Trustpilot

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Trustpilot Group plc ist ein 2007 in Dänemark gegründetes, globales Online-Bewertungsportal. Über das Portal können Verbraucher weltweit Unternehmen bewerten und Rezensionen veröffentlichen. Trustpilot finanziert sich über ein Freemium-SaaS-Geschäftsmodell. Basisfunktionen sind kostenlos verfügbar, während erweiterte Leistungen über Firmen-Abonnements angeboten werden. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Kopenhagen, und seit 2021 ist Trustpilot an der Londoner Börse notiert. Online-Bewertungen haben sich zu einem wichtigen Faktor bei Kaufentscheidungen entwickelt, was Trustpilot im E-Commerce sehr einflussreich ist. Viele Unternehmen werben aktiv mit ihren guten Trustpilot-Beurteilungen und heben hohe Sterne-Ratings als Qualitätsmerkmal hervor. Mit Stand Juni 2025 umfasst Trustpilot 330 Millionen Bewertungen und 60 Millionen aktive Nutzer pro Monat.[2][3]

Schnelle Fakten
Trustpilot Group plc
Logo
Rechtsform plc
ISIN GB00BNK9TP58
Gründung 2007
Sitz Kopenhagen, Danemark Dänemark
Leitung Zillah Byng-Thorne (COB),
Adrian Blair (CEO)
Mitarbeiterzahl ca. 1000 (2024)
Umsatz 210,8 Mio. US-Dollar (2024)[1]
Branche Online-Bewertungen
Website de.trustpilot.com
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Geschichte

Trustpilot wurde 2007 in Dänemark von Peter Holten Mühlmann ins Leben gerufen.[4] Die Idee kam ihm, als seine Eltern begannen, online einzukaufen. Zu dieser Zeit studierte er an der Aarhus School of Business.[5] Die Gründungsidee war eine offene Plattform für Kundenbewertungen, um eine transparente Verbindung zwischen Verbrauchern und Unternehmen herzustellen. In den folgenden Jahren wuchs Trustpilot kontinuierlich und entwickelte sich zu einer der weltweit größten Bewertungs-Communitys mit Hunderten Millionen abgegebener Bewertungen zu Millionen von Unternehmen.[6] Das Portal expandierte international und gewann durch die Zunahme des Online-Handels immer mehr an Bedeutung. 2013 eröffnete Trustpilot Büros in New York und London. Im selben Jahr wurde das Unternehmen bei den European Startup Awards von Next Web zum dänischen Start-up des Jahres gekürt.[7]

Im Jahr 2014 investierte Draper Esprit (vormals DFJ Esprit) 25 Millionen US-Dollar in Trustpilot, unterstützt von den bestehenden Investoren.[8]

Im März 2015 führte Google Produktbewertungen in Europa ein, wovon auch Trustpilot profitierte, weil seine Daten in die Bewertungen einflossen.[9]

Im Mai 2015 erhielt Trustpilot eine Serie-D-Finanzierung in Höhe von 73,5 Millionen US-Dollar. Die Investition wurde von Vitruvian Partners angeführt, wobei alle bestehenden Investoren Beiträge leisteten.[10]

Das Unternehmen erreichte im März 2021 mit dem Börsengang an der Londoner Börse einen bedeutenden Meilenstein. Trustpilot wurde mit rund 1,1 Milliarden Pfund bewertet.[11] In den veröffentlichten Geschäftsunterlagen wurde für das Jahr 2020 ein Jahresumsatz von ca. 102 Millionen US-Dollar ausgewiesen, was einer Wachstumsrate von 25 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.[12] Der Börsengang brachte den bestehenden Trustpilot-Investoren (vorwiegend europäische Risikokapitalgeber) 670 Millionen Pfund ein.[4]

Der Gründer Mühlmann führte Trustpilot 16 Jahre lang als CEO. 2023 kündigte er seinen Rücktritt von der Unternehmensleitung an und wechselte in eine Rolle als Markenbotschafter und nicht-exekutives Vorstandsmitglied.[13] Im September 2023 übernahm mit Adrian Blair erstmals eine externe Führungskraft den Posten des CEO.

Am 16. September 2025 kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von bis zu 30 Millionen Pfund an.[14]

Funktionsweise

Auf Trustpilot können Nutzer ihre Erfahrungen mit Unternehmen, Produkten oder Dienstleistungen in Form von Sternebewertungen (1 bis 5 Sterne) und einem kurzen Text publik machen. Voraussetzung ist die Registrierung eines kostenlosen Nutzerkontos, danach kann das gewünschte Unternehmen gesucht und eine Bewertung verfasst werden. Alle Bewertungen sind öffentlich einsehbar und sollen auf echten Erfahrungen der Verfasser basieren; im Zweifelsfall kann Trustpilot einen Nachweis (z. B. eine Bestellbestätigung) vom Verfasser anfordern. Kunden können Bewertungen entweder aus eigener Initiative abgeben oder wenn sie nach einem Kauf vom Unternehmen dazu eingeladen werden. Solche Einträge werden im Portal als „verifiziert“ gekennzeichnet, da dabei ein konkreter Kauf belegt werden kann. Die Gesamtbewertung eines Unternehmens, der sogenannte TrustScore, wird nicht als einfacher Durchschnitt berechnet, sondern zeitlich gewichtet – neuere Bewertungen fließen stärker ein als ältere, um die aktuelle Leistung widerzuspiegeln.[15][6]

Mit einem kostenfreien Profil auf Trustpilot können Unternehmen unter anderem auf Kundenbewertungen antworten und Angaben zu ihrem Unternehmen veröffentlichen. Für gewerbliche Nutzer bietet Trustpilot darüber hinaus kostenpflichtige Pakete mit erweiterten Funktionen an. Diese umfassen unter anderem den Versand automatisierter Bewertungseinladungen an Kunden, detaillierte Analysen und Statistiken sowie die Einbindung von Trustpilot-Widgets (sogenannten „TrustBoxen“) auf der eigenen Website zu Werbezwecken.[6][12] Einnahmen erzielt das Unternehmen hauptsächlich durch Unternehmen, die zusätzliche Services abonnieren, sowie in geringerem Umfang durch Werbeanzeigen. Trustpilot hat Richtlinien, die Verbraucher und Unternehmen bei der Nutzung der Plattform beachten müssen. Diese gelten für zahlende und nicht zahlende Unternehmen gleichermaßen. Trustpilot betont, dass es unabhängig ist und dass Zahlungen den Unternehmen keine Vorteile bei der Bewertung bringen.[16]

Sowohl Nutzer als auch Unternehmen haben die Möglichkeit, verdächtige Bewertungen über die Plattform zu melden, damit diese überprüft werden. Dafür werden sowohl automatisierte Systeme als auch ein internes Content-Integrity-Team eingesetzt. Laut dem Transparenzbericht von Trustpilot wurden im Jahr 2023 insgesamt rund 6 % aller 54 Millionen eingereichten Bewertungen als unzulässig identifiziert und von der Plattform entfernt.[17]

Nach Angaben von Trustpilot wurden 2024 knapp 82 % der entfernten Fake-Beiträge durch automatische Erkennung entdeckt und gelöscht und weitere 18 % wurden nachträglich durch menschliche Prüfer entfernt.[18]

Mit Stand Juni 2025 umfasst Trustpilot 330 Millionen Bewertungen und 60 Millionen aktive Nutzer pro Monat.[19] Das Unternehmen beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter.[20]

Kritik

Trustpilot steht mitunter in der Kritik, was die Echtheit und Transparenz der Bewertungen betrifft. Ein Artikel im Spiegel vom Mai 2025 hat über Bedenken wegen mangelnder Transparenz bei den Filteralgorithmen berichtet und dabei Beschwerden einiger Unternehmen angeführt, die das Melden verdächtiger Bewertungen als zeitaufwendig und nicht besonders effektiv beschrieben.

Im gleichen Monat geriet Trustpilot ins Visier der deutschen Wettbewerbszentrale, einer Selbstkontrollinstanz der Wirtschaft, die dem Portal irreführende Versprechen in der Eigenwerbung vorwarf.[15] Im Rahmen der Ermittlungen wurden zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 insgesamt 86 fingierte Bewertungen gezielt auf Trustpilot eingeschleust. Davon wurden 31 Einträge veröffentlicht und 55 wurden entfernt. Die Wettbewerbszentrale kritisierte, Trustpilot erfülle den suggerierten Anspruch vollkommen authentischer Bewertungen nicht und könnte damit gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen. Trustpilot wurde daraufhin eine förmliche Abmahnung in Aussicht gestellt.[18]

Trustpilot reagierte auf diese Vorwürfe und betonte, man nehme die Ergebnisse „sehr ernst“ und würde diese prüfen. Außerdem verwies das Unternehmen auf die anhaltenden Investitionen in Betrugserkennungsmaßnahmen. Trustpilot erklärte weiter, dass es über viele Jahre hinweg Technologien zur Betrugsbekämpfung entwickelt habe. Laut seinem Transparenzbericht für 2024 wurden 82 % der gefälschten Bewertungen automatisch erkannt und gelöscht.[18]

Commons: Trustpilot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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