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Tobias Groten

deutscher Softwareunternehmer From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Tobias Groten (* 30. Juni 1966 in Ahaus; † 3. Mai 2026 ebenda) war ein deutscher Unternehmer. Er gründete 1986 das Softwareunternehmen Tobit Software (heute Tobit Laboratories AG) mit Sitz in Ahaus im Münsterland und leitete es bis zu seinem Tod als Vorstandsvorsitzender. Bekannt wurde das Unternehmen vor allem durch die Unified-Messaging-Software David sowie durch das Plattform-Ökosystem chayns. Groten gilt als treibende Kraft hinter der Entwicklung von Ahaus zur sogenannten „Digitalstadt“.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Tobias Groten wuchs in Ahaus in einer Unternehmerfamilie auf.[1] Schon als Jugendlicher beschäftigte er sich mit Heimcomputern; für seinen ersten Rechner gewährten ihm seine Eltern nach eigenen Angaben einen Kredit über 13.000 DM.[1] Bereits während der Schulzeit veröffentlichte er Programme und Fachbeiträge in Computerzeitschriften.

Sein Abitur am Alexander-Hegius-Gymnasium in Ahaus schloss Groten nicht ab, sondern brach die Schule zugunsten der Firmengründung ab. Die Quellen weichen in den Details voneinander ab: Einem Porträt von 2004 zufolge ging er „bis 16“ zur Schule,[1] anderen Darstellungen zufolge brach er das Abitur 1986 ab.[2][3]

Unternehmensgründung und Tobit

1986 gründete Groten in Ahaus als Einzelunternehmer die spätere Tobit Software.[2][4] In den Anfangsjahren entwickelte er Software für Heimcomputer wie den Atari ST und den Commodore 64 sowie Mailbox-Systeme zur Datenübertragung.

1991 brachte das Unternehmen mit FaxWare ein serverbasiertes Faxsystem auf den Markt. 1996 folgte mit David ein Unified-Messaging-Server, der E-Mail, Telefax, Sprachnachrichten, SMS und Groupware-Funktionen bündelte und über viele Jahre das Kernprodukt des Unternehmens bildete. David wurde fortlaufend erweitert, unter anderem 2003 um eine Schnittstelle zur Gebäudeautomation.[5] Das Produkt wurde in der IT-Fachpresse regelmäßig besprochen.[5][6]

Die Tobit Laboratories AG ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Ahaus (Amtsgericht Coesfeld, HRB 3197).[7] Groten hielt sämtliche Anteile und war Vorstandsvorsitzender; Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Kirsten Altevogt. Zur Unternehmensgruppe gehören unter anderem die Tobit Software GmbH und die chayns Marketplace GmbH. Die Tobit Laboratories AG beschäftigte nach Angaben des Jahresabschlusses aus dem Jahr 2024 rund 126 Mitarbeiter, davon 113 in Vollzeit sowie 13 in Teilzeit, als Aushilfen und Praktikanten.[8]

Unternehmerisches Wirken

Seit etwa 2012 verlagerte Groten den Schwerpunkt des Unternehmens auf cloudbasierte Plattformtechnologie. Das ursprünglich zur App-Erstellung aus Facebook-Seiten gedachte Werkzeug chayns entwickelte sich nach Unternehmensangaben zur Grundlage sämtlicher Tobit-Produkte; das Unternehmen spricht in seiner Eigendarstellung von einer Verbreitung bei mehr als 100.000 Organisationen.[9]

Zu den weiteren Produkten und Marken zählen TeamDavid, die SuperApp, chaynsOS, die KI-Plattform SideKick sowie die Mobilitätsplattform YouTaxi, die im April 2026 als Carsharing-Pilotprojekt mit zwanzig Elektrofahrzeugen in Ahaus startete.

Der Firmensitz, die sogenannte Tobit.Town, umfasst ein mehr als 20.000 m² großes Areal mit Gastronomie-, Hotel- und Veranstaltungsflächen und dient zugleich als Vorzeigeobjekt für Grotens Smart-City-Konzepte.

In der IT-Fachpresse wurde Groten wiederholt als „Bill Gates von Westfalen“ bezeichnet.[1][2]

Digitalstadt Ahaus

Groten engagierte sich maßgeblich für die Digitalisierung seiner Heimatstadt Ahaus, die unter seiner Beteiligung zahlreiche Smart-City-Anwendungen erprobte, darunter einen digitalen Stadtgutschein, der später auch in anderen Kommunen eingesetzt wurde. 2024 wurde die Stadt Ahaus im bundesweiten Wettbewerb „Digitale Orte“ in der Kategorie „Smarte Kommune“ ausgezeichnet; das prämierte Projekt wurde gemeinsam mit der Tobit Laboratories AG umgesetzt.[10] Die Auszeichnung ging an die Stadt beziehungsweise das Kooperationsprojekt, nicht an Groten persönlich.

Vier-Tage-Woche

Im Juni 2022 führte Groten bei Tobit öffentlichkeitswirksam eine Vier-Tage-Woche mit 32 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich ein; als freier Tag wurde zunächst bewusst der Mittwoch gewählt.[11] Nach einigen Monaten wurde der freie Tag auf den Freitag verlegt. 2025 beendete Groten das Modell und kehrte zur Fünf-Tage-Woche zurück.[12] Das Experiment und seine Beendigung fanden überregionale mediale Beachtung.[12]

Hanfanbau

Groten initiierte die Gründung eines Vereines für Anbau von Cannabis, Joint Venture Ahaus, der einer der ersten in Deutschland war[13] und im Sommer 2025 seinen Betrieb aufnahm.[14]

Kommunalpolitisches Engagement

Bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen 2025 trat Groten am 14. September 2025 als Einzelbewerber für den Rat der Stadt Ahaus an.[15] Mit einem Stimmenanteil von 0,94 % im betreffenden Wahlbezirk verfehlte er den Einzug in den Stadtrat.[16]

Tod

Tobias Groten starb am 3. Mai 2026 im Alter von 59 Jahren überraschend an den Folgen eines Herzinfarkts.[2][17][18] Zwei Tage zuvor war er bei einer öffentlichen Veranstaltung aufgetreten und hatte für mehr Digitalisierung geworben. Die Trauerfeier fand am 13. Mai 2026 in der Tobit.Town in Ahaus statt; unter den Rednern waren die Bürgermeisterin von Ahaus, Karola Voß, sowie Wegbegleiter aus dem Unternehmen.[19]

Die Nachfolge an der Unternehmensspitze trat sein 29-jähriger Sohn Ludwig Groten an, der seit 2017 im Unternehmen tätig ist und Anfang 2026 in die Geschäftsführung berufen wurde.[2][20]

Privates

Groten war verheiratet mit Claudia Groten und hinterlässt vier Kinder sowie ein Enkelkind.[19]

Einzelnachweise

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