Ulrike Jureit
deutsche Neuzeithistorikerin
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Ulrike Jureit (* 1964 in Kiel) ist eine deutsche Neuzeithistorikerin. Sie ist bekannt geworden als Verantwortliche der Zweiten Wehrmachtsausstellung.
Wissenschaftliche Laufbahn
Ulrike Jureit studierte von 1983 bis 1989 Geschichte, Theologie und Sozialpädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.[1] Von 1991 bis 1995 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, anschließend Promotionsstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Im Jahr 1998 wurde sie an der Universität Hamburg summa cum laude promoviert mit der Dissertation Erinnerungsmuster. Zur Methodik lebensgeschichtlicher Interviews mit Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager. Danach war Jureit zunächst als Postdoktorandin an der Universität Bielefeld tätig und arbeitete dann an einem Forschungsprojekt über deutsche Auswanderer nach Südafrika (19./20. Jahrhundert) im Rahmen des Hochschulsonderprogramms der Universität Hamburg. Seit 2000 ist sie Historikerin in der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und seit 2015 zugleich assoziiert am Hamburger Institut für Sozialforschung.
Jureit war Leiterin der sogenannten Zweiten Wehrmachtsausstellung, in der Verbrechen der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges thematisiert wurden. Die Ausstellung wurde in den Jahren 2001 bis 2004 präsentiert. Sie unterschied sich in ihrer Argumentation und Präsentation von der ersten Version, die in der deutschen Öffentlichkeit äußerst kontrovers diskutiert worden war.[2] Jureit forscht und publiziert seither zur Sozial- und Kulturgeschichte des 19./20. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten: Theorie und Geschichte geopolitischen Denkens, Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, Erfahrungs- und Erinnerungsbegriff bei Reinhart Koselleck, Generationentheorie, Raum als wissenschaftlicher Grundbegriff der Moderne sowie Erinnerungs-, Geschichts- und Gedenkpolitik im Wandel.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Monografien
- Zeithistorische Perspektiven auf den Umgang der Deutschen mit dem Nationalsozialismus seit 1945. In: Christina Morina (Hrsg.): Die Zukunft des NS-Gedenkens: Geschichte als gesellschaftliche Selbstverständigung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2025, ISBN 978-3-525-30348-1.
- Erinnern als Überschritt. Reinhart Kosellecks geschichtspolitische Interventionen. Wallstein, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8353-5435-7.
- Magie des Authentischen. Das Nachleben von Krieg und Gewalt im Reenactment. Wallstein, Göttingen 2020, ISBN 978-3-8353-3795-4.
- Das Ordnen von Räumen. Territorium und Lebensraum im 19. und 20. Jahrhundert. Hamburger Edition, Hamburg 2012.[3]
- mit Christian Schneider: Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung. Klett-Cotta, Stuttgart 2010 (Lizenzausgabe: Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2011).
- Generationenforschung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006.
- Erinnerungsmuster. Zur Methodik lebensgeschichtlicher Interviews mit Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager. Ergebnisse Verlag, Hamburg 1999.
- Erziehen, Strafen, Vernichten. Jugendkriminalität und Jugendstrafrecht im Nationalsozialismus. Waxmann, Münster/New York 1995.
Herausgeberschaften
- mit Patricia Chiantera-Stutte: Geo-political spaces. Interdisciplinary perspectives on Carl Schmitt. Routledge, New York (u. a.) 2026.
- mit Patricia Chiantera-Stutte: Geographica Helvetica 78 (2023): Resonanz und Rezeption. Werk und Wirkung Friedrich Ratzels im internationalen Vergleich. Copernikus, Göttingen 2023.
- mit Patricia Chiantera-Stutte: Denken im Raum. Friedrich Ratzel als Schlüsselfigur geopolitischer Theoriebildung. Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-8487-8045-7.
- Umkämpfte Räume. Raumbilder, Ordnungswille und Gewaltmobilisierung. Wallstein, Göttingen 2016.
- mit Nikola Tietze: Postsouveräne Territorialität. Die Europäische Union und ihr Raum. Hamburger Edition, Hamburg 2015, ISBN 978-3-86854-287-5.
- mit Margrit Frölich und Christian Schneider: Das Unbehagen an der Erinnerung – Wandlungsprozesse im Gedenken an den Holocaust. Frankfurt am Main 2012.
- mit Michael Wildt: Generationen. Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs. Hamburger Edition, Hamburg 2005 (Korean. Übers. [transkr.] u.d.T.: Sedae'ran muosin'ga? K'arul manhaim ihu sedaedamnonui chujedul. Paju Book City: Hanul Publ., 2014).
- mit Christian Hartmann, Johannes Hürter: Verbrechen der Wehrmacht. Bilanz einer Debatte. Beck, München 2005 (2. Aufl., 2015).
- mit dem Hamburger Institut für Sozialforschung: Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941–1944. Ausstellungskatalog, Konzeption: Jan Philipp Reemtsma, Ulrike Jureit; Gesamtredaktion: Ulrike Jureit. Hamburg 2002.
- Politische Kollektive. Die Konstruktion nationaler, rassischer und ethnischer Gemeinschaften. Westfälisches Dampfboot, Münster 2001.
Weblinks
- Literatur von und über Ulrike Jureit im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Bereich zu Ulrike Jureit auf der Internetpräsenz des Hamburger Instituts für Sozialforschung
- Gespräch mit Jureit auf Deutschlandradio Kultur über ihre Untersuchungen zu Erinnerungen an den Holocaust, veröffentlicht am 29. Juli 2010
- Interview mit Jureit auf der Website des Projekts „Zwangsarbeit 1939–1945“ vom 6. August 2009
- Ulrike Jureit auf Academia.edu
- Bücher von Jureit beim Perlentaucher