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Udo von Alvensleben (Politiker)

deutscher Politiker (DNVP, NSDAP) und Landrat From Wikipedia, the free encyclopedia

Udo Gebhard Ferdinand von Alvensleben (* 4. Mai 1895 in Falkenberg; † 6. Januar 1970 in Wienhausen) war ein deutscher Jurist in der Kommunalverwaltung, Politiker (DNVP, NSDAP) und SA-Führer.

Leben

Alvensleben war der Sohn eines Rittergutsbesitzers aus dem Adelsgeschlecht von Alvensleben. Seine Eltern waren Joachim von Alvensleben-Falkenberg (1856–1932), Ritterschaftsdirektor (Rat) der Mittelmark, und Hildegard von Unger (1864–1942), Tochter der Agnes Müller von Lauingen und des späteren Generals Ernst von Unger.

Nach Ablegen der Reifeprüfung auf der Brandenburger Ritterakademie begann er ab 1913[1] umgehend ein Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Edinburgh und Heidelberg. Im Jahr 1914 wurde er Mitglied des Corps Saxo-Borussia Heidelberg.[2] Nach Beginn des Ersten Weltkriegs leistete er durchgehend Kriegsdienst, ab 1915 als Offizier, geriet 1917 in französische Gefangenschaft. Nach Kriegsende nahm er sein Studium 1920/21 wieder kurzzeitig an den Universitäten Berlin und München auf, beteiligte sich 1921 nach Eigenangaben am Oberschlesischen Aufstand. Von 1920 bis 1923 absolvierte er zusätzlich eine landwirtschaftliche Lehre und verwaltete danach bis 1930 das väterliche Gut. Das Rittergut Arensdorf hatte in dieser Phase um die große Wirtschaftskrise eine Größe von 859 ha.[3] Danach beendete er 1933 in Berlin sein Jurastudium mit dem Referendariatsexamen. Rittergut Falkenberg mit 885 ha, sein weiteres Erbe, hingegen führte bis zum Lebensende sein Vater Joachim von Alvensleben weiter.[4]

Politisch betätigte er sich von 1922 bis 1927 bei der DNVP und von 1923 bis 1930 beim Stahlhelm. Alvensleben führte zeitweise auch einen geheimen Wehrbund Ostmark, sein Stellvertreter[5] war Gutsnachbar Harald (Graf) von Brünneck-Trebnitz (1880–1958).[6] Zum 1. September 1930 trat Alvensleben der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 302.777),[7] für die er von 1932 bis 1933 in Falkenberg Stützpunktleiter wurde. Ab 1936 war er kommissarischer Kreisleiter sowie Kreisparteiredner der Partei in Schlochau. Zum 1. November 1930[8] trat er der SA bei und stieg in dieser NS-Organisation bis zum 20. April 1935 zum SA-Oberführer (Oberst) auf.

Udo von Alvensleben wirkte ab Mai 1933 kommissarisch und ab November 1933 offiziell als Landrat im Kreis Lübben. Nach dem NS-Propagandisten Rühle war Alvensleben neben Wilhelm von Goßler, Rudolf von Erffa, Adolf von Nassau, Günther von Rheinbaben-LK Osthavelland, Albrecht Ernst von Thaer, Friedrich von Uslar-Gleichen, Graf Wilhelm von Wedel, Hans Christoph von Werder, Jochen-Hilmar von Wuthenau[9] einer von zehn adeligen NS-Landräten in der Provinz Brandenburg in der Frühphase 1933/1934. Von Juni 1935 vertretungsweise, ab November 1936 offiziell, wurde er Landrat im Kreis Schlochau in der Provinz Pommern und anschließend von April 1940 bis September 1942 im Kreis Minden der Provinz Westfalen. Nach mehreren Monaten im Wartestand wurde er im Mai 1943 bei der Preußischen Bau- und Finanzdirektion in Berlin tätig und war später bei der Regierung in Lüneburg bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand Anfang Dezember 1944 beschäftigt.

Alvensleben war Mitglied der Landesabteilung Ostpommern der 1874 gegründeten Deutschen Adelsgenossenschaft, mit damaligen Hauptwohnsitz in Schlochau, Grenzmark.[10]

Familie

Udo von Alvensleben-Falkenberg heiratete 1924 in Dorow (Pommern) Gunild von Oertzen (1904–1997), sie war Mitinhaberin des dortigen Gutes und die Tochter der Elisabeth von Thadden und des Juristen Karl von Oertzen. Udo und Gunhild von Alvensleben hatten sieben Kinder (Tochter Fredeke, den späteren General Busso, den Physiker Alvo, den Juristen Burghard, Tochter Giselhild, verheiratet mit Karl Wilhelm von Hülsen, den Beamten Wichard und den Sohn Reimar). Reimar von Alvensleben lebte mit seiner Familie zuletzt wieder in der alten Heimat.

Literatur

  • Joachim Lilla: Leitende Verwaltungsbeamte und Funktionsträger in Westfalen und Lippe (1918–1945/46). Biographisches Handbuch. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, 22, A, 16, (= Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe, 16). Aschendorff, Münster 2004, ISBN 3-402-06799-4, S. 207 f.
  • Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser, A (Uradel) 1983. Band XVII, Band 81 der Gesamtreihe GHdA. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1983, (mit Porträt in Uniform). ISSN 0435-2408, S. 520 ff.
  • Hellmut Kretzschmar: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlechte von Alvensleben seit 1800. Ergänzungsband zu Geschichtliche Nachrichten. Hrsg.: Familienverband von Alvensleben. Druck August Hopfer, Burg bei Magdeburg, 1930, DNB 99928939X, S. 199 f.
  • Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. 1705–1913. Hrsg. Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H., Band I. Zöglingsnummer=Udo von Alvensleben-Zögling-RA-No.: 1772. Selbstverlag, Druck P. Riemann Ludwigslust / Belzig / Brandenburg a. H. 1913, S. 398. Digitalisat

Einzelnachweise

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