Ungeskriptet

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Ungeskriptet (Eigenschreibweise {ungeskriptet}, oft auch als Ben ungeskriptet bezeichnet) ist ein deutschsprachiger Interviewpodcast des Kölner Unternehmers und Podcasters Benjamin Berndt (Kurzname Ben Berndt). Das Format besteht aus mehrstündigen, weitgehend ungeschnittenen Gesprächen mit Gästen aus Politik, Medien, Wirtschaft, Kultur und gesellschaftlichen Rand- oder Konfliktmilieus und erscheint als Audio- und Videopodcast unter anderem über YouTube und Spotify. Bundesweite Aufmerksamkeit und Kritik erreichte der Podcast im Frühjahr 2026 durch ein mehrstündiges Gespräch mit dem rechtsextremen AfD-Politiker Björn Höcke.

OriginalspracheDeutsch
Veröffentlichung8. Mai 2022
GenreInterviewpodcast
Folgen300+
Schnelle Fakten Originalsprache, Veröffentlichung ...
{ungeskriptet}
Podcast (Köln)
Originalsprache Deutsch
Veröffentlichung 8. Mai 2022
Genre Interviewpodcast
Folgen 300+
Mitwirkende
Moderation Benjamin Berndt
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Konzept und Produktion

Produziert wird Ungeskriptet von der ungeskriptet media GmbH mit Sitz in Köln, deren Geschäftsführer Berndt ist.[1]

Ben Berndt (* 23. August 1984 in Berlin)[2][3] absolvierte ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre[4] bei Lufthansa in Stuttgart und erwarb anschließend einen Master of Business Administration an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.[5][6]

Berndt hatte zuvor mehrere Unternehmen gegründet, darunter ein Startup für Rohstoffpreis-Risikomanagement, für das er einen Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft erhielt, sowie das auf Babytragen spezialisierte Unternehmen Rookie.[7] Vor seiner Tätigkeit als Podcaster war er nach eigenen Angaben auch als Kampfsportler aktiv.[8]

Die Folgen bestehen aus ausführlichen Einzelgesprächen Berndts mit seinen Gästen. Er beschreibt das Format als „roh, ungeschnitten und unzensiert“ und wirbt damit, Gespräche im Vorfeld nicht mit den Gästen abzustimmen und sie im Nachhinein nicht zu kürzen.[9] Berndt selbst versteht seinen Podcast ausdrücklich nicht als journalistisches Format.[10] Zu den bisherigen Gästen zählen unter anderem Arafat Abou-Chaker, Melanie Amann, Bianca Heinicke, Steffen Henssler, Björn Höcke, Maximilian Krah, Christian Lindner, Oliver Pocher, Paul Ronzheimer, Jan van Aken, Pierre Vogel und Sahra Wagenknecht.

Rezeption

Ab 2025 wurde der Podcast zunehmend in der überregionalen Presse diskutiert. Die taz ordnete das Format in einen Trend ein, in dem Politiker in langen Podcastgesprächen persönliche Narrative entwickeln und abseits klassischer Interviewformate nahbarer erscheinen können; kritisch verwies sie dabei auf ein Gespräch mit dem AfD-Politiker Maximilian Krah, in dem dieser seine Positionen weitgehend unwidersprochen darstellen konnte.[11] Die Zeit beschrieb Berndts Gesprächsstil als zurückhaltend: Er falle Gästen kaum ins Wort, stelle selten konfrontative Nachfragen und gebe ihnen stattdessen viel Raum zur Selbstdarstellung.[12]

Interview mit Björn Höcke und mediale Debatte

Im Mai 2026 veröffentlichte Berndt ein rund viereinhalbstündiges Interview mit dem rechtsextremen AfD-Politiker Björn Höcke, das ein breites mediales Echo auslöste.[13] Innerhalb der ersten vier Tage wurde die Folge rund drei Millionen Mal aufgerufen,[14] bis Ende Mai lag die Zahl der Aufrufe bei über sechs Millionen.[15]

Der Spiegel kritisierte, dass Höcke seine radikalen Ansichten ohne kritische Nachfragen Berndts habe verbreiten können.[16] Der Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel warf dem Spiegel in einem Gastbeitrag für Die Welt daraufhin journalistische Doppelstandards vor, da der Artikel Berndt nicht zu den zentralen Vorwürfen angehört und die Kritik an dessen Interviewführung nicht mit vergleichbaren Maßstäben an öffentlich-rechtliche Formate angelegt habe; Steinhöfel legte dabei offen, in Kürze selbst als Gast bei Ungeskriptet aufzutreten – ein Auftritt, der später auch stattfand und ihn in der Folge zum bevorzugten Rechtsbeistand Berndts machte.[17] Die Frankfurter Rundschau schrieb, Höcke habe sich stundenlang als „ganz normal“ präsentieren können, während Kritik an ihm weitgehend zweitrangig geblieben sei.[18] Der Erfolg des Interviews entfachte zudem eine grundsätzliche Debatte über den journalistischen Umgang mit AfD-Politikern; laut Kress äußerte Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo vor diesem Hintergrund öffentlich Zweifel an der Strategie, AfD-Politikern grundsätzlich keine längeren Interviews einzuräumen.[19]

Die Spiegel-Journalistin Melanie Amann, die zuvor selbst Gast bei Ungeskriptet gewesen war, griff die Debatte in der ersten Folge ihres neuen Podcast-Formats „Amann Unframed“ auf und konfrontierte Berndt darin mit der Kritik an seiner fehlenden Einordnung; das Gespräch erschien jeweils zur Hälfte auf beiden Podcast-Kanälen.[20]

Nachträgliche Kürzungen und Klage Petrys gegen Höcke

Rund vier Wochen nach Veröffentlichung entfernte Berndt zwei Passagen aus dem Interview mit Höcke, die im Kapitel „Machtkämpfe & der Flügel: Lucke, Petry & die Dresdner Rede“ ein gescheitertes AfD-Ausschlussverfahren gegen Höcke aus dem Jahr 2017 sowie Aussagen über die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry betrafen.[21] Berndt begründete die Kürzung damit, dass in den Passagen Aussagen getroffen worden seien, die „juristisch belangt“ werden könnten, nachdem sich Petry wegen aus ihrer Sicht falscher Tatsachenbehauptungen gemeldet hatte. Petry erhob in der Folge Klage gegen Höcke, da dieser eine von ihr ausgesprochene Abmahnung wegen der inzwischen gelöschten Aussage nicht akzeptiert habe.[22] Zudem interviewte Berndt Petry, damit diese ihre Sicht der Dinge darstellte.[23]

Aufforderung der Landesanstalt für Medien NRW

Im Juni 2026 forderte die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) Berndts Firma auf, eine weitere Passage des Höcke-Interviews zu überarbeiten, in der Höcke seine Verurteilung wegen mehrfacher Verwendung der SA-Parole „Alles für Deutschland“ dargestellt hatte, ohne dass Berndt dem widersprochen oder die Aussage nachträglich eingeordnet hatte.[24] Die Behörde begründete ihre Aufforderung mit dem Verdacht, journalistische Sorgfaltspflichten seien verletzt worden. Berndts Anwalt Joachim Steinhöfel wies die Forderung öffentlich zurück, noch bevor die von der LfM gesetzte Frist ablief. Steinhöfel bewertete die Kritik am Podcast als unverhältnismäßig und nicht faktenorientiert, berief sich auf die Pressefreiheit und warf der Landesanstalt Einschüchterungsversuche und Zensur vor.[25]

Einzelnachweise

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