Twannberg (Meteorit)

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Twannberg
Ein Fundstück des Meteoriten Twannberg in einer privaten Meteoritensammlung.
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Twannberg
Lokalität
Land Schweiz
Kanton Bern
Verwaltungsregion Seeland
Verwaltungskreis
(Amtsbezirk)
Biel/Bienne
(Nidau)
Gemeinde Twann-Tüscherz
(Douanne-Daucher)
Ort Twannberg
Fall und Bergung
Datum (Fall) vor ca. 160.000 (155.000 – 195.000[1]) Jahren
beobachtet nein
Datum (Fund) ab 9. Mai 1984
Sammlung NHM (Bern)

NHM (Wien)

Beschreibung
Typ Eisenmeteorit
Gruppe IIG
Masse (total) 152.7 kg (> 2000 Bruchstücke,
das erste mit 15.916 kg)
Referenzen
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Der Meteorit Twannberg ist der grösste Meteorit, der bisher in der Schweiz gefunden worden ist. Der Fall ereignete sich vor ca. 160'000 Jahren, das Streufeld hat eine Länge von über 6 km. Es handelt sich um das erste in der Schweiz entdeckte Meteoriten-Streufeld und um den einzigen bisher in Europa entdeckten Eisenmeteoriten der Klasse IIG. Von der Kategorie mit besonders geringem Nickel-Anteil existieren weltweit nur sechs Stück. Sie stammen aus dem ersten Tausendstel der Geschichte des Sonnensystems.[2]

Fundgeschichte

Das erste Fragment des Meteoriten (mit einer Masse von 15,916 kg) wurde am 9. Mai 1984 auf einem frisch gepflügten Haferfeld von einer Bäuerin bei Twann im Kanton Bern aufgefunden.[3] Ein zweites Stück des Meteoriten mit einer Masse von 2,25 kg wurde 16 Jahre später, im September 2000 eingemauert auf einem Dachboden eines Hauses in Twann vom Schreiner Marc Jost entdeckt.[3]

Original-Etikett des dritten Fundstücks aus dem Museum Schwab, wo der Meteorit um das Jahr 1930 fälschlicherweise als Hämatit (Eisenglanz) bezeichnet wurde.

Ein drittes Stück des Meteoriten wurde 2005 entdeckt, als das Museum Schwab in Biel seine geologischen Bestände als Dauerleihgabe an das Naturhistorische Museum Bern übergab und sich bei der Begutachtung der Objekte herausstellte, dass es sich bei einem als Hämatit geführten Stein in Wahrheit um einen Meteoriten handelte.[3]

Karte mit Fundorten des Meteoriten Twannberg.

Im Jahr 2007 entdeckten Goldsucher beim Goldwaschen im Twannbach 3 Fragmente des Meteoriten. In den folgenden Jahren wurden 75 weitere Fragmente des Meteoriten aus dem Twannbach geborgen.[3] Zwischen 2013 und 2016 wurde die Suche im Gebiet der Gruebmatt intensiviert, einer Region unweit der Fundstelle des ersten Twannberg-Meteoriten aus dem Jahr 1984. Den Anstoss zu dieser Suchphase gab der Fund eines weiteren Meteoriten, der am 31. August 2013 mit einem Metalldetektor unweit des Erstfundes durch den Schreiner und leidenschaftlichen Hobby-Meteoritenjäger Marc Jost aufgespürt wurde. Die anschliessenden systematischen Suchaktionen in der Gruebmatt führten zur Entdeckung von insgesamt 31 Meteoritenmassen, darunter der bisher zweitschwerste Meteorit mit einer Masse von 5,7 Kilogramm.[3] Ende April 2015 wurde die Meteoriten-Suche auf das Gebiet des Mont Sujet (deutsch: Spitzberg) ausgedehnt, wo etwa 2 Kilometer nordöstlich der Erstfund-Stelle weitere Meteoriten gefunden werden konnten. Dadurch war klar, dass das Streufeld des Twannberg-Meteoriten bis auf den Mont Sujet reicht.[3] Unter der wissenschaftlichen Leitung des Naturhistorischen Museums Bern wurde in den folgenden Jahren der Mont Sujet von einem Suchteam, bestehend aus Wissenschaftlern, ehrenamtlichen Meteoritenforschern und Meteoritenjägern, systematisch mit Metalldetektoren abgesucht und die räumliche Ausdehnung des Streufeldes kartiert.[4] Bis August 2016 wurden ca. 600 Fragmente mit einer Gesamtmasse von über 72 kg aufgefunden. Bis zum Jahr 2020 wuchs die Zahl der Funde auf knapp 1.800 Fragmente mit einer Gesamtmasse von mehr als 140 kg.[1] Bis Ende 2022 hat sich die Zahl der Funde auf mehr als 2.000 Fragmente erhöht, die bekannte Gesamtmasse beträgt mehr als 152 kg.[5][4]

Streufeld und glazialer Transport

Das Meteoriten-Fundgebiet auf dem Hochplateau des Mont Sujet erstreckt sich über eine Länge von 6 km und hat eine Ausdehnung von knapp 10 km². Diese Funde lassen sich deshalb als Teil eines ursprünglichen Streufeldes deuten, welches knapp ausserhalb der maximalen Eisausdehnung des Letzteiszeitlichen Maximums gelegen ist. In diesem Streufeld nimmt die Fragmentgrösse der Meteoriten von Nordosten nach Südwesten zu. Daraus lässt sich eine Fallrichtung des Meteoriten beim Eintritt in die Erdatmosphäre von Ostnordost nach Westsüdwest ableiten, mit einer Richtung von etwa 250° auf dem Kompass.[4]

An den anderen beiden Fund-Locations, auf dem Twannberg-Plateau (Gruebmatt) und in der Twannbachschlucht sind die Meteoriten hingegen nicht nach Grösse sortiert und treten zusammen mit Moränenmaterial sowie Bachsedimenten auf. Ihre Verteilung zeigt, dass die Funde von der Gruebmatt vermutlich während der vorletzten Eiszeit vor rund 150.000 Jahren durch einen Gletscher von Südwesten nach Nordosten transportiert wurden.[3] Die Metoriten-Fundstücke in der Twannbergschlucht wurden auch durch Wasser umgelagert.[4]

Klassifikation

Der Meteorit Twannberg wird der seltenen chemischen Gruppe IIG der Eisenmeteoriten zugeordnet. Zu dieser Gruppe gehören weltweit nur sechs verschiedene Meteoriten. Die übrigen Vertreter der IIG-Gruppe sind Tombigbee River und Auburn aus Alabama, USA, die möglicherweise auf dasselbe Fallereignis zurückgehen, sowie La Primitiva aus Chile, Bellsbank aus Südafrika und Guanaco aus Chile.[6]

Charakteristisch für Twannberg ist seine ungewöhnliche Zusammensetzung: Er besitzt mit etwa 4,5 % einen besonders niedrigen Nickelgehalt, gleichzeitig aber einen sehr hohen Phosphorgehalt. Dieser tritt vor allem in Form von Schreibersit-Kristallen auf.[3]

Sammlung

Ein beträchtlicher Teil der Gesamtmasse im Umfang von mehr als 50 kg bestehend aus mehr als 500 Fragmenten befindet sich im Naturhistorischen Museum Bern.[7] Das Naturhistorische Museum Fribourg konnte im Jahr 2016 ein ca. 1 kg schweres Stück erwerben, das vom zweitgrößten Fundstück – mit einer Masse von 5,75 kg – abgetrennt worden war.[8] Einzelne Funde gibt es auch am Naturhistorischen Museum Basel, Naturmuseum St. Gallen, Musée d’histoire naturelle Genève, Musée Cantonal de Géologie Lausanne, im Sauriermuseum Aathal und an der ETH Zürich.[9] Im Oktober 2020 wurde dem Naturhistorischen Museums Wien ein Fragment mit einer Masse von 370 g geschenkt, das in der Meteoritensammlung ausgestellt ist.[10][11] Zwei Exemplare befinden sich auch im Fersman Mineralogical Museum in Moskau.[12]

Siehe auch

Literatur

  • Beda A. Hofmann, Silvio Lorenzetti, Otto Eugster, Urs Krähenbühl, Gregory Herzog, Feride Serefiddin, Edwin Gnos, Manuel Eggimann und John T. Wasson: The Twannberg (Switzerland) IIG iron meteorites: Mineralogy, chemistry, and CRE ages. In: Meteoritics & Planetary Science, 44 (2009), S. 187–199 (PDF; 7,3 MB).

Einzelnachweise

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