Tragring

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Ein Tragring ist ein Polster, das beim Tragen von Kopflasten zwischen Kopf und Kopflast gelegt wird. Er besteht aus einem Stoffwulst oder aus einem aus Stoff genähten Ring, der mit verschiedenen Materialien gestopft sein kann. Diese weltweit bis heute zu beobachtende Tragweise war auch in Mitteleuropa wohl flächendeckend verbreitet, auch wenn Tragringe regional unterschiedlich dicht materiell und bildlich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nachgewiesen wurden.[1][2][3] Ein Tragring kann sehr ansprechend gestaltet sein und ist in Deutschland oft segmentförmig mit roten Stoffblenden und Zackenbändern vernäht. Über den Gebrauch in der Pfalz um 1780 wird berichtet: „Die Weibsleute vom Lande tragen alles in Körben auf dem Kopf in die Stadt, wie denn überhaupt der Gebrauch üblich in den Rheinischen Provinzen nicht allein auf dem Lande, sondern auch in den Städten, herrscht […]. Ein kleiner runder Kranz, den sie auf dem Kopf unterlegen, dienet dazu, daß der Korb auf dem Kopf feststeht, auch ihn nicht immediat drückt, und nun halten sie die Balance so gut, daß sie nicht nötig haben, den Korb mit der Hand zu halten, sondern die Hände frey haben, oder in die Seite setzen.[4] Im Bremer Umland nannte man die Polster „Waasch“,[5] im Rheinland wurden sie als „Kringel“ bezeichnet,[6] in anderen Regionen auch als Ringkissen, Brick oder Kiz. Kulturübergreifend kann aus literarischern und bildlichen Zeugnisse geschlossen werden, dass überwiegend Frauen (Marktweiber, Mägde, Dienstmädchen) Lasten auf dem Kopf tragen und trugen, und zwar auch in der Stadt, nicht nur im ländlichen Umfeld.

Baßlerische Ausruff-Bilder, Nr. 26–34. „Die ringe sind den mägden nuz, Im tragen ihrem kopf zum schuz.“ Stich von David Herrliberger (1697–1777), 1749

Einzelnachweise

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