Trospiumchlorid

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Trospium ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Tropanderivate und gehört zu den synthetischen Anticholinergika. Chemisch handelt es sich um ein quartäres 3α-Nortropanol, das mit Benzilsäure verestert ist. Er wird zur Behandlung der Drang- und Reflexinkontinenz eingesetzt.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von Trospium
Allgemeines
Freiname Trospiumchlorid
Andere Namen
  • 3-(2-Hydroxy-2,2-diphenylacetoxy)spiro-{bicyclo[3.2.1]octan-8,1′-pyrrolidin}-1′-iumchlorid
  • 3α-Benziloyloxyspiro(nortropanium-8,1′-pyrrolidinium)chlorid
Summenformel C25H30ClNO3
Kurzbeschreibung

weißes bis fast weißes kristallines Pulver[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 233-875-4
ECHA-InfoCard 100.030.784
PubChem 107979
ChemSpider 16740183
DrugBank DBSALT000883
Wikidata Q27252312
Arzneistoffangaben
ATC-Code

G04BD09

Wirkstoffklasse

Spasmolytika

Wirkmechanismus

Parasympatholytikum

Eigenschaften
Molare Masse
  • 392,51 g·mol−1 (Trospium)
  • 427,96 g·mol−1 (Trospiumchlorid)
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

255–257 °C (Zersetzung)[2]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: 264270301+312+330501[3]
Toxikologische Daten

11,2 mg·kg−1 (LD50, Maus, i.v.)[2]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Pharmakologie

Die pharmakologische Wirkung kommt durch kompetitive Blockade der Wirkung von Acetylcholin an den muskarinischen Acetylcholinrezeptoren zustande. Dies führt zu einer Hemmung des parasympathischen Einflusses auf die glatte Muskulatur, den Herzmuskel, Drüsen und Ganglien des peripheren Nervensystems. Als quartäres Ammoniumion wird Trospium schlecht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert und kann auch die Blut-Hirn-Schranke so gut wie nicht durchdringen, weshalb es kaum Wirkungen auf das Zentralnervensystem zeigt. Zudem wird Trospiumchlorid von speziellen, an der Blut-Hirn-Schranke lokalisierten Transportersystemen erkannt und ausgeschleust.[4]

Klinische Angaben

Kontraindikationen

Kontraindikationen für den Einsatz sind unbehandelter Grüner Star, obstruktive Prostatahyperplasie, Darmverstopfungen, Pylorusstenose und andere Verengungen im Magen-Darm-Kanal sowie Herzarrhythmien mit erhöhter Herzfrequenz.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen entsprechen im Prinzip ebenfalls denen anderer Anticholinergika; es können Hautrötungen, Völlegefühl, Verstopfung, Sehstörungen, verminderte Schweißbildung, Herzrasen (Tachykardie), Akkommodationsstörungen und ein trockener Mund auftreten.

Behandlung der Schizophrenie

Im September 2024 wurde die fixe Kombination von Xanomelin mit Trospiumchlorid zur Behandlung von Schizophrenie bei Erwachsenen zugelassen (Präparatename: Cobenfy).[5]

Handelsnamen

Monopräparate

Inkontan (A), Rekont (A), Spasmex (D, CH), Spasmolyt (D, A), Spasmo-Rhoival (D), Spasmo-Urgenin Neo (CH), Spasmo-Urgenin TC (D), Uraplex (A), Urivesc (D,A)

Kombinationspräparate
  • mit Xanomelin: Cobenfy (USA)

Literatur

Einzelnachweise

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