U-Boot-Klasse XVII

Klasse von U-Booten der deutschen Kriegsmarine From Wikipedia, the free encyclopedia

Die U-Boot-Klasse XVII, offiziell Typ XVII genannt, war eine deutsche U-Boot-Klasse, die von 1942 bis 1944 gebaut wurde.

Schnelle Fakten Schiffsdaten, Schiffsmaße und Besatzung ...
U-Boot-Klasse XVII B
Das teilweise demontierte U 1406 kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges
Das teilweise demontierte U 1406 kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges
Schiffsdaten
Land Deutsches Reich Deutsches Reich
Schiffsart U-Boot
Bauzeitraum 1942 bis 1944
Gebaute Einheiten 3 gebaut
Schiffsmaße und Besatzung
Länge Wa 201: 39,05 m (Lüa)
Wk 202: 34,64 m (Lüa)
Typ XVIIB: 41,45 m (Lüa)
Breite 4,5 m
Wa 201 & Typ XVIIB: 3,30 m (Druckkörper)
Wk 202: 3,40 m (Druckkörper) m
Tiefgang (max.) Wa 201: 4,30 m
Typ XVIIB: 4,50 m
Wk 202: 4,55 m
Verdrängung Wa 201:
**über Wasser: 277 t
**unter Wasser: 372 t
Wk 202:
**über Wasser: 236 t
**unter Wasser: 312 t
Typ XVIIB:
**über Wasser: 312 t
**unter Wasser: 415 t
 
Besatzung 12 Mann
Maschinenanlage
Maschine 1 × Deutz 8zyl Diesel 230 PS
1 × AEG E-Motor 77,5 PS
Wa 201 U-793 & Typ XVIIB: 1 × Walther-Turbine 2.500 PS
Wa 201 U-792 & Wk 202 : 2 × Walther-Turbine 2.500 PS
Höchst­geschwindigkeit 8,5 kn (16 km/h)
Propeller 1
Einsatzdaten U-Boot
Aktionsradius Wa 201 :
Aufgetaucht: 2.910 sm (5.390 km) bei 9 kn.[1]
Getaucht: 105 sm (194 km) bei 25 kn (46 km/h) bzw. 127 sm (235 km) bei 20 kn (37 km/h) mit Walter-Antrieb.[1]
27 sm bei 4,5 kn mit E-Maschinen.
Wk 202 :
Aufgetaucht: 1.840 sm (3.410 km) bei 9 kn.[1]
Getaucht: 80 sm (150 km) bei 26 kn (48 km/h) mit Walter-Antrieb.[1]
76 sm bei 4 kn mit E-Maschinen.
Typ XVIIB :
Aufgetaucht: 2.970 sm (5.500 km) bei 8,5 kn.[1]
Getaucht: 114 sm (211 km) bei 20 kn (37 km/h) bzw. 169 sm (313 km) bei 15 kn (28 km/h) mit Walter-Antrieb.[1]
40 sm bei 4,5 kn mit E-Maschinen. sm
Tauchzeit 14 sek
Tauchtiefe, max. 150 m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
Wa 201: 25 kn
Wk 202: 26 kn
Typ XVIIB: 20 kn
Bewaffnung
Sensoren
Schließen
Typ XVIIB, 11. August 1945, Bremerhaven, vermutlich U-1406 oder U-1407

Geschichte

Hellmuth Walters Weg zum schnellen Uboot begann 1925, als der 25-jährige Ingenieur ein Patent für ein Verfahren zur isothermen Verdichtung von Gasen anmeldete. In den folgenden Jahren entwickelte er Konzepte für Gasturbinen mit isothermischer Verdichtung und später für schnelle Unterseeboote. 1930 erklärte sich das Marineamt einverstanden. 1933 erhielt Walter den Auftrag für den Entwurf eines US-Bootes (Unterwasser-Schnellboot) von 300–400 t Verdrängung. Im März 1934 legte Walter einen neuen Entwurf mit Gasturbinenantrieb vor. Am 10. April 1934 wurde er von der Marineleitung beauftragt, die Germaniawerft zur Ausarbeitung eines Angebots für ein Versuchsboot nach dem Dampfverfahren aufzufordern. Ein erster Entwurf VB 60 entstand 1938. Die Bezeichnung Typ V wurde vergeben.[2]

Das Versuchsboot V 80 (auch Ingo genannt) wurde bei der Firma Matthiesen & Paulsen in Arnis gebaut und später zur Germaniawerft verlegt. Es lief am 8. April 1940 auf Helling V der Germaniawerft kurz vor dem Stapellauf vom Stapel. Die Erprobungen begannen im Sommer 1940 vor Schleimünde und wurden im Herbst 1940 nach Hela in die Danziger Bucht verlegt.[3]

Bei Versuchsfahrten erreichte V 80 am 3. November 1941 in 10 m Wassertiefe bei 1330 WPS und 855 U/min des Propellers eine Geschwindigkeit von 23,1 kn. Die höchste gemessene Unterwassergeschwindigkeit betrug 26,5 kn am 8. Juli 1942. Mit voller Turbinenleistung (1875 WPS) waren maximal 28 kn möglich. Probleme traten bei hohen Geschwindigkeiten mit Schwingungen der Steuerdrähte und Untersteuern auf; das Boot neigte zum Unterschneiden.

Modifikationen am Bug und Ersatz der Steuerdrähte durch Metallstangen verbesserten die Lage. V 80 hatte eine Besatzung von 3–4 Mann, darunter häufig der zivile Schiffsingenieur Heinz Ullrich sowie die ehemaligen Uboot-LIs Heep und Gabler. Hellmuth Walter nahm regelmäßig an den Fahrten teil.[3]

Das Boot diente ausschließlich als Erprobungsfahrzeug für den Walter-Antrieb. Die Erkenntnisse führten zu weiteren Entwicklungen, darunter Entwürfe für größere Walter-U-Boote wie den 300-t-Typ und Übergangslösungen zu konventionellen Antrieben.[4]

Allgemeines

Es handelte sich dabei um Einhüllen-Boote mit Walter-Antrieb, von denen mehrere Versionen gebaut bzw. geplant wurden.

Typ XVIIA war die Sammelbezeichnung für die zwei Versuchstypen Wa 201 von Blohm & Voss (U 792 und U 793) sowie Wk 202 von der Friedrich Krupp Germaniawerft (U 794 und U 795).

Vom Typ XVIIB (Blohm & Voss) wurden insgesamt zwölf Boote in Auftrag gegeben (U 1405 bis U 1416). Davon wurde die Hälfte noch vor Kiellegung wieder storniert, zugunsten der U-Boot-Klasse XXI. Nur die ersten drei Boote wurden fertiggestellt. Alle drei wurden bei Kriegsende selbst versenkt. U 1406 wurde nach der Hebung in die USA gebracht, aber nicht mehr in Dienst genommen. U 1407 fuhr 1946 bis 1949 bei der Royal Navy als HMS Meteorite.

Vom Typ XVIIG (Germaniawerft) wurden ebenfalls zwölf Boote in Auftrag gegeben (U 1081 bis U 1092), jedoch später ebenfalls storniert.

Fertigstellung und Erprobung

Nach der Grundsatzentscheidung für den Bau von Versuchs-U-Booten nach dem Vorschlag von Hellmuth Walter begannen im Februar 1942 die Vorbereitungen bei B&V und der Germaniawerft. Die Aufträge für die Wa 201-Boote U 792 und U 793 wurden am 19. Juni 1942 erteilt. Gleichzeitig erhielt die Germaniawerft den Auftrag für die WK 202-Boote U 794 und U 795. Die Germaniawerft hielt sich stärker an die Abmessungen und die schärfere Bugform des Walter-Entwurfs.[5] U 794 wurde am 7. Oktober 1943 bei der Germaniawerft ins Wasser gesetzt und am 14. November 1943 in Dienst gestellt. Auf einem Gruppenfoto anlässlich der Indienststellung sind neben den Offizieren und Unteroffizieren Vertreter der Firma Walter und der Bauwerft zu sehen.[6] Die Boote erhielten den Walter-Antrieb. Aufgrund von Lieferfristen, Bauvorbereitungen und Detailproblemen erfolgten die Kiellegungen für die Wa 201-Boote erst im Dezember 1942. Die Montage der Antriebsanlagen erfolgte in der Turbinenhalle von B&V.[7] U 794 und U 795 (WK 202) waren im März 1944 die anderen beiden Walter-Versuchs-U-Boote bei B&V und GW, die ins Wasser gesetzt wurden. U 793 und U 795 wurden jeweils einen Monat nach den ersten beiden Walter-U-Booten abgeliefert.[8]

Die Erprobungen der Walter-Anlagen auf U 792 und U 794 fanden ab Ende 1943 statt. Die erste Versuchsfahrt mit Walter-Antrieb unternahm U 792 am 21. Dezember 1943. U 794 führte zunächst keine Probefahrt mit Walter-Antrieb durch. Bei Standversuchen kam es zu einer Havarie durch undichte T-Stoff-Rohre und Brand.[9] Der T-Stoff wurde auch eingehenden Erprobungen hinsichtlich Beschusssicherheit und seinem Verhalten gegenüber Stoßwellen unterzogen.

Der T-Stoff (H2O2 in 80 % Konzentration) wurde eingehenden Erprobungen hinsichtlich Beschußsicherheit und seinem Verhalten gegenüber Stoßwellen unterworfen. Das verwendete Produkt zeigte sich hierbei unempfindlich. Es gelang lediglich durch Einsatz starker Sprengkörper in großer Menge und bei starker Verdünnung den Stoff bei einer Konzentration über 86,5 % zu einer Beteiligung an der Reaktion zu bringen. (Hierbei wurde nicht direkt gemessen, sondern die Wirkung der Zerlegung des für den Versuch benutzten Eisenrohres beobachtet, so daß ein eindeutiges Maß für die Explosionswirkung bisher nicht festliegt).[10]

Die Boote wurden im Dezember 1943 beim Erprobungskommando in Hela in Dienst gestellt. Es fanden Über- und Unterwassererprobungen, Leistungsmessungen sowie Versuche mit fester Flosse auf dem Vorschiff statt. U 792 zeigte bei gleichen Bedingungen eine schlechtere Steuerfähigkeit als U 794. Probleme traten bei der Ruderanlage auf, die durch Vergrößerung der Flossen und andere Maßnahmen verbessert wurde.[11] Leistungskurven nach Schleppversuchen und Meilenfahrten von U 792 und U 794 wurden erstellt. Schwierigkeiten ergaben sich mit der Ruderanlage bei hohen Geschwindigkeiten und der Tiefensteuerung.[12] Die detaillierten Versuchsprotokolle aus dem Jahr 1944 zeigen zahlreiche kurze Walter-Betriebszeiten, häufig nur wenige Minuten bis maximal rund eine Stunde. Viele Versuche wurden aufgrund technischer Störungen (Undichtigkeiten, Kondensatpumpen, Turbinen, Regler, T-Stoff-Zufuhr, Überhitzung, mechanische Defekte) abgebrochen. Bei einer UAK-Erprobung erreichte U 792 bis 24,6 kn Unterwassergeschwindigkeit. Die längste dokumentierte Walter-Fahrt betrug 265 Minuten.[13] Mitte November 1944 ereignete sich bei U 792 ein schwerer Zusammenstoß mit einem Truppentransporter. U 794 wurde später hauptsächlich für Ausbildungszwecke genutzt.[14] m März 1944 trafen U 793 und U 795 beim Erprobungskommando in Hela ein. Dort begannen die Borderprobungen der Walter-Anlagen. U 793 lief bereits nach der dritten Fahrt am 3. Juni fast störungsfrei. Die Boote dienten primär der Schulung des technischen Personals für die Walter-Front-U-Boote.[8] Nach Beendigung der UAK-Erprobungen wurde U 793 am 4. Juli 1944 dem Kommando für den Schulbetrieb übergeben. Die Gesamtbetriebszeit der Walter-Anlage betrug 46 Stunden und 37 Minuten. Am 22. August 1944 erfolgte eine Grundüberholung. UAK-Erprobungen der Walter-Anlage auf U 795 wurden im September 1944 abgeschlossen.[15]

Uboottyp XVII B

Die Kiellegung der ersten Typ XVII B-Boote (Auftrag 755) war am 5. August 1943 vorgesehen. Die nächsten sollten am 30. August 1943 folgen. Die Boote U 1405/1409 bei B&V hatten geplante Stapeltermine im Januar/Februar 1944. Durch Luftangriffe verzögerten sich die Fertigstellungen erheblich.[16] U 1405 war das erste Boot des Typs XVII B. Es wurde am 1. Dezember 1944 mit einem Schwimmkran ins Wasser gesetzt und am 21. Dezember 1944 in Dienst gestellt. U 1406 folgte am 2. Januar 1945.[17] U 1407 sollte am 15. Januar 1945 folgen. Die Indienststellung erfolgte am 29. März 1945. U 1408 und U 1409 sollten am 12. bzw. 30. April 1945 abgeliefert werden, doch U 1408 wurde bei einem Luftangriff am 8. April 1945 schwer beschädigt.[18]

Ende März 1945 fuhren U 1406 und U 1407 zum Erprobungskommando nach Rendsburg. U 1406 führte UAK-Erprobungen in Kiel durch. Bei einem Dauerversuch mit der Walter-Anlage erreichte U 1406 zehn Minuten lang 13 kn über Wasser im Kanal. Bei U 1407 betrug die Gesamterprobungsdauer der Walter-Turbine an der Pier 36–40 Stunden.[18] U 1405 wurde nach Erprobungen bei der UAK im März 1945 nach Hela verlegt. Am 29. März 1945 versenkte Heinz Ullrich das Versuchsboot V 80 außerhalb des Hafens.[17] Nach dem Zusammenbruch der Weichselfront wurde die Fertigstellung der Typ XVII B-Boote gestoppt. U 1408 und U 1409 wurden bei Bombentreffern am 8. April 1945 zerstört und umgekippt.[19]

Verwendung in anderen Staaten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die noch vorhandenen deutschen Walter-U-Boote von den Siegermächten übernommen und zur Erprobung des Walter-Antriebs verwendet.[20]

Großbritannien

U 1407 wurde nach England überführt, in einem englischen Trockendock überholt und anschließend bei Vickers in Barrow-in-Furness umfassend untersucht und erprobt. Unter Aufsicht von Professor Hellmuth Walter und einem Team deutscher Ingenieure erhielt das Boot eine vollständige neue Maschinenanlage deutscher Herkunft. Die Torpedorohre wurden ausgebaut, da es ausschließlich für Versuche und möglicherweise als schnelles U-Boot-Ziel dienen sollte.[21] Das Boot wurde am 25. September 1945 als HMS Meteorite (Pennant Number N.25) in die Royal Navy in Dienst gestellt. Die Royal Navy zeigte großes Interesse am luftunabhängigen Potenzial des HTP-Antriebs. Nach einer umfangreichen Überholung mit einer neuen Mk-17B-HTP-Turbine fanden ab 1946 Erprobungen unter Leitung von Walter und seinem Team statt.[21][22] Seetests begannen 1948 zunächst mit Diesel-Elektro-Antrieb. Bei Überwasserfahrten mit dem Walter-Antrieb wurden Geschwindigkeiten von über 14 Knoten erreicht, wobei die Turbine zuverlässig arbeitete. Die Hauptversuche (Über- und Unterwasser) fanden zwischen dem 17. März und 30. April 1949 statt. HMS Meteorite zeigte bei getauchter Fahrt eine hervorragende Manövrierfähigkeit: sie war außerordentlich leicht und reaktionsschnell zu handhaben, bewältigte hohe Geschwindigkeiten perfekt und bestätigte bei Unterwasserfahrten eine herausragende Manövrierfähigkeit. Das Boot erwies sich als sehr schwer zu treffendes Ziel für gegnerische U-Jagd-Schiffe.[23][22] Die Versuche vermittelten erhebliches Vertrauen in die Bedienung, Steuerung und Handhabung der Anlage. Die einzigen aufgetretenen technischen Probleme waren allgemeiner Natur und standen nicht in direktem Zusammenhang mit der Turbine selbst.[21][22] Die Erprobungen unterstrichen das enorme Potenzial schneller HTP-U-Boote bei Ausweichmanövern. Die Royal Navy bestellte daraufhin zwei größere Versuchsboote der Explorer-Klasse (HMS Explorer und HMS Excalibur) und plante ursprünglich eine Einsatzklasse von 12 Booten. HMS Meteorite wurde 1950 außer Dienst gestellt und der British Iron and Steel Corporation zur Verschrottung übergeben.[21][22] Basierend auf den gewonnenen Erkenntnisse stellte Großbritannien im Jahr 1956 die Versuchsboote HMS Explorer und HMS Excalibur in Dienst, die 1965 verschrottet worden sind.[24]

USA

U 1406 wurde auf dem US-Transporter SHOEMAKER in die USA transportiert. Es diente dort zusammen mit einem Typ XXVI-Prüfstand umfangreichen Versuchen mit dem Walter-Antrieb beim Naval Research Lab in Annapolis. Das Boot wurde nicht wieder in Dienst gestellt. Weitere Versuche erfolgten am 25 t-U-Boot X1 (1954/55), die jedoch durch zahlreiche Probleme und eine Explosion 1958 beendet wurden.[21]

UdSSR

Die Sowjetunion baute ab 1951 eigene Walter-Versuchs-U-Boote. Auf der Leningrader Sudomech-Werft entstanden 21 Boote der 420-t-Quebec-Klasse (Projekt A615), von denen einige einen Walter-Zusatzantrieb erhielten. Das Boot C-99 erlitt 1959 eine heftige Explosion im Turbinenraum und wurde nicht mehr repariert.[24]

Siehe auch

Literatur

  • Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 3: U-Boote, Hilfskreuzer, Sperrbrecher., Bernard & Graefe, Koblenz 1985, ISBN 3-7637-4802-4.
  • Florian Lipsky, Stefan Lipsky: Deutsche U-Boote. Hundert Jahre Technik und Entwicklung, E.S. Mittler & Sohn, Hamburg 2006, ISBN 978-3-8132-0868-9
Commons: U-Boot-Klasse XVII – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Typ XVII auf des Webseite des Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Einzelnachweise

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