Ulrich Kühn (Konsul)

Kaufmann in St Petersburg und preussischer Konsul From Wikipedia, the free encyclopedia

Ulrich Kühn (* 25. Juli 1690 in Rheineck im Kanton St. Gallen in der Ostschweiz; † 8. September 1757 in Berlin) war preußischer Konsul in St. Petersburg, Kommerzienrat, Kaufmann und Mitinhaber des Handelsunternehmens Pelloutier, Krusemark & Co in St. Petersburg.

Ölbildnis Konsul Ulrich Kühn

Leben und Wirken

Abstammung und Ausbildung

Getauft wurde Ulrich Kuhn am 25. Juli 1690[1][2] in Rheineck, St. Gallen Schweiz.

Seine Eltern waren Magdalena Kuhn und Joh Kuhn[1][3]. Das Geburtsdatum ist nicht angegeben. Im ersten Einwohnerregister von 1634 wurde die Familie Kuhn als eines der ältesten Rheinecker Bürgergeschlechter genannt[4]. Weitere Informationen zur Abstammung sind zu finden bei Neil Jeffares[5]. Auch die später genannten Familienangehörigen sind der Aufstellung von Neil Jeffares entnommen, soweit nicht zusätzliche Quellen angegeben werden.

Der Vater des Ulrich Kuhn war Johannes Kuhn, Stadtfähnrich (1658 bis 1719)[6], der, wie schon der Grossvater Hans Kuhn[7] (1635 bis 1676) den Beinamen „abm Hof“ (auf dem Hof) führte[8].

Alle fünf Töchter des Johannes Kuhn, zwei aus der ersten Ehe mit Magdalena Kuhn und drei aus der zweiten Ehe mit Barbara Gruber von Gais (1669 bis 1751) heirateten respektable Persönlichkeiten[1].

Dazu gehören nach Heinrich L. Custer Custer folgende Schwestern:

  • Anna Kuhn (1681 bis 1733), die Laurenz Heer, Stadtammann von Rheineck (1684 bis 1760) heiratete. Laurenz Heer errichtete nach dem Stadtbrand von 1746 das Haus Baron von Franz. Das Haus markiert am nordwestlichen Anfang der Hauptstrasse den Beginn der Altstadt.[9]
  • Magdalena Kuhn (1696 bis 1768) heiratete auch aus der bekannten Familie Heer den Johann (Giovanni I) Heer (1680 bis 1752), den Erbauer des Löwenhofes[10]. Der prunkvolle Löwenhof gilt als grossartigstes Herrschaftsgebäude des 18. Jahrhunderts im Kanton St. Gallen. Er wurde von dem wohlhabenden Kaufmann Giovanni Heer, dem das Gebäude mit seinem grosszügigen Umschwung als Sommerresidenz diente, erbaut. Heer hatte in Verona eine Firma gegründet, die mit dem Handel von Seiden- und Wollstoffen äusserst erfolgreich war[11].
  • Anna Catharina Kuhn (1705 bis 1764) den Johann de Conrad Heer (1703 bis 1781), Quartierhauptmann.

Alle fünf Töchter des Johannes Kuhn, zwei aus der ersten Ehe mit Magdalena Kuhn und drei aus der zweiten Ehe mit Barbara Gruber von Gais (1669 bis 1751) heirateten respektable Persönlichkeiten[1].

Dazu gehören nach Heinrich L. Custer Custer folgende Schwestern:

  • Anna Kuhn (1681 bis 1733), die Laurenz Heer, Stadtammann von Rheineck (1684 bis 1760) heiratete. Laurenz Heer errichtete nach dem Stadtbrand von 1746 das Haus Baron von Franz. Das Haus markiert am nordwestlichen Anfang der Hauptstrasse den Beginn der Altstadt.[12]
  • Magdalena Kuhn (1696 bis 1768) heiratete auch aus der bekannten Familie Heer den Johann (Giovanni I) Heer (1680 bis 1752), den Erbauer des Löwenhofes[13]. Der prunkvolle Löwenhof gilt als grossartigstes Herrschaftsgebäude des 18. Jahrhunderts im Kanton St. Gallen. Er wurde von dem wohlhabenden Kaufmann Giovanni Heer, dem das Gebäude mit seinem grosszügigen Umschwung als Sommerresidenz diente, erbaut. Heer hatte in Verona eine Firma gegründet, die mit dem Handel von Seiden- und Wollstoffen äusserst erfolgreich war[14].
  • Anna Catharina Kuhn (1705 bis 1764) den Johann de Conrad Heer (1703 bis 1781), Quartierhauptmann.

Folgende Söhne des Johannes Kuhn (1658 bis 1719) sind nach Heinrich L. Custer besonders erwähnenswert:

  • Johannes (1685 bis 1708) starb in jungen Jahren in Lyon. Custer nimmt in seinem Zeitungsbericht über Ulrich Kuhn an, dass er im Auftrag der Firma Heer dort weilte.
  • Conrad Kuhn (1699 bis 1768) spielte im Hause Heer ebenfalls eine bedeutende Rolle. Er führte in Rheineck die Geschäfte der Firma, während sein Schwager (Giovanni Heer) und Chef meist im Filialgeschäft in Verona weilte. Conrad Kuhn soll auch den Bau des Löwenhofes in den Jahren 1742 bis 1746 beaufsichtigt haben. Conrad Kuhn war nicht verheiratet.
  • Ulrich Kuhn (1690 bis 1757) heiratete am 14. Juni 1711 in Rheineck Magdalena Kuhn (1689-1717)[15], die Tochter von Balthass Kuhn[16] und Elena Regina Zoll[17]. Aus dieser Ehe entstammt Sabina Kuhn, die im September 1711, also nur 2 Monate nach der Eheschliessung in Rheineck getauft wurde.[18] Die Mutter starb 1717[19]. Weitere Angaben zur Tochter sind nicht bekannt. Diese Ehe wird von Heinrich L. Custer nicht erwähnt. Sie ist auch nicht in dem Datenblatt von Heinrich August Custer[2] enthalten

Heinrich L.Custer erwähnt nicht den am 8. Dezember 1679 in Rheineck unter dem Namen Geörg Kun getauften Sohn der Eheleute Johannes Kuhn mit Magdalena Kuhn, Johann Georg Kuhn. In einer Bescheinigung desr Stadt Rheineck, die sich im Geheimen Staatsarchiv in Berlin befindet[20], wird bestätigt, dass der 8. Dezember 1679 in Rheineck geborene Johann Georg Kuhn der Bruder von Ulrich Kuhn gewesen sei. Er habe sich im Mannesalter nach Paris begeben, und seinen Namen geschrieben Joh. George Cuen, auch dort in im Jahre 1738 gestorben sei. Aus einer weiteren Urkunde, an der die Geschwister beteiligt gewesen sind, ergibt sich, dass er beim Tod unverheiratet gewesen sei

Über Ulrich Kühns Ausbildung und die Zeit bis zur Tätigkeit in der damaligen Hauptstadt St. Petersburg des Zarenreiches ist bislang nichts bekannt.

Ob er im Auftrag der Firma Heer ins Ausland zog, oder ob er dies frei und ohne eine solche Verpflichtung tat, weiss Heinrich L. Custer leider nichts. Im Jahre 1732 gelangte schliesslich aus St. Petersburg (Leningrad) ein Lebenszeichen von ihm nach Rheineck und zwar in Form einer Spende von 100 Gulden zugunsten der «freiten Schul»[2].

Berufliche Tätigkeit

Kaufmännische Tätigkeit

Kühn war seit 1730 Mitinhaber des Pelloutier, Krusemark & Cie und wirkte 1738 als Kurator der großen Konkursmasse des Holzkaufmanns Simon Brumberg.[21][22] Gesellschafter des Handelshauses waren der Kaufmann Jean Barthélemy Pelloutier (ca. 1694–vor 1736), der Sohn des Kaufmanns Jean Pelloutier und Bruder des Simon Pelloutier (1694–1757), Historiker, Theologe und Altertumsforscher. Er war seit 1722[8] verheiratet mit Charlotte Jassoy[23] (1700–1773), der Tochter des Juweliers Piérre Jassoy (1658–1714) und seiner Ehefrau Catherine Jassoy geb. Sechehaye aus Metz, die, wie die Familie Pelloutier, als Hugenotten nach Deutschland ausgewandert waren. Die Schwester von Charlotte Jassoy war Rachel Jassoy, die Ehefrau des Berliner Kaufmanns Jean George Hainchelin (1689–1751). Nachdem Jean Barthélemy Pelloutier verstorben war, heiratete Ulrich Kühn dessen Witwe Charlotte Jassoy in St. Petersburg im Jahre 1736. Über die aus Metz stammende Familie Jassoy sind wir gut informiert durch das Buch von August Jassoy.[24]

Über den Firmenmitinhaber Krusemark ist nichts Näheres bekannt. Amberger erwähnt aber, dass Kühn 1730 Mitglied einer holländischen Handelsgruppe wurde und er 1742 das Amt des preußischen Kommerzienrates übernahm[25]. Jean Pelloutier wird als herausragende Persönlichkeit geschildert, der im Namen der Berliner Kaufmannsgesellschaft handelte, die in der Zeit zwischen den 1720er Jahren und 1730 in scharfem Wettbewerb mit den britischen Händlern das Exklusivrecht für die Lieferung von Stoffen für die russische Armee besaß[26].

Diplomatische Tätigkeit

Der preußische König Friedrich Wilhelm I., der von 1713 bis 1740 regierte, gründete im Jahre 1724 die „Russische Compagnie“ in Berlin. Die junge Textilindustrie des Russischen Kaiserreiches konnte den großen Bedarf an Uniformtuch nicht allein decken. Preußen konnte zunächst für seine Handelsgesellschaft einen günstigen Liefervertrag abschließen und errichtete in St. Petersburg ein Kontor. Als aber unter der Regierung der Zarin Anna (1730–1740) im Jahr 1734 ein russisch-englischer Handelsvertrag abgeschlossen wurde, konnte Preußen gegen das nun zu Dumpingpreisen nach Russland eingeführte Tuch nicht lange bestehen. 1738 ist die „Russische Compagnie“ liquidiert worden. Dennoch haben sich die politischen Beziehungen zu Russland unter den kommenden Herrschern nicht verschlechtert. 1742 gelang es dem jungen König Friedrich der Große (1740–1786) gar, die Anerkennung preußischer Agenten und Kommerzienräte für St. Petersburg und Moskau zu erreichen. Erste Amtsinhaber waren ortsansässige Kaufleute, in Moskau Hermann Adolf Boltenhagen und in St. Petersburg der Schweizer Ulrich Kühn[27]. Das Empfehlungsschreiben des preußischen Gesandten Axel von Mardefeld in Moskau vom 24. Februar 1742, (GStA PK, I. HA Rep. 9 Allgemeine) an den preußischen König ist erhalten. „Es gibt hier einen Kaufmann namens Ulrich Kühn, gebürtig aus der Schweiz, ein Mann von Geist, sehr versiert in seinem Handwerk, sehr ehrenhaft und reich an fast achtzigtausend Écus, der sich in Berlin niederlassen möchte, um das Glück zu haben, zu den Untertanen Eurer Majestät zu gehören, wenn sie ihm dies gestatten und ihm die Gnaden gewähren will, die er untertänigst erbittet. 1. Ihn zum Handelsrat und Konsul in Petersburg ohne Bezüge, ja sogar ohne Amt zu machen, nur in der Absicht, mit umso größerer Leichtigkeit zu erreichen, von seinen Schuldnern bezahlt zu werden“ (Übersetzt aus dem Französischen mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version))[28]. Aus der Korrespondenz von Kühn an das Departement der Auswärtigen Affairen liegt weiterhin ein Brief vom 6. Juni 1744 und eine Erwähnung in einem Schreiben des Königs an den preußischen Gesandten Axel Freiherr von Mardefeld vom 10. Dezember 1744 vor[29].

Familie

Im vorigen Kapitel ist schon erwähnt worden, dass Kühn die verwitwete Charlotte Jassoy geheiratet hat. Aus dieser Ehe sind folgende Töchter hervorgegangen[30]:

  • Hedwig Charlotte Kühn (1739 in St. Petersburg – 1817 in Berlin). Sie heiratete am 26. Oktober 1761 in Berlin ihren Vetter Pierre Jérémie Hainchelin, den Sohn ihrer Tante Rachel Hainchelin geb. Jassoy. Dieser war bis zum Tod des Prinzen von Preußen August Wilhelm von Preußen (1722–1758) dessen Sekretär. Der Prinz war als Bruder für den kinderlosen König Friedrich der Große als Thronfolger bestimmt. Zwischen den Brüdern kam es aber zu politischen und menschlichen Auseinandersetzungen, die dazu führten, dass der Prinz erkrankte und früh starb. Der König bedauerte den Tod des Prinzen und erwähnte Hainchelin in seinen Gesprächen mit seinem Vorleser Henri de Catt, in denen er sagte, wenn sein Bruder in Oranienburg nur seinen Adjutanten Hagen, seinen Sekretär Hainchelin und ein paar ebenso ehrliche Leute um sich gehabt wie diese, so wäre sein Leben ruhiger und seine Gesinnung nicht so feindlich gegen ihn gewesen[31]. Nachdem Hainchelin einige Zeit zum Verwalter des Nachlasses des Prinzen bestimmt war, machte er eine Karriere in der preußischen Finanzverwaltung und war zum Schluss mit dem Titel „Geheimer Kriegsrat“ im IV. Departement des General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainen-Directoriums tätig, das zuständig war für Westpreußen.
  • Anne Ulrique Kühn heiratete am 10. November 1762 in Berlin den vorbezeichneten Henri Alexandre de Catt (1725–1795). Er war ein schweizerischer Gelehrter und seit 1758 Privatsekretär und enger Vertrauter von Friedrich dem Großen. Das Vertrauen zwischen dem Bräutigam Catt und dem König war so groß, dass er Catt fragte, ob er vor der beabsichtigten Hochzeit schon Verse für seine Braut geschrieben habe. Als dieser verneinte, forderte er ihn dazu auf und korrigierte sie. So schrieb der König „Verse im Namen eines Schweizers, an ein gewisses Fräulein Ulrike, in das er verliebt war“, die später veröffentlicht wurden[32][33][34].
  • Anne Magdelaine Kühn heiratete am 14. August 1765 den Kommerzienrat Simon Andre Schmits aus Aachen, der 1800 in Berlin starb, während seine Frau nur bis 1792 gelebt hat[35].

Zur Familie Hainchelin und ihren verwandtschaftlichen Verhältnissen zu den Familien Pelloutier und Béguelin wird auch verwiesen auf das Buch von Annette Winkelmann[36].

Einzelnachweise und Anmerkungen

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