Trianel
europäisches Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Aachen
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Trianel (seit Dezember 2008 Trianel GmbH, zuvor Trianel European Energy Trading GmbH) ist eine Stadtwerke-Kooperation mit Schwerpunkt auf Energiehandel und -beschaffung sowie Projektentwicklung erneuerbarer Energien. Der Hauptsitz ist in Aachen. Zu Trianel gehören Energieversorger aus Deutschland, den Niederlanden, Schweiz und Österreich.
| Trianel GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 8. Juni 1999 |
| Sitz | Aachen, Deutschland |
| Leitung | Sven Becker Oliver Runte |
| Mitarbeiterzahl | 400 |
| Umsatz | 9,38 Mrd. EUR |
| Branche | Energiehandel und -versorgung |
| Website | www.trianel.com |
| Stand: 2023 | |




Geschichte
Die Trianel GmbH wurde am 8. Juni 1999 als Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Aachen, der Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG, der früheren Niederrheinwerke Viersen GmbH (heute Teil der NEW AG, Mönchengladbach) sowie der niederländischen Nutsbedrijven Maastricht gegründet. Bis November 2025 schlossen sich mehr als 100 Versorger aus Deutschland, Österreich sowie der Schweiz und den Niederlanden der Kooperation an.[1] Die Stadtwerke Aachen waren 20 Jahre nach der Gründung immer noch eine der größten Gesellschafter der Trianel GmbH.[2]
Anfangs handelte Trianel nur mit Strom und Gas, später kam die Projektentwicklung von Energieerzeugungsanlagen hinzu. Von 2007 bis 2019 investierte Trianel gemeinsam mit Stadtwerken rund 5,5 Milliarden Euro in konventionelle und erneuerbare Energien und in einen Gasspeicher. Rund 50 Prozent der Investitionen sind in erneuerbare Energien geflossen.[3]
Mit dem Bau des Gaskraftwerks Hamm am Standort Hamm-Uentrop ist Trianel in die Stromerzeugung eingestiegen.[4] Das GuD-Kraftwerk ging 2007 ans Netz.[5]
2008 ging der Gasspeicher Epe in Betrieb,[6] 2013 folgte die Inbetriebnahme des Trianel Steinkohlekraftwerks Lünen.[7] 2010 startete Trianel den Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Baubeschluss für den Offshore-Windpark Trianel Windpark Borkum I. Der Offshore-Windpark ging 2015 in Betrieb, 2019 folgte die Inbetriebnahme des Windparks Borkum II.[8]
2015 entstand die Trianel Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG und 2020 die Trianel Wind und Solar GmbH & Co. KG.[9] Bis Mitte 2021 gründete das Unternehmen fünf Gesellschaften zum kommunalen Ausbau von erneuerbaren Energien.[10]
Unternehmensstruktur
Geschäftsführer der Trianel GmbH waren im Juli 2021 Sven Becker und Oliver Runte.[10] Im Jahr 2015 war Becker der Sprecher der Geschäftsführung.[11] Vorsitzender des Aufsichtsrates war im Jahr 2019 STAWAG-Geschäftsführer Christian Becker.[2] Zum Jahresbeginn 2024 hat Christian Meyer-Hammerström, BDEW-Vizepräsident und Geschäftsführer der Osterholzer Stadtwerke, den Vorsitz der Gesellschafterversammlung übernommen.[12] Die Trianel GmbH hat insgesamt über 100 kommunale Gesellschafter.[13] Das Unternehmen beschäftigte laut dem Geschäftsbericht 2021 rund 400 Mitarbeiter und hatte ein Eigenkapital von 124,9 Millionen sowie einen Umsatz von 9,38 Milliarden Euro.[14]
Geschäftsfelder
Die Geschäftsfelder von Trianel gliedern sich in die drei Bereiche Handel und Beschaffung, Projektentwicklung und Beratung von Stadtwerken.[13]
Handel und Beschaffung
Das Kerngeschäft bilden Energiehandel, energiehandelsnahe Dienstleistungen und die Energiebeschaffung aus. Über den Trianel Trading Floor haben Kunden und Gesellschafter Zugang zum internationalen Handelsgeschäft.[13]
Projektentwicklung, Energieerzeugung
Ein weiteres Geschäftsfeld ist neben dem Betrieb konventioneller Kraftwerke die Projektentwicklung und das Betreiben von Windkraft- und Photovoltaikanlagen[13]
Der größte von Trianel betriebene Windpark „Park Spreeau“ in Brandenburg ging Ende 2021 ans Netz, ganz in der Nähe des ebenfalls zu Trianel gehörenden Windpark Uckley.[15]
Digitalisierung
Trianel unterstützt Stadtwerke im digitalen Vertrieb an Endkunden.[13] Hierfür gründete das Unternehmen 2017 das Trianel Digital Lab.[16] In diesem Rahmen wurde im Mai 2020 das Pilotprojekt für die Mixed-Reality-Anwendung mit der Microsoft HoloLens 2 im Energiesektor gestartet.[17] Über das Digital Lab können auch die Gesellschafter selbst Pilotprojekte initiieren.[16][18]
Laut einer eigenen Pressemeldung baut Trianel seit 2017 eine digitale Plattform zur Steuerung aller Handels- und Vertriebsfunktionen für Stadtwerke auf.[19]
Flexibilisierung
Im Juni 2020 gründete Trianel den FlexStore, ein offenes, auf drei Jahre angelegtes Netzwerk. In drei verschiedenen Phasen sollten Forschungsprojekte und Machbarkeitsstudien durchgeführt und später in Pilotprojekte umgesetzt werden.[20]
Kritik

Trianel ist verschiedentlich mit seinen Kraftwerksprojekten in die Kritik geraten. Besonders im Zusammenhang mit dem Kohlekraftwerk Lünen-Stummhafen sieht sich das Unternehmen seit 2007 im Fokus von Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie Bürgerinitiativen.[21] Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat dabei im Jahr 2011 erfolgreich gegen den immissionsrechtlichen Vorbescheid geklagt. Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen hob den Vorbescheid am 1. Dezember 2011 auf, weil die Umweltverträglichkeit des Kraftwerks bis dato nicht hinreichend nachgewiesen sei.[22] Trianel wollte daraufhin die Lücken im Nachweis der Umweltverträglichkeit schließen und ging davon aus, damit ein neuer Vorbescheid erteilt werden kann. Dieser wurde schließlich genehmigt, 2013 ging das Steinkohlekraftwerk in Betrieb.[23]
Bis 2012 wollte Trianel in Krefeld ein Kohlekraftwerk errichten, das mit Steinkohle befeuert werden sollte. Aufgrund eines Protests der Online-Plattform Campact wurde das Vorhaben jedoch gekippt.[24] Als Reaktion auf die geänderte Energiepolitik der Bundesregierung votierten die beteiligten Stadtwerke im Juli 2011 für einen Wechsel vom als klimaschädlich kritisierten Energieträger Kohle auf Gas für die weitere Planung. Daraufhin plante Trianel den Bau eines umweltfreundlicheren Gas- und Dampfkraftwerks, was jedoch nicht umgesetzt wurde.[25]
Auch in der Eifel, wo Trianel den Rurstausee als Unterbecken für ein Pumpspeicherkraftwerk nutzen wollte, stießen die Pläne auf zum Teil heftige Kritik.[26][27] Die Gegner des Projektes befürchteten Schäden für die Natur sowie den naturnahen Tourismus, der das wirtschaftliche Standbein der strukturschwachen Region bildet. Der Speicher sollte in unmittelbarer Nähe des Nationalpark Eifel errichtet werden. Die Pläne für das Pumpspeicherkraftwerk Rur wurden 2013 vom Regionalrat jedoch abgelehnt und somit nicht umgesetzt.[28]
