Tropennacht

Nacht mit Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius From Wikipedia, the free encyclopedia

Unter einer Tropennacht (bei Meteorologen auch unter dem Kürzel Tn20GT bekannt) versteht man in der deutschsprachigen Meteorologie eine Nacht, in der die Lufttemperatur nicht unter 20 °C fällt. Die genauen Definitionen des Zeitraumes gehen dabei auseinander, der DWD bezieht sich auf die Zeit von 18 bis 06 Uhr UTC[7], MeteoSchweiz auf einen ganzen Tag (00 bis 00 Uhr UTC)[8]. Gemessen wird in einer Standard-Wetterhütte in zwei Metern Höhe.

Schnelle Fakten
Klimatologische Kenntage

Tagestemperatur T: max / med / min
Tagestemperatur T: max / med / min[1]

Lufttemperatur­abhängige Kenntage
Extrem heißer Tag[2]
  • Tmax  40 °C
  • Sehr heißer Tag[3]
  • Tmax  35 °C
  • Heißer Tag[4]
  • Tmax  30 °C
  • Tropennacht[4]
  • Tmin ≥ 20 °C
  • Sommertag[4]
  • Tmax ≥ 25 °C
  • Heiztag[5]
  • Tmed < 15 °C / 12 °C
  • Vegetationstag[6]
  • Tmed ≥ 5 °C
  • Frosttag[4]
  • Tmin < 0 °C
  • Eistag[4]
  • Tmax < 0 °C
  • Kalter Tag[4] keine einheitliche Definition
    Witterungs­abhängige Kenntage
    Bewölkung Heiterer Tag[4],
    Trüber Tag[4],
    Nebeltag[4]
    Luftfeuchte / Temperatur Schwüler Tag
    Niederschlag Niederschlagstag[4],
    Regentag[4],
    Hageltag[4],
    Schnee(decken)tag[4]
    Unwetter Sturmtag[4],
    Gewittertag[4]
    Schließen

    Im relativ kühlen deutschsprachigen Raum Europas gibt es im Durchschnitt nur einige wenige Tropennächte. Es handelt sich eher um eine mesoklimatische Ausnahmeerscheinung. An der Station Heidelberg maß man im langjährigen Mittel (1981–2010) 4,5 Tropennächte pro Jahr,[9] in der Innenstadt von Wien 15 Tropennächte pro Jahr.[10]

    Kennzeichnend sind Tropennächte für Hitzewellen. So wurden während des Hitzesommers 2003 in Kehl 21 Tropennächte und bei der Station Locarno-Monti (dem wärmsten Ort der Schweiz) 40 Tropennächte ermittelt.[9][11] 2018 und 2019 wurden in der Innenstadt von Wien je 41 Tropennächte gezählt.[12] Infolge der globalen Erwärmung geht man von einer Zunahme der tropischen Nächte aus[13] oder stellt sie bereits fest.

    Für München zeigten die Klimatabellen des Meteorologischen Instituts (MIM) der LMU München für den Zeitraum von 1982 bis 2002 eine durchschnittliche Anzahl von 1,7 Tropennächten pro Jahr. Von 2003 bis 2018 erhöhte sich die Anzahl auf durchschnittlich 5,3 Tropennächte pro Jahr.[14]

    Eine Studie von 2023 untersuchte das Auftreten in der Schweiz über mehrere Jahrzehnte. Von 1970 bis 1980 traten in der Summe in 143 Regionen im Mehrjahresmittel 9,0 Tropennächte pro Jahr auf, vorwiegend in den Ballungsräumen Lausanne, Genf, Basel, Lugano und Zürich. Für den Zeitraum 2009 bis 2019 war die Anzahl auf 211,3 Tropennächte pro Jahr angestiegen, verteilt auf die 143 Regionen.[15]

    Gesundheitliche Bedeutung

    Tropennächte dienen als klimatologische Kenngröße, um die Hitzebelastung und das damit einhergehende Gesundheitsrisiko für Menschen zu erfassen.[16] So beurteilt das deutsche Umweltbundesamt die Belastung für die Bevölkerung durch Hitze neben den "heißen Tagen" (mit Tageshöchsttemperatur von über 30 °C) anhand der Tropennächte. Bleibt die nächtliche Abkühlung aus, fehlt dem Körper die Erholungsphase, die er zur Regeneration von der Tageshitze benötigt. Das Herz-Kreislauf-System wird dadurch über längere Zeit ohne Entlastung beansprucht, was insbesondere für ältere, körperlich geschwächte und vorerkrankte Menschen eine Belastung darstellt.[11] Studien belegen, dass durch nächtliche Hitze das Risiko für Schlaganfall deutlich erhöht ist.[17] Anhaltend hohe Nachttemperaturen gelten daher als ein wesentlicher Faktor für Übersterblichkeit, die während Hitzewellen beobachtet wird.[18] Mehrere aufeinanderfolgende Tropennächte erhöhen die gesundheitliche Belastung besonders stark.

    Hohe nächtliche Temperaturen beeinträchtigen außerdem den Schlaf. Eine global angelegte Studie kam zum Ergebnis, dass erhöhte Umgebungstemperaturen die Schlafdauer messbar verkürzen und dass dieser Effekt mit fortschreitender globaler Erwärmung zunimmt. Schlafmangel und gestörte Erholung können Konzentrationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden mindern.

    Durch die globale Erwärmung und die folgende Zunahme der Zahl der Tropennächte wächst die gesundheitliche Bedeutung auch in Mitteleuropa und Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz. Innenstädte sind wegen des sogenannten Wärmeinseleffekts besonders betroffen.[16] Da Innenstädte die Wärmestrahlung des Tages wegen starker Bebauung und Flächenversiegelung stark speichern, kann der Temperaturunterschied gegenüber dem Stadtrand bis zu 10 °C betragen.[16][19]

    Mit den Temperaturanomalien im Jahr 2024 wurde in Wien mit bisher 53 Tropennächten ein neuer Jahreshöchstrekord verzeichnet.[20] Im Juli 2025 wurden in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul 22 Tropennächte (≥ 25 °C) in Folge verzeichnet, was dort der längsten derartigen Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als hundert Jahren entspricht.[21]

    Begriffsverwendung in tropischen Regionen

    In den Tropen und Subtropen ist der Begriff Tropennacht nicht gebräuchlich; je nach geographischer Lage und Höhe fällt die Lufttemperatur dort während der Sommermonate nachts dauerhaft nicht unter 20 °C. Üblicher sind englische Ausdrücke wie (Very) Hot night,[22] mit deutlich anderen Grenzwerten.

    Wiktionary: Tropennacht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

    Einzelnachweise

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