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Trichiasis

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Trichiasis (altgriechisch τριχίασις, „Haarkrankheit“, von τριχίας trichias ‚Haariger‘ zu θρίξ thrix ‚Haar‘) ist schon bei Galen der medizinische Fachausdruck für ein Wimpernscheuern, das Reiben von Wimpern auf der Hornhaut oder auf der Bindehaut des Auges. Trichiasis ist die „falsche Stellung der Augenwimpern, die Haare berühren den Augapfel;“[1] „Einstülpung“[2] oder „Einwärtskehrung der Augenwimpern“.[3]

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Klassifikation nach ICD-10
H02.0 Trichiasis
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
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Begriffe

Historisch unklar ist die Etymologie des Wortes Trichiasis. Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary gibt die Etymologie ausdrücklich als griechisch trich- + -iasis an.[4] Dabei geht trich- auf griechisch θρίξ (thríx), Genitiv τριχός (trichós) = Haar zurück. Die Endung -iasis bedeutet in der Medizin eine Krankheit, zum Beispiel in Psoriasis, in Trichomoniasis oder auch in Trichuriasis. Andererseits existiert historisch das altgriechische Substantiv τριχίασις (trichíasis) bereits als fertiger Krankheitsname. Es bezeichnet unter anderem eine Erkrankung der Augenlider, bei der die Wimpern fehlgerichtet wachsen. Wilhelm Pape definierte es entsprechend als „eine Krankheit der Augenlider, wenn die Haare falsch wachsen“.[5]

Der sprachwissenschaftliche Ursprung von Trichosis geht zurück auf altgriechisch τρίχωσις tríchōsis „Haarwuchs, Behaarung“, zu θρίξ thríx, Genitiv τριχός trichós „Haar“. Morphologisch steckt darin das Suffix -ωσις / -osis. Dieses bezeichnet im Altgriechischen einen Vorgang, einen Zustand oder das Ergebnis eines Vorgangs. Es bedeutet ursprünglich nicht speziell Krankheit. Erst in der medizinischen Terminologie wurde -osis sehr häufig für krankhafte Zustände verwendet.[6] Dagegen weist das Suffix -ose in der Chemie oft auf einen Zucker und in der Medizin oft auf eine nichtentzündliche Krankheit hin.

Entsprechend definiert Georg Adolf Narciß die Trichosis als „Sammelname für alle Haaranomalien“.[7] Analog beschreibt Peter Reuter die Trichopathie und die Trichonosis als „allgemeine Bezeichnung für Haarerkrankungen unabhängig von der Genese“ und nennt aber sowohl die Trichiasis als auch die Trichose (Trichosis) als Synonyme.[8] Damit steht er im Widerspruch zur herrschenden Lehre; denn nicht jede Haarkrankheit ist eine Trichiasis. Trichopathie und Trichonosis sind Oberbegriffe; Trichiasis und Trichosis sind Unterbegriffe.

Das darf auch nicht mit der Trichinose (Trichinellose) verwechselt werden.

Lutz Mackensen beschreibt in seinem Fremdwörterlexikon die Trichose als „Überbehaarung; die Augen berührende Wimpernstellung“ und verweist beim Stichwort Trichiasis nur auf die Trichose.[9]

Josef Hammerschmid-Gollwitzer verwechselt die Trichosis mit der Trichonosis, wenn er die Trichosis definiert als „Allgemeinbezeichnung für Störungen des Haarwuchses, sowohl für übermäßigen Haarwuchs als auch für die verschiedenen Formen des Haarausfalls.“[10]

Ursachen

Ursache dieser „unregelmäßigen Wimpernstellung, wobei der Augapfel von diesen berührt wird,“[11] kann ein (angeborenes oder später erworbenes) fehlgerichtetes Wachstum einzelner Wimpern oder einer ganzen Wimpernreihe sein, wie bei der Distichiasis, aber auch eine Einwärtswendung des Lids. Dabei kann das vermehrte Zukneifen des Auges als Reaktion auf den Reiz die Einwärtswendung im Sinne eines Circulus vitiosus weiter verstärken.[12][13][14]

Zu den traumatischen Ursachen zählen Verletzungen, Verbrennungen und Verbrühungen mit Narbenbildung. Auch können Entzündungen zu einer Trichiasis führen.

Die Trichiasis gilt außerdem als eine der Komplikationen des Trachoms (Conjunctivitis trachomatosa sive granulosa)[15] und des Pemphigus conjunctivae.[16]

Symptomatik

Es kommt zum „Scheuern der Wimpern auf der Hornhaut“.[17] Zu den Symptomen gehören Fremdkörpergefühl, Rötung, Jucken und Stechen sowie Entzündungen der Bindehaut (eitrige Konjunktivitis). Es kann aber bei chronischem Verlauf auch zu Geschwüren der Hornhaut mit nachfolgender Vernarbung und Sehschärfenverlust kommen.

Das Trachom, dessen Spätstadium mit trachomatöser Trichiasis einhergehen kann, ist weltweit die häufigste infektiöse Ursache der Erblindung.

Therapie

Eine Therapie dieser gelegentlich auch mit Trichosis bezeichneten „Haarkrankheit“ (mittels Ausziehen der falsch stehenden Wimpern und nachfolgender Bestreichung mit Blut, etwa Eidechsen- oder Fledermausblut) ist bereits im Papyrus Ebers um 1550 v. Chr. und im Corpus Hippocraticum belegt.[18] Die heutige Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Eine Entfernung der Wimpern kann zunächst durch vorsichtiges Auszupfen, bei wiederholter Trichiasis auch durch Elektroepilation mit Verödung der Haarbälge erfolgen.

Bei einem Entropium kann der nach innen gedrehte Lidrand in leichten Fällen durch Pflasterzug oder eine Zügelnaht (Schöpfer-Naht) nach außen gewendet werden; ausgeprägtere Formen erfordern eine operative Lidkorrektur. Die Schöpfer-Naht ist eine nach dem Augenarzt Otto Schöpfer (1926–2018) benannte evertierende Zügelnaht zur Behandlung insbesondere des Entropium spasticum. Schöpfer beschrieb das Verfahren 1949.[19]

Weitere Therapieoptionen stellen die Verödung der Zilienwurzeln mit einer Elektrolysenadel und die Kryoepilation dar.[20][21]

Geschichte

Die Bezeichnung Trichosis für die Trichiasis erfolgt nach Ludwig August Kraus (ohne Erklärung) „jetzt oft mit Unrecht“.[22]

Die Trichiasis war „bei Hippokrates auch noch das Abgehen von (wirklichen oder vermeinten) Haaren mit dem Harne, eigentlich wol nur das Abgehen weisser Schleimfäden mit dem Harne.“[23]

Den Wissensstand um 1880 beschrieb der österreichische Augenarzt August Leopold von Reuss (1841–1924) ausführlich in der Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde.[24]

Nebenbedeutungen

Unter einer Trichiasis ani versteht man das „lumenwärts gerichtete Wachstum der perianalen Haare“.[25] Zur Abgrenzung wird die Trichiasis am Auge als Trichiasis oculi bezeichnet.[26][27]

Als Trichiasis vesicae oder Pilimictio[28][29] (Pilimiktion) wurde „die Ausscheidung von Haaren mit dem Urin bei Dermoiden und anderen Mischgeschwülsten der Harnblase“ bezeichnet.[30]

Literatur

Einzelnachweise

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