Tremolo

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Tremolo (italienisch; von tremolare ‚beben‘, ‚zittern‘, aus lateinisch tremere) bezeichnet in der Musik die rasche periodische Änderung der Lautstärke (Amplitude) eines Tons oder Akkordes. Vom auch als „Amplitudenvibrato“ bezeichneten Tremolo zu unterscheiden ist das Vibrato, bei dem die Tonhöhe kontinuierlich verändert wird.

Während das Tremolo in der klassischen Gesangstechnik der europäischen Kunstmusik als „Zittern der Stimme“ negativ konnotiert ist, gilt es in der Instrumentalmusik als technisch virtuose und klanglich effektvolle Spieltechnik. Die Extremversion eines Tremolos ist ein rhythmischer Gater-Effekt, der z. B. in Trance- und Techno-Musik angewandt wird.

Erste Seite der Klavierkomposition Tremolo Op. 58 von Louis Moreau Gottschalk (ca. 1870)

Physikalische Aspekte

Das Tremolo ist eine besondere Form der Amplitudenmodulation,[1] bei der die Amplitude des Signals sinusförmig moduliert wird. Der Schalldruck oder die analoge elektrische Größe eines Klangs schwankt also mit der Tremolofrequenz zwischen einem Minimal- und einem Maximalwert, wobei die Hüllkurve eine tieffrequente sinusförmige Schwingung darstellt. Tremolofrequenzen liegen üblicherweise bei 5 bis 8 Hz, langsamere Schwankungen werden als „Wimmern“ empfunden, während höhere Tremolofrequenzen zu einer Rauhigkeit des Klangeindrucks führen.

  • Beispiel für ein Tremolo („Amplitudenvibrato“) durch Amplitudenmodulation

Bei Klängen von natürlichen Musikinstrumenten ist eine Schwankung der Amplitude nahezu immer mit einer Schwankung der Frequenz verbunden, wobei die beiden Modulationsfrequenzen in den meisten Fällen in Phase sind, d. h. eine Frequenzerhöhung ist mit einem Amplitudenanstieg verbunden. Die Stärke des Tremolos oder Amplitudenvibratos (Amplitudenhub) wird in Prozent der Ausgangsamplitude angegeben, während der Frequenzhub des Vibratos in Cent angegeben wird.

Die Kurvenform des Vibratosignals ist bei Klängen von mechanischen Musikinstrumenten selten sinusförmig, sie hängt vielmehr von der Art der Klangerzeugung und der Form der Resonanzkurve des Instruments ab.

Erzeugung des Tremolos

Insbesondere bei Instrumenten mit nach dem Anschlag rasch abklingenden Tönen (wie dem Klavier und allen Zupfinstrumenten), aber auch bei Streichinstrumenten kann die Amplitudenmodulation eines längeren Tones nur durch dessen Repetition in schneller Folge simuliert werden. Während langsamere Tonwiederholungen primär als rhythmisch-perkussiver Effekt wirken, ist es durch eine ausreichend schnelle Tonrepetition (im mittleren Frequenzbereich ab mindestens acht Impulsen pro Sekunde) möglich, zumindest die Illusion eines Tremolos hervorzurufen, da das menschliche Gehör im Idealfall die repetierten Töne nicht mehr als Abfolge einzelner Impulse wahrnimmt, sondern als längeren Ton mit periodischen Lautstärkeänderungen, also zumindest als „tremoloartig“. Neben der Repetition eines Einzeltons wird hier auch das rasche Alternieren zwischen zwei Tönen oder Mehrklängen, die im Unterschied zum Triller zumindest eine Terz auseinander liegen, als Tremolo bezeichnet.

Aerophone

Giuseppe Cambini: Nouvelle méthode théorique et pratique pour le violon (Paris, ca. 1795)
Notation und Ausführung des „Bogentremolos“ auf der Violine
Tremolo ondulé: Notation des Bogentremolos (Hector Berlioz: Grand traité d’instrumentation et d’orchestration modernes 1843/44)

Bei der Orgel wird das Tremolo durch eine Vorrichtung (Tremulant) erzeugt, die den Luftstrom (Wind) periodisch variiert, während das Tremolo des Akkordeons auf Nutzung des Schwebungsphänomens beruht.

Bei Blechblasinstrumenten: Durchgehender Luftstrom bei schnellem Wechsel zweier Ventilkombinationen, die den gleichen Ton erzeugen (Alternativ-, Hilfs- oder Spezialgriffe, False Fingerings). Dabei entstehen zumeist mikrotonale Abweichungen, weswegen diese Technik auf Blasinstrumenten auch als Bisbigliando oder Klangfarbentriller bezeichnet wird. Bei der Posaune entstehen die Abweichungen beispielsweise dadurch, dass auf verschiedene Töne der Obertonreihe zurückgegriffen wird. Mikrotonale Abweichungen sind aber nur bei langsamem Tempo überhaupt wahrnehmbar. Sobald ein Tremolo in Maximaltempo gespielt wird, hört man keine mikrotonalen Unterschiede mehr.

Bei Holzblasinstrumenten: Durchgehender Luftstrom bei rapidem Wechsel zweier Klappenkombinationen, die den gleichen Ton erzeugen (Alternativ-, Hilfs- oder Spezialgriffe, False Fingerings). Zu beachten ist hierfür der Unterschied zwischen deutschem und Böhmsystem der Applikatur bei der Klarinette, nicht aber bei Saxophon, Flöte, Oboe, Englischhorn, Heckelphon und Fagott. Bei der Orgel kann ein Tremolo in Form der Bebung (Tremulant) erzeugt werden.

Chordophone

Louis Moreau Gottschalk beim Vortrag seiner Komposition Tremolo.
Zeitgenössische Karikatur in der Semana Illustrada vom 4. Juli 1869, Rio de Janeiro

Bei den Streichinstrumenten wird zwischen zwei Spielarten unterschieden:

  • Bogentremolo: rapider Bogenwechsel (von Abstrich und Aufstrich) auf sehr kurzer Strecke (innerhalb weniger Zentimeter) auf derselben Tonhöhe.[2] Das Bogentremolo (auch Bogenvibrato) sollte den Orgeltremulant nachahmen und war insbesondere im 17. Jahrhundert gebräuchlich, ehe es im Verlauf der Wiener Klassik an Bedeutung verlor.[3]
  • Fingertremolo: schneller Wechsel zwischen zwei Saiten auf dem Griffbrett bei gleichzeitigem Anschlagen mit dem Bogen.[4]

Bei Tasteninstrumenten wie dem Klavier wird entweder dieselbe Taste mit zwei oder mehreren Fingern derselben Hand repetiert, oder es werden zwei verschiedene Tasten im Abstand von einer kleinen Terz oder mehr im schnellen Wechsel durch Unterarmrotation gespielt.

Francisco Tárrega: Recuerdos de la Alhambra. Tremolostudie für Gitarre (Takt 1 und 2)

Bei Zupfinstrumenten (beispielsweise Gitarre, Mandoline, Balalaika und Bouzouki) wird derselbe Saitenton oder auch Akkord mit der Anschlagshand durch Fingerwechsel, alternierenden Anschlag mit Nagel- und Kuppenseite eines Einzelfingers (bei Akkorden: Rasgueado) oder durch Auf- und Abschlag mit einem Plektrum angeregt.[5]

Die lange Zeit fast durchgängige Verwendung des Tremolospiels der Mandolinenstimmen in Zupforchestern führte in den 1930er-Jahren zu einer Kontroverse, die insbesondere von Konrad Wölki ausgelöst wurde, der das Dauertremolo als „italienisierend“ und als Ausdrucksmittel der von ihm angestrebten „völkischen Zupfmusikkultur“ ablehnte.[6]

Für Instrumente wie E-Gitarren gibt es entsprechende Effektgeräte.

Idiophone und Membranophone

Bei Schlaginstrumenten wird dieselbe Anschlagstelle schnellstmöglich repetiert. Bei einer Snaredrum (Kleinen Trommel), einer Pauke oder einem Becken wäre das ein sogenannter Wirbel.

Notation des Tremolos

Die schnelle Wiederholung eines einzelnen Tones oder Akkordes wird instrumentenunabhängig durch schräge Balken über oder unter der zu wiederholenden und damit faktisch verlängerten Note angezeigt. Beim tremolierenden Wechsel zwischen zwei Tönen oder Akkordbestandteilen werden zwischen den alternierenden Noten schräge Balken notiert, die die Notenhälse jedoch nicht berühren. Die Anzahl der Balken definiert die Notenwerte der Ausführung und somit die Dichte des Tremolos:

Instrumentenunabhängige Tremolo-Notationen und deren Ausführung
Instrumentenunabhängige Tremolo-Notationen und deren Ausführung

Seltener wird ein Trillerzeichen für die Notation eines (auf demselben Ton bleibenden) gewöhnlichen Tremolos genutzt, hauptsächlich bei Perkussionsinstrumenten wie der Pauke, der Triangel oder des Beckens.

Blasinstrumente

Das Tremolo muss bei Blasinstrumenten spieltechnisch und in der Notation eindeutig von der Flatterzunge unterschieden werden. Das Tremolo wird in allen Fällen von den Händen und der Spielmechanik ausgeführt, die Flatterzunge mit der Zunge und nicht mit der Spielmechanik. Da das Tremolo, teilweise auch frz. Timbretriller genannt, in notierter Musik eine vergleichsweise neue Errungenschaft ist, obwohl die Spielpraxis Jahrzehnte älter ist, fehlt noch ein eigenes Symbol für das Tremolo bei Blasinstrumenten. Das eingebürgerte Zeichen, das auch bei allen anderen Instrumenten üblich ist (drei kurze Schrägstriche am Notenhals in Schräglage der Verbalkung oder über ganzen Noten), hat sich traditionell bei Blasinstrumenten als Flatterzunge durchgesetzt und nicht als Tremolozeichen. Wer also ein Tremolo kompositorisch wünscht oder in Transkriptionen von Soli benötigt und schriftlich festhalten will, muss verbalsprachlich den Zusatz tremolo hinzufügen, um den Unterschied deutlich zu machen. Es gibt für Saxofone die Möglichkeit, den Tonwechsel mit diesen abwechselnden Zeichen über den Noten anzugeben, wenn die Notenmenge überschaubar ist (langsames Tremolo): o + o + o + o + o. Dies schreibt aber keine Griffe vor, sondern überlässt den Spielern, welche Griffe sie wählen wollen. Für Blechblasinstrumente mit Ventilen ist diese Notation nicht etabliert.

Siehe auch

Literatur

  • Jürgen Meyer: Akustik und musikalische Aufführungspraxis. Leitfaden für Akustiker, Tonmeister, Musiker, Instrumentenbauer und Architekten. (Fachbuchreihe „Das Musikinstrument“. 24; Edition Bochinsky). 5., aktualisierte Auflage. PPVMedien, Bergkirchen 2004, ISBN 3-932275-95-0.
Wiktionary: Tremolo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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