Tyrannei
illegitime Gewalt- und Willkürherrschaft
From Wikipedia, the free encyclopedia
Als Tyrannei (griech.: tyrannía (τυραννία) bzw. spätlat.: tyrannia) bezeichnet man in stark abwertendem Sinn eine Gewalt- und Willkürherrschaft eines Machthabers oder einer Gruppe, bei dem das Element der Unterdrückung zutage tritt.[1]
Begriff
Der Begriff findet sich im deutschsprachigen Raum ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (mittelnorddeutsch: tirannīe) und wird ab der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts mit der Bedeutung der zwangsweisen Unterdrückung von Personen durch Herrschsüchtige übernommen.[1]
Geschichte
Tyrannei knüpft an die antike Tyrannis an,[2] die durch gewaltsamen Umsturz der Staatsordnung erlangte Herrschaft eines einzelnen Machthabers in einer Polis der griechischsprachigen Staatenwelt im Zeitraum vom 7. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. Platon nennt in seiner Politeia (um 375 v. Chr.) die Tyrannis die schlechteste Staatsform.[2] Aristoteles stimmt dieser Einschätzung in seiner Politik (um 335 v. Chr.) zu.[2]
Im Mittelalter sieht Thomas von Aquin den Tyrannen als negativ, unterteilt den Herrscher aber in einen legitimen und einen illegitimen, wobei beide in ungerechter Weise herrschen.[2]
Zur Zeit der Aufklärung ist Tyrannei bei Kant auf die grausame und unterdrückende Herrschaftsform in der Bedeutung eingeengt.[2]
Diese Bedeutung wird in die Neuzeit transportiert: In der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird Tyrannei als Unterdrückung unter Abwesenheit der Herrschaft des Rechts bezeichnet, gegen die Menschen das Recht zum Aufstand haben.[3]
Heutige Bedeutung
Heute nennt man Herrschaftsformen mit brutalen Alleinherrschern an der Spitze eine Tyrannei; die Bedeutung geht dabei in Richtung Gewaltherrschaft, also einer Diktatur, von der zum Beispiel der spätere amerikanische Präsident James Madison 1787/88 in den Federalist Papers (Nummer 47) schrieb: „Die Ansammlung von jeglicher Gewalt, der Legislative, Exekutive und der Judikative, in den gleichen Händen, ob eines Einzelnen, ein paar Weniger oder von Vielen, und ob erblich, selbst ernannt oder gewählt, kann mit Recht als die genaue Definition von Tyrannei erklärt werden.“[4]
Ausgehend von dieser Begriffsentwicklung versteht man im übertragenen Sinn unter Tyrann einen herrschsüchtigen oder strengen Menschen (z. B. Familientyrann).[5]
Literatur
- André Krischer / Barbara Stollberg-Rilinger (Hg.): Tyrannen. Eine Geschichte von Caligula bis Putin. C.H.Beck, München 2022, ISBN 978-3-406-79080-5.
- Steven Levitsky, Daniel Ziblatt: Wie Demokratien sterben: Und was wir dagegen tun können. Pantheon Verlag, 2019, ISBN 978-3-570-55408-1.
- Vladimír Palko: Die Löwen kommen: Warum Europa und Amerika auf eine neue Tyrannei zusteuern. fe-medienvlg., 2014, ISBN 978-3-86357-072-9.
- Timothy Snyder: Über Tyrannei: Zwanzig Lektionen für den Widerstand. C.H.Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71146-6.
- Caroline Thompson: Die Tyrannei der Liebe. Perfekte Erziehung und die Ambivalenz unserer Gefühle. Aus dem Französischen übersetzt von Ursel Schäfer. Verlag Antje Kunstmann, München 2008, ISBN 978-3-88897-528-8.