Umlaufbahnen

Roman von Samantha Harvey From Wikipedia, the free encyclopedia

Umlaufbahnen (britischer Originaltitel: Orbital) ist ein 2023 in der Originalfassung bei Jonathan Cape und 2024 in der deutschen Übersetzung im dtv-Verlag erschienener Roman der britischen Schriftstellerin Samantha Harvey.

Handlung

Umlaufbahnen von Samantha Harvey spielt auf einer Raumstation, die in etwa 400 Kilometern Höhe sechzehnmal am Tag die Erde umrundet. Die Raumstation ist nicht benannt, scheint aber der ISS nachempfunden.[1] Auf engstem Raum leben und arbeiten sechs Astronauten aus verschiedenen Ländern miteinander – zwei Frauen und vier Männer. Während ihr Alltag von Experimenten, Systemwartungen, physischen Trainings, Mahlzeiten und Schlaf durchgetaktet ist, ist ihr eigentliches Leben losgelöst von menschlichen Maßstäben von Zeit und Schwerkraft. Der Roman umfasst nur einen einzigen Tag an Bord, gegliedert in sechzehn Kapitel, von denen jedes eine vollständige Umrundung der Erde widerspiegelt. Während die Astronauten aus den Fenstern der Station auf die Erde blicken – auf Wetterformationen, leuchtende Städte, dunkle Meere, Stürme und Krisenregionen – reflektieren sie ihr eigenes Leben und sinnieren so über zentrale Fragen von Tod, Verlust, Umweltzerstörung, Krieg und Frieden sowie Freundschaft. Der Roman thematisiert den inneren Monolog der Protagonisten mit diesen Themen.

Figuren

  • Nell – eine Astronautin aus Großbritannien; ihr Mann lebt auf der Erde als Schafhirte in Irland.
  • Chie – eine japanische Astronautin; während ihrer Mission stirbt ihre Mutter auf der Erde.
  • Anton – ein russischer Kosmonaut, der seine Familie sehr vermisst.
  • Roman – ebenfalls ein russischer Kosmonaut; er steht häufig in Funkkontakt mit der Erde.
  • Pietro – ein italienischer Astronaut, der über das Schicksal eines Fischers auf den Philippinen nachdenkt, während ein Taifun dort wütet.
  • Shaun – ein amerikanischer Astronaut, der ein Interview über die Zukunft der Menschheit gibt.

Auszeichnungen

Rezeption

Mit Umlaufbahnen gewann Harvey 2024 den Booker Prize.[2] Der Roman sei „hoffnungsvoll, aktuell und zeitlos“, so das Juryurteil.[4] Die deutsche Kritik lobte den Roman ebenfalls. Er sei "himmlisch", befand Adam Soboczynski für Die Zeit,[5] „brillant“, urteilte Peter Helling für den Norddeutschen Rundfunk, lobte die „unpathetische“ Sprache und die Handlung, die gleichzeitig „von Stille und einer dröhnenden Kraft durchzogen“ sei.[1] Der Roman lasse „die schönsten Tränen fließen“, bemerkte Autorin Ruth-Maria Thomas.[6] Auch wenn die Figuren ihres Romanes nur im Hintergrund ständen, wie Antonia Kammerer für den SWR bemerkt,[7] sei das Buch ein Werk, das gewichtige Themen wie den Klimawandel niedrigschwellig thematisiere und so politisch gelesen werden kann, ohne dafür politisch daherkommen zu müssen, wie Beate Meierfrankenfeld für den BR schreibt.[8]

Ausgaben

Einzelnachweise

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