Traude Windbrechtinger
österreichische Architektin
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Traude Windbrechtinger (* als Waltraud Berndl am 30. November 1922 in Graz, Österreich; † 22. Jänner 2017 in Wien, Österreich) war eine österreichische Architektin. Sie studierte von 1945 bis 1950 an der Technischen Hochschule Graz und führte von 1956 bis 1995 gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolfgang Windbrechtinger ihr eigenes Architekturbüro. Für das Projekt Restaurant Bellevue erhielt sie 1963 den Österreichischen Staatspreis für Architektur.[1]
Leben
Traude ist die Tochter von Karl Berndl und Maria, geborene Leitl. Sie besuchte die Volksschule am Grazer Hasnerplatz und anschließend das Realgymnasium in der Pestalozzistraße, das sie mit Auszeichnung abschloss.[2] Danach studierte sie drei Jahre lang Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste München.[3] In dieser Zeit lernte sie den Architekturstudenten Adolf Ketterer kennen, den sie am 23. Februar 1942 heiratete. Im selben Jahr kam ihr gemeinsamer Sohn Rainer zur Welt. Ihr Ehemann starb am 9. Mai 1944 in Frankreich beim Einsatz im Zweiten Weltkrieg. Die verwitwete Traude Ketterer kehrte anschließend in ihre Heimat Graz zurück und begann im Herbst 1945 als Alleinerziehende das Architekturstudium an der Technischen Hochschule Graz.[2] Traude Ketterer schloss das Architekturstudium im Jahr 1950 mit Auszeichnung ab.[4]
Eine besonders prägende Persönlichkeit für sie während des Architekturstudiums war Friedrich Zotter. Traude Ketterer arbeitete während ihres Studiums als wissenschaftliche Hilfskraft, zunächst an der Lehrkanzel für Hochbau und Entwerfen und später bei Friedrich Zotter. Nach ihrem Studienabschluss 1950 arbeitete sie bis 1954 als Assistentin bei Zotter.[5]
Von 1954 bis 1956 arbeitete sie im Architekturbüro Hentrich-Petschnigg (heute HPP Architekten) in Düsseldorf. 1956 heiratete sie Wolfgang Windbrechtinger, den sie im Studium kennen gelernt hatte. Ebenfalls 1956 gingen sie aufgrund ihrer Beziehungen zu Roland Rainer nach Wien.[4]
Zur selben Zeit gründeten sie ihr gemeinsames Architekturbüro, das sie von 1956 bis 1995 führten. 1965 waren beide Mitbegründer der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (ÖGFA). Die ÖGFA entstand aus der Notwendigkeit heraus, ein Format zu schaffen, das sich mit erhaltungswürdigem Bestand beschäftigte und einen Ort bot, an dem Architektur gesamtheitlich und in all ihren Bereichen betrachtet wird sowie die gesamte Bevölkerung einbezogen werden kann. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern zählen Friedrich Achleitner, die Künstlerin Maria Biljan-Bilger, Friedrich Kurrent, Sokratis Dimitriou, Wolfgang Gleissner und Viktor Hufnagel.[6][7]
Traude Windbrechtinger war eine begabte Zeichnerin und publizierte Architekturskizzen von romanischen Kirchen über traditionelle Holzarchitektur bis zu Bauthemen wie Vogelnestern oder Spinnennetze.[8]
Der Nachlass befindet sich im Architekturzentrum Wien.
Haltung zur Architektur
Traude Windbrechtinger und ihr Mann vertraten die Ansicht, dass Architektur sich nicht aufdrängen, sondern für den Menschen da sein und gut funktionieren soll. Sie wollten eine Architektur schaffen, die einem sozialen Zweck dient. Ihre Gestaltung ist von Einfachheit, Klarheit und Funktionalität geprägt. Stark beeinflusst wurden sie dabei von ihrem langjährigen Freund Roland Rainer.
Der Fokus der Projekte lag auf dem sozialen und privaten Wohnbau. Sie realisierten zahlreiche öffentliche Bauten wie Schulen und Kindergärten.[1]
Traude und Wolfgang Windbrechtinger integrierten „Kunst und Bau“ im Unterschied zu „Kunst am Bau“. Eine Umwelt, die sich beider Mittel bedient, sei für den Menschen ebenso zweckdienlich. In den ersten Tagen nach ihrer Ankunft in Wien lernten sie die Künstlerin Maria Biljan-Bilger kennen. Mit ihr verband sie eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit[9]. In den Projekten Restaurant Bellevue[10] und Ekazent Hietzing[11] gestaltete die Künstlerin unter anderem eine Sandsteinwand, ein Natursteinmosaik und einen Brunnen aus Sandstein.
Das Verantwortungsbewusstsein, das Traude Windbrechtinger und ihr Mann gegenüber der Gesellschaft verspürten, ist in all ihren Arbeiten spürbar.
Traude Windbrechtinger schätzte besonders die Anonyme Architektur, der sie eine besondere Kreativität beimaß und zu der sie Gastvorträge hielt[8]:
„„In ihr begegnet uns eine Welt der Wahrheit und Humanität. Sie ist Ausdruck einer Kultur und ihrer schöpferischen Kraft, die stark genug ist, ihre gesamte Umwelt zu gestalten.““
Sie war wesentlich am Österreichischen Architekturkongress 1970 beteiligt. Sie hielt ein Plädoyer für die „Fast-Architektur“[13] und war mit Wolfgang Mistelbauer, Hans Puchhammer, Wilfried Richter Redakteurin der Dokumentation.[14]
Werke (Auswahl)
Gemeinsam mit Wolfgang Windbrechtinger:
- Volks- und Hauptschule Puntigam, Graz, Steiermark, 1949–1956
- Neues Volksheim, Wiener Straße 60, Kapfenberg, Steiermark, 1957–1958
- Reihenhaussiedlung Böhlerwerk, bei Sonntagberg, Niederösterreich, 1958–1959
- Ausflugsrestaurant Bellevue, Wien 19 (1982 abgerissen), 1959–1963
- Einkaufszentrum Hietzing „Ekazent“, Wien 13, Hietzinger Hauptstraße 22, 1962–1964[15]
- Siedlung Krautberg, Amstetten, Niederösterreich, 1967
- Kindergarten Amstetten-Eggersdorf, Niederösterreich, 1970–1971
- Hauptschule, Mauer bei Amstetten, Niederösterreich, 1972
Auszeichnungen
Trude Windbrechtinger erhielt in ihrem Leben mehrere nationale Preise.[1]
- 1963: Österreichischer Staatspreis für Architektur (für das Restaurant Bellevue)
- 1968: Preis der Stadt Wien für Architektur
- 1975: Preis für vorbildliches Bauen des Landes NÖ
- 1986: Morgen-Preis (verliehen vom Morgen-Kreis)
- 2001: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst[1]
Mitgliedschaften
- 1965 Gründungs- und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur
- 1965–1968 Vorstandsmitglied der Ingenieurkammer für Wien, Niederösterreich und das Burgenland[1]
Ausstellungen
- 1966: Ausstellung „Neue städtische Wohnformen“, Teil 1, veranstaltet von d. Österr. Gesellschaft für Architektur, ÖGFA, Wien (Konzept und Gestaltung, mit Viktor Hufnagl)
- 1967: Ausstellung „Neue städtische Wohnformen. Vorschläge Österr. Architekten“, Teil 2, veranstaltet von d.Österr. Gesellschaft für Architektur, Österr. Bauzentrum, Wien (Konzept und Gestaltung, mit Viktor Hufnagl)
- 1969: österreichische Architektur 1960 bis 1970, La Chaux-de-Fonds, Schweiz
- 1976: österreichische Architektur 1945–75, Secession, Wien
- ab 2006: a-schau, Architektur in Österreich im 20. u. 21. Jh., Az W, Wien[1]
Publikationen (Auswahl)
- Wolfgang Windbrechtinger, Traude Ketterer: Reihenhäuser in Kapfenberg, Steiermark. In: der aufbau H.9/10.1961, S. 452
- Wolfgang Windbrechtinger, Traude Ketterer: Wettbewerbsprojekt Bebauung Fischlgründe, Klagenfurt. In: der aufbau H.9/10.1961, S. 452
- Traude Windbrechtinger: Fast ein Plädoyer für die Architektur. In: ÖGFA (Hrsg.): Österreichischer Architekturkongress 1970. Wien 1970, S. 77.
Literatur (Auswahl)
- Hannes Doblhofer (Hrsg.): Windbrechtinger: Werk, Idee, Lebensstil und Baugesinnung. Löcker Verlag, Wien 2003. ISBN 978-3-85409-381-7
- Barbara Kapsammer, Die Windbrechtingers. Leben, Gesinnung, Werk. (Diplomarbeit an der TU Wien), Wien 2020 Digitalisat
Weblinks
- Traude Windbrechtinger, architektenlexikon.at, abgerufen am 14. Juni 2026
- Traude Windbrechtinger, Gründungsmitglied der ÖGFA, oegfa.at, abgerufen am 14. Juni 2026
- Traude Windbrechtinger, Architektin, 1922–2017, azw.at, abgerufen am 14. Juni 2026