U-Boot-Bunker St. Nazaire

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Der U-Boot-Bunker St. Nazaire (französisch Base sous-marine de Saint-Nazaire) wurde während des Zweiten Weltkriegs durch die deutsche Kriegsmarine in Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste erbaut. Er war – neben Lorient, Bordeaux, La Pallice/La Rochelle, Brest – einer von fünf großen U-Boot-Stützpunkten, die das Dritte Reich im besetzten Frankreich errichtet hatte.

U-Boot-Bunker St. Nazaire

Geschichte

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Saint-Nazaire einer der größten Häfen an der französischen Atlantikküste. Während des Westfeldzuges erreichte die deutsche Armee im Juni 1940 Saint-Nazaire. Der Hafen wurde umgehend für U-Boot-Operationen genutzt. Als erstes erreichte U 46 Saint-Nazaire am 29. September 1940.

Im Dezember inspizierte eine Kommission der Organisation Todt (Oberbauleitung Süd) den Hafen, um Möglichkeiten für den Bau eines luftangriffssicheren U-Boot-Stützpunkts zu untersuchen. Bald darauf begannen die Arbeiten zur Errichtung eines U-Boot-Bunkers unter Leitung von Ingenieur Probst. Das zum Bau ausgewählte Areal waren die Docks und Gebäude des Unternehmens Compagnie Générale Transatlantique. Die Gebäude dieses Unternehmens wurden zum Bau des Bunkers abgerissen. Der Bau begann im Februar 1941 mit den U-Boot-Boxen 6,7 und 8, die im Juni 1941 fertiggestellt wurden. Von Juli 1941 bis Januar 1942 wurden die U-Boot-Boxen 9 bis 14 gebaut und von Februar bis Juni 1942 die U-Boot-Boxen 1 bis 5. Die Arbeit wurde durch den Bau eines Bunkerturms abgeschlossen. In den Boxen wurden die U-Boote u. a. von deutschen Werftarbeitern gewartet und repariert.

Zwischen Ende 1943 und Anfang 1944 wurde eine befestigte Schleuse gebaut, um U-Boote während ihres Transfers von der Loire und den U-Boot-Boxen zu schützen. Die Schleuse ist 155 Meter lang, 25 Meter breit und 14 Meter hoch. Das Dach des Bunkers verfügt über eine Flakbewaffnung.

Der Aufbau des Bunkers

Der Bunker ist 267 Meter lang, 130 Meter breit und 18 Meter hoch, was einer Fläche von 39.000 m² am Boden und einer Betonmenge von 480.000 m³ entspricht. Das Dach ist 8 Meter tief und besteht aus vier Schichten: Die erste ist eine 3,5 Meter dicke Platte aus Stahlbeton; die zweite ist eine 35-cm-Granit- und Betonschicht; die dritte ist eine 1,7 Meter dicke Schicht aus Stahlbeton, und die vierte ist eine als „Fangrost“ bezeichnete Schicht von Stahlträgern, die rund 1,40 Meter stark ist.[1]

Heutige Nutzung

Im Jahre 1994 beschloss die Stadt Saint-Nazaire, das brachliegende Bunkerareal unter Beibehaltung der historischen Bauten zu einem Standort für verschiedene Museen umzubauen. Bürgermeister Joël Batteux, von 1983 bis 2004 im Amt, initiierte das Projekt „Ville-Port“, die Öffnung des Hafens, nachdem in den 1990er-Jahren geklärt war, dass der Bunker aus Kostengründen und wegen der Gefahr für die umliegenden Nachbargebäude nicht gesprengt werden konnte. Seitdem wird der Bunker nach und nach geöffnet und die umliegende Infrastruktur zum Hafen hin verbessert. 1969 erhielt Manuel de Solá-Morales den Auftrag für eine städtebauliche Gesamtkonzeption. Inzwischen existiert eine Fußgängerrampe, die auf das begrünte Dach des Bunkers führt.

Der Bunker beherbergt heute die Ausstellung „Escal’Atlantic“ und auf der ehemaligen Brache um den Bunker befinden sich aktuell ein Kinocenter, eine Mall, ein Hotel und Wohnblocks. LIN Architekten und Urbanisten mit Finn Geipel und Giulia Andi hatten sich 2007 in äußerst reduzierter Form dem südlichsten Bereich des Bunkers mit der Kammer 14 angenommen und einen flexiblen Ort für neue Kunst und zeitgenössische Musik geschaffen. Zudem bauten sie die interne Straße im Bunker um, welche nun die einzelnen umgebauten Hallen verbindet. 2018 ging der Umbau in die nächste Runde. Das belgische Kollektiv 51N4E aus Brüssel hat mit dem Architekturbüro Bourbouze & Graindorge aus Nantes die Kammern 12 und 13 zu einem Veranstaltungssaal mit dazugehörigen Funktionsräumen ausgebaut.

Literatur

  • Lars Hellwinkel: Hitlers Tor zum Atlantik – Die deutschen Marinestützpunkte in Frankreich 1940–1945. Ch. Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-672-7.
  • Janusz Piekałkiewicz: Sea War: 1939–1945. Blandford Press, London – New York 1987, ISBN 0-7137-1665-7.
  • Clay Blair: Hitler’s U-boat War: The Hunters, 1939–1942.

Einzelnachweise

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