Trịnh-Fürsten

vietnamesische Adels- und Herrscherfamilie From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Trịnh-Fürsten (vietnamesisch Chúa Trịnh, Chữ Hán: 主鄭) waren eine vietnamesische Adels- und Herrscherfamilie, die vom 16. bis zum späten 18. Jahrhundert den Norden Vietnams beherrschte. Formal regierten sie im Namen der restaurierten Lê-Kaiser, tatsächlich lag die politische und militärische Macht jedoch bei den Trịnh. Ihr Herrschaftsgebiet wurde als Đàng Ngoài („äußeres Gebiet“) bezeichnet und stand dem von den Nguyễn-Fürsten kontrollierten Süden, Đàng Trong, gegenüber. Die Trịnh dominierten die Politik Nordvietnams bis zu ihrem Sturz durch die Tây-Sơn-Dynastie im Jahr 1786/87.[1]

Vietnam um 1650 mit dem von den Trịnh beherrschten Norden und dem Herrschaftsgebiet der Nguyễn im Süden
Trịnh (Norden) und Nguyễn-Gebiete (Süden) um 1757

Der Aufstieg der Familie begann nach der Machtübernahme der Mạc-Dynastie im Jahr 1527. Gegner der Mạc sammelten sich in Thanh Hóa und stellten mit Unterstützung einflussreicher Familien einen Lê-Prätendenten auf. Trịnh Kiểm, Schwiegersohn des Militärführers Nguyễn Kim, wurde nach dessen Tod zur führenden Kraft der Anti-Mạc-Bewegung. 1545 übernahm er die militärische und politische Leitung der Lê und begründete damit die Machtstellung der Trịnh-Familie. Die Trịnh blieben für die gesamte Herrschaftszeit die eigentliche Macht und wählten die Lê-Kaiser aus, setzten sie bei Bedarf ab und bestimmten hochrangige Beamte.[2]

Unter Trịnh Tùng gelang den Trịnh 1592 die Einnahme von Đông Kinh, dem heutigen Hanoi, und damit die weitgehende Wiederherstellung der Lê-Herrschaft im Norden. Die Lê-Kaiser blieben jedoch zunehmend zeremonielle Herrscher, während die Trịnh als erbliche Fürsten die Regierung führten. Die südlichen Landesteile entzogen sich der Kontrolle des Nordens und wurden von der Familie Nguyễn beherrscht. Der Gegensatz zwischen beiden Familien führte im 17. Jahrhundert zu den langwierigen Trịnh-Nguyễn-Kriegen. Trotz wiederholter Feldzüge gelang es den Trịnh nicht, die Nguyễn im Süden dauerhaft zu unterwerfen, weshalb das Land zweigeteilt blieb, formalisiert durch ein gegenseitiges Friedensabkommen 1673.[3]

Die Trịnh-Fürsten regierten im Norden von der Hauptstadt Đông Kinh aus. Sie stützten sich auf eine konfuzianisch geprägte Verwaltung, kontrollierten den Hof der Lê-Kaiser und bauten ein eigenes Machtzentrum neben der kaiserlichen Institution auf. Im Unterschied zu den stärker maritim und zum Fernhandel orientierten Nguyễn im Süden blieb der Norden stärker auf die traditionelle Verwaltung und die Agrarwirtschaft des Deltas des Roten Flusses ausgerichtet. Im Gegensatz zu den Nguyễn, die in andauernde Konflikte mit den Champa und Kambodscha verwickelt waren, unterhielten sie relativ stabile Beziehungen zu ihren Nachbarn, mit der Ausnahme von einer Intervention in Laos gegen Ende des 17. Jahrhunderts.[2]

Im 18. Jahrhundert geriet die Trịnh-Herrschaft zunehmend unter Druck. Innere Machtkämpfe, soziale Spannungen und wirtschaftliche Schwierigkeiten schwächten das Regime. 1774 nutzte Trịnh Sâm den Aufstand der Tây Sơn gegen die Nguyễn, um die alte Grenze zum Süden zu überschreiten. Trịnh-Truppen nahmen 1775 Phú Xuân ein, mussten sich jedoch bald wieder zurückziehen. Die Tây Sơn entwickelten sich anschließend zur stärksten Kraft in Vietnam. 1786 eroberte Tây Sơn-Kaiser Nguyễn Huệ Phú Xuân und zog weiter nach Norden. Die Trịnh-Herrschaft in Đông Kinh brach zusammen; der letzte Trịnh-Fürst Trịnh Bồng, der von den chinesischen Qing unterstützt wurde, konnte sich nur kurz halten und verlor 1788 endgültig die Macht, als die Tây Sơn eine chinesische Interventionstruppe in Đông Kinh besiegten.

Die Trịnh-Fürsten gelten als eine der prägenden Machtgruppen der frühneuzeitlichen vietnamesischen Geschichte. Ihre Herrschaft bewahrte zwar formal die Lê-Dynastie, machte diese aber politisch weitgehend bedeutungslos. Zugleich verfestigte sich unter ihnen die territoriale und politische Teilung Vietnams zwischen Nord und Süd, die erst durch die Tây Sơn und später die Nguyễn-Dynastie überwunden wurde.

Literatur

  • K. W. Taylor: A History of the Vietnamese. Cambridge University Press, Cambridge 2013, ISBN 978-0-521-87586-8 (englisch).
  • Keith Weller Taylor: The Birth of Vietnam. University of California Press, Berkeley 1991, ISBN 0-520-07417-3 (englisch).
  • Bruce M. Lockhart; William J. Duiker: The A to Z of Vietnam (= The A to Z Guide Series. Band 217). Scarecrow Press, Lanham 2010, ISBN 978-0-8108-7646-0 (englisch).
  • Alexander Woodside: Vietnam and the Chinese Model: A Comparative Study of Vietnamese and Chinese Government in the First Half of the Nineteenth Century. Harvard University Asia Center, Cambridge, Massachusetts 1988, ISBN 978-0-674-93721-5 (englisch).
  • George Dutton: The Tây Sơn Uprising: Society and Rebellion in Eighteenth-Century Vietnam. University of Hawaiʻi Press, Honolulu 2006, ISBN 978-0-8248-2984-1 (englisch).

Einzelnachweise

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