Una Marson

jamaikanische Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Una Maud Victoria Marson (* 6. Februar 1905 in Santa Cruz; † 6. Mai 1965 in Kingston) war eine jamaikanische Dichterin, Dramatikerin und Journalistin, deren Werk die anglophone Karibik nachhaltig prägten.[1] Sie gilt zugleich als die erste schwarze Hörfunkproduzentin der BBC und als erste schwarze Frau, die beim BBC-Hörfunk tätig war.[2][3] Als Produzentin entwickelte sie das Kriegszeit-Format Calling the West Indies zum Literaturmagazin Caribbean Voices, das zu einer zentralen Plattform für karibische Autoren wurde.[4][3]

Una Marson

Leben

Marson kam 1905 als jüngstes von sechs Kindern des Baptistenpredigers Solomon Isaac Marson (1858–1915) und dessen Ehefrau Ada Marson († 1930) im Sharon Mission House bei Santa Cruz zur Welt. Ihr Vater war als Prediger im Sharon Mission House tätig, nach seinem Tod musste die Familie nach Kingston umziehen. Von 1915 bis 1922 besuchte Marson die Hampton High School, eine Internatsschule nach britischem Vorbild in Malvern im Saint Elizabeth Parish. Dort erlangte sie 1921 das Lower Certificate (Letters) des Oxford and Cambridge Board und einige kaufmännische Kenntnisse. Nach der Schule arbeitete sie zunächst ein Jahr lang als Sekretärin für die Heilsarmee in Kingston und dann für die Young Men’s Christian Association (YMCA).[5]

1926 wurde Marson stellvertretende Herausgeberin der Monatszeitschrift Jamaica Critic, womit ihre Laufbahn als Autorin begann.[5] Spätestens ab dem 1. Oktober 1928 ist ihre Monatszeitschrift The Cosmopolitan belegt, deren Ausgaben sie als Herausgeberin verantwortete.[6] Marson war damit die erste Jamaikanerin, die ihre eigene Zeitschrift herausgab.[5] Das Magazin erschien bis 1931 und behandelte Frauen- und Sozialfragen sowie Literaturbeiträge, womit Marson redaktionelles Neuland in Jamaika betrat.[1]

Im Jahr 1932 zog Marson nach London, arbeitete im Umfeld der League of Coloured Peoples, trat öffentlich auf und setzte sich gegen rassistische Diskriminierung ein.[3] 1936 begleitete sie als persönliche Sekretärin den exilierten äthiopischen Kaiser Haile Selassie zur Sitzung des Völkerbundes in Genf. 1936 kehrte sie nach Kingston zurück, wo sie den Readers and Writers Club und den Kingston Dramatic Club gründete. 1941 wurde sie als Programmassistentin beim BBC Empire Service eingestellt. 1960 heiratete sie einen Zahnarzt, trennte sich jedoch im Folgejahr wieder von ihm.[5] Nach Jahren des Pendelns zwischen Jamaika und dem Vereinigten Königreich kehrte sie nach Jamaika zurück, wo sie 1965 in Kingston an einem Herzinfarkt[5] verstarb.[1] Sie wurde auf dem Friedhof bei der St Andrew’s Church in Kingston beerdigt.[5]

Wirken

Marsons frühe literarische Produktion umfasste Lyrik und Drama; ihr Stück At What a Price entstand 1931/1932 und wurde 1932 in Kingston aufgeführt.[7] In London brachte die League of Coloured Peoples das Stück 1933 mit einem vollständig schwarzen Ensemble auf die Bühne.[8] Von 1941 bis 1946 war Marson beim BBC Empire Service angestellt und verantwortete Programme für das westindische Publikum, zunächst Calling the West Indies.[3] Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Format bis 1943 zu Caribbean Voices, einer wöchentlichen einstündigen Sendung, die Gedichte, Kurzgeschichten und Hörspiele karibischer Autoren ausstrahlte und ihnen ein internationales Forum gab.[4] Forschung und Zeitzeugnisse beschreiben Marson als treibende Kraft hinter der Entstehung des West Indian Service und als Vorreiterin schwarzer Medienarbeit im Vereinigten Königreich.[9][3] In den 2020er-Jahren erfuhr ihr Werk besondere öffentliche Würdigung, unter anderem am 10. Oktober 2021 durch ein Google Doodle und am 2. Februar 2024 durch die Eröffnung der Una-Marson-Library im Londoner Borough Southwark.[10][2]

Commons: Una Marson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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