Trois Chorals
Komposition von César Franck
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Trois Chorals (deutsch: Drei Choräle) sind eine dreiteilige Komposition des französischen Komponisten und Organisten César Franck von 1890 für Orgel. Sie zählen, mit dem Quintet (1879), dem Prélude, Choral et Fugue (Klavier, 1884), den Variations symphoniques (Klavier und Orchester, 1885), der Sonate (Violine und Klavier, 1886) und der Symphonie en ré mineur (1886–1888), zu den Meisterwerken seiner späten Schaffensphase.[1][2]

Die Trois Chorals bestehen aus:
Entstehung, Manuskripte und Veröffentlichung
César Franck begann mit der Komposition der Trois Chorals im Sommer 1890 in Nemours, südlich von Paris. Er schloss den ersten Entwurf des Choral III am 30. September ab und starb am 8. November 1890 an den gesundheitlichen Komplikationen eines im Juli des gleichen Jahres erlittenen Verkehrsunfalls in Paris.[4]
Obwohl Franck keine Gelegenheit mehr hatte, die Trois Chorals selbst öffentlich zu spielen, zu unterrichten oder ihre Drucklegung und Veröffentlichung zu begleiten, gibt es Zeitzeugenberichte von Louis Vierne und Charles Tournemire von privaten Aufführungen der Werke (vierhändig am Klavier) mit seinen Studenten.[5][6]
In seiner kritischen Ausgabe sämtlicher Orgel- und Harmoniumwerke von César Franck[7][8] dokumentiert der britische Organist und Musikwissenschaftler Richard Brasier,[9] dass Franck für jeden der drei Choräle drei verschiedene Manuskripte erstellte: einen ersten Entwurf („first draft“), einen zweiten umfassenderen Entwurf mit Korrekturen („complete draft with corrections“), sowie die Reinschrift („fair copy“).[4]
In den Manuskripten hingegen, die nachweislich dem Notensetzer vorlagen, finden sich laut Brasier Korrekturen, durchgestrichenes Material, fehlende Pausen im Pedalsystem, Spielanweisungen mit Bleistift und Tinte, und schwach lesbare eigenhändige Registrierungen von Franck, die ausradiert wurden. Es ist wahrscheinlich, dass diese Manuskripte, die zwar im Wesentlichen vollständig waren (mit einer teils eher hastig wirkenden Handschrift, insbesondere im Choral III), Arbeitsentwürfe („working drafts“) des Komponisten waren. Die beiden Reinschriften des Choral II und Choral III, die in manchen Details unvollständig sind, wurden in gut lesbarer Handschrift mit Tinte erstellt, ohne Korrekturen, und enthalten eine Unzahl an Details, die in den Manuskripten für den Notensetzer nicht vorhanden sind. Im Choral II war Franck diesbezüglich besonders sorgfältig, was etwa die Verfeinerung der Stimmführung zwischen den beiden Händen betrifft. Im Gegensatz dazu fehlen in der Reinschrift des Choral III Registrierungen und Manualangaben, was darauf hindeutet, dass Franck aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes nicht mehr in der Lage war, das Werk vor seinem Tod fertigzustellen. Brasier betont, dass zwischen der Fertigstellung des Entwurfs von Choral III und der Diagnose einer Atemwegsinfektion bei Franck, die 22 Tage später zu seinem Tod führte, nur 17 Tage lagen.[4]
Die veröffentlichten Registrierungen wurden für die zur Drucklegung verwendeten Manuskripte nachweislich nicht von Franck, sondern einer anderen bislang nicht identifizierten Person eingetragen (in französischer und englischer Sprache), während die ursprünglichen und noch schwach erkennbaren Bleistift-Eintragungen von Franck (der neben Französisch zwar auch Deutsch, aber kein Englisch beherrschte), ausradiert wurden.[4]
Die Trois Chorals wurden posthum am 29. Januar 1892 bei Auguste Durand & Fils in Paris im Druck veröffentlicht.
Keines der Manuskripte trägt eine Widmung; dennoch erschienen die Trois Chorals 1892 mit den folgenden Widmungen:
- Choral I – „A Monsieur Eugène Gigout“
- Choral II – „A Monsieur Auguste Durand“
- Choral III – „A mon élève Augusta Holmès“
Vincent d’Indy berichtete, dass die Widmungsträger eigentlich Alexandre Guilmant, Théodore Dubois und Eugène Gigout gewesen sein sollten.[10] Laut Léon Vallas ersetzte der Sohn des Komponisten, Georges Franck, aus nicht bekannten Gründen die Namen Guilmant und Dubois durch Auguste Durand und Augusta Holmès.[11]
Es ist laut Richard Brasier wahrscheinlich, dass Georges Franck nach dem Tod seines Vaters entschied, welche der vorliegenden Manuskripte der Trois Chorals für die Veröffentlichung beim Verlag Durand verwendet wurden. Dabei wurden in allen drei Fällen die zweiten Manuskriptfassungen ausgewählt, die für den Komponisten zwar Arbeitsentwürfe, aber nicht die zur Veröffentlichung bestimmten Reinschriften waren (die Franck aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme nicht mehr fertigstellen konnte, aber zahlreiche Korrekturen und Änderungen enthalten, die in den ersten beiden Manuskriptfassungen der Trois Chorals fehlen).[4]
Titel und musikalische Form
Die Trois Chorals beziehen sich nicht auf den gregorianischen Choral, mehrstimmige Choralsätze, oder Orgelbearbeitungen eines Chorals, sondern auf eine freie rhapsodische Form. In allen drei Stücken tritt das eigentliche Choralthema nicht am Beginn, sondern erst im weiteren Verlauf auf. Aus dem Choralthema und weiteren thematischen Elementen entwickelt Franck komplexe sinfonische Formen mit einer Spieldauer von jeweils knapp 15 Minuten. Alle drei Choräle enthalten Durchführungsabschnitte und enden mit eindrucksvollen Apotheosen ihrer Themen.
Beim Choral II von Franck ist der Bezug auf Johann Sebastian Bachs Passacaglia in c (BWV 582) naheliegend, wenn Franck mit Variationen eines mehrtaktigen Chaconne-Themas beginnt und im weiteren Verlauf ein Fugato aus diesem Material entwickelt. Die toccatenartigen Sechzehntelfiguren zu Beginn des Choral III haben eine gewisse Ähnlichkeit mit der Schreibweise des Praeludium in a (BWV 543).[12]
Innerhalb der Trois Chorals finden sich mehrere motivische Zusammenhänge, die für mehrsätzige Kompositionen bei Franck charakteristisch sind. In diesem Fall ist es ein markantes Motiv mit aufsteigender Quarte und darauffolgender absteigender Terz und Sekunde:
- Im Choral I ab Takt 112 und im zentralen Cantilene-Abschnitt in e-Moll ab Takt 126.
- Im Choral II ab Takt 80, im Fugato (als Kontrapunkt zum Choralthema) ab Takt 148, als Leitmotiv ab Takt 226 sowie bei der Apotheose ab Takt 258 im Pedal.
- Im Choral III zu Beginn des Chorathemas ab Takt 30, als Ableitung aus dem genannten Motiv.
Bibliographie
- César Franck: Intégrale de l’œuvre d’orgue –– Vol. I: Preface & Commentary, hrsg. von Richard Brasier. Tynset, Norwegen: Lyrebird Music, 2022. ISBN 978-1-917401-00-5.
- César Franck: Intégrale de l’œuvre d’orgue –– Vol. IV: 1878–1890, hrsg. von Richard Brasier. Tynset, Norwegen: Lyrebird Music, 2022. ISBN 978-1-917401-03-6.
Weblinks
- Trois Chorals: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project