische Natur der Konstruktion betont, während „megalithisch“ auf die Verwendung großer Steine als ein charakteristisches Merkmal dieser Architektur hinweist.[4]

Nach Jean-Pierre Protzen und Stella Nair seien viele Merkmale der Tiwanaku-Architektur tatsächlich bemerkenswerte Erfindungen der Tiahuanaco-Erbauer, für die nach bisherigem Kenntnisstand weder in der Architekturgeschichte der Anden noch in der Welt bekannte Vorläufer existierten.[5]

Die abgestufte Fasche, eines der Markenzeichen der Tiwanaku-Architektur, hat seine Vorläufer in Chiripa und möglicherweise auch in Pukara.[6]

Anmerkungen

  1. Nach dem Wissen von Architekturhistorikern, Archäologen und Materialwissenschaftlern sind die folgenden Merkmale/Innovationen (weltweit) einzigartig:
    • „Die Motive, die Feinheiten ihrer Schnitzereien und Oberflächen, die puzzleartigen Motivanordnungen, die Standardisierung von Bausteinen“, Protzen und Nair (2013), S. 132
    • „das Schnitzen verschiedener Motivabschnitte auf verschiedenen Steinen, bevor sie zu einer Gesamtkonfiguration zusammengesetzt wurden.“, Protzen und Nair (2013), S. 203
    • der Pumapunku-Stil, Protzen und Nair (2013), S. 133
    • „Rillen, die aus dem Boden und einer Seite eines geschliffenen Steins geschnitzt wurden“, Protzen und Nair (2013), S. 184
    • das nahezu isodomische Tiwanaku-Mauerwerk, Protzen und Nair (2013), S. 83
    • der Tiwanaku-Hebegriff, Protzen und Nair (2013), S. 186; Vranich (2018), S. 14
    • „die Tiwanaku hatten die einzigartige Fähigkeit, Steine perfekt horizontal zu vermauern.“, Vranich (2018), S. 14
    • Versenkte, versteckte Krampen in eine oder sogar zwei Richtungen zeigen, Protzen und Nair (2013), S. 195
    • „einzigartiges städtisches Wasserversorgungssystem mit vielen fortschrittlichen hydraulischen und hydrologischen Funktionen“, Ortloff (2020), S. 1
    • „Tiwanaku-Bodennägel, insbesondere solche mit abgeschnittenen Spitzen, die als Fundament- oder Ausgleichssteine verwendet werden.“, Protzen und Nair (2013), S. 202
    • Perforationen in Andesit-Artefakten mit einzigartigen Eigenschaften von denen angenommen wird, dass sie Bohrlöcher; die meisten haben einen Durchmesser von 4 mm, eine gleichbleibende Tiefe, eine vertikale Ausrichtung, einen flachen Boden und regelmäßige Abstände, Gara und Davidovits (2020), S. 195

Einzelnachweise

Literatur

Related Articles

Wikiwand AI