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Unterdrückung des Katalanischen

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Unterdrückung des Katalanischen enthält eine Chronologie von Maßnahmen und gewalttätigen Aktionen, mit denen die katalanischen Sprache aktiv unterdrückt und zunehmend durch das Kastilische und das Französische ersetzt wurde, die ursprünglich im katalanischen Sprachgebiet fremd waren. Dies kann als Unterdrückung einer nationalen Minderheit angesehen werden.

Decretos de Nueva Planta, erlassen von Philipp V.
Offizielles Verbot der katalanischen Sprache im Roussillon am 2. April 1700

Die katalanische Sprache hatte sich im Mittelalter in einem Großteil der Krone von Aragonien (das gesamte Fürstentum Katalonien, Teile Aragons, den Großteil des Königreichs Valencia, Andorra, den Balearen, und der Stadt Alghero auf Sizilien) entwickelt und verbreitet. Die katalanische Sprache war nicht nur lebendig in allen Bevölkerungsschichten, sondern sie entfaltete außerdem über die Jahrhunderte eine außerordentliche literarische Tradition, mit Trobadordichtung, Philosophen wie Ramon Llull, Dichter wie Ausiàs March, religiöse Prosa wie Isabel de Villena und Romane wie Tirant lo Blanc von Joanot Martorell, und erreichte ihr Goldenes Zeitalter bereits vor dem kastilischen Siglo de Oro.

Die Situation änderte sich aber ab 1659 in Nordkatalonien und ab 1707 im Rest des katalanischsprachigen Gebiets, nachdem diese Unter der Herrschaft von Frankreich bzw. Kastilien fielen. Trotz der über Jahrhunderte anhaltenden Versuche, sie durch Französisch und Kastilisch zu ersetzen, ist die katalanische Sprache noch lebendig und hat aktuell ca. 10 Millionen Sprecher. Seit dem späten 19. Jahrhundert findet auch eine große Wiedergeburt ihrer Literatur statt. Heute ist sie in praktisch allen Bereichen des alltäglichen Lebens präsent.

Der fünfte Punkt der Decretos de Nueva Planta bezüglich des Fürstentums lautet: 5. Die Verfahren vor der Königlichen Audiencia sind in der kastilischen Sprache zu führen […], womit die Verwendung der katalanischen Sprache in der neuen Rechtspflege und Verwaltung Kataloniens untersagt wurde.

Abtretung von Nordkatalonien

Der zwischen den Königreichen Spanien und Frankreich 1659 geschlossene Pyrenäenfriede bedeutete die Abtretung von Nordkatalonien an Frankreich. Damit begann der Versuch Frankreichs, die katalanische Sprache durch das Französische zu ersetzen:

  • 1661: Ludwig XIV. gewährt dem Collège de Jésuites das unbefristete Recht, an der Universität Perpignan französische Grammatik zu unterrichten, wodurch der Adel, der Klerus und das Bürgertum mit der französischen Sprache vertraut gemacht werden.
  • 1662: Verordnung, dass der Grammatikunterricht an der Universität Perpignan auf Französisch erfolgen muss.[1]
  • 1672: Verordnung zur Förderung von Schulen mit französischer Unterrichtssprache.[2]
  • 1682: Verordnung, wonach die Bewohner des Roussillon die französische Sprache beherrschen müssen, um ein öffentliches Amt oder einen Ehrentitel zu erlangen, und die ihnen sechs Monate Zeit zum Erlernen dieser Sprache einräumt.[3]
  • 1683: Verbot für die Einwohner des Roussillon, im Fürstentum Katalonien zu studieren.
  • 1700: Erlass, in dem Ludwig XIV. schreibt, dass «die Verwendung des Katalanischen abstoßend sei und der Ehre der französischen Nation zuwiderlaufe», und verfügt, dass alle Gerichtsverfahren, die Beratungen der städtischen Richter, notarielle Urkunden und alle Arten von öffentlichen Urkunden auf Französisch abgefasst sein müssen, andernfalls sind sie nichtig.[4][5]

Nach dem Erbfolgekrieg

Im Spanischen Erbfolgekrieg hatte sich Kastilien auf die Seite von Philipp von Anjou gestellt, während die Krone von Aragonien für den Habsburgischen Thronanwärter, den Erzherzog Karl, kämpfte. Nachdem aber Philipp von Anjou (Philipp V.) in den aragonesischen Territorien gewann (1707 València, 1714 Barcelona, 1715 Mallorca), fing er sofort an, die dortige Bevölkerung mit der Abschaffung ihrer Fueros und Gepflogenheiten zu bestrafen und die kastilische Sprache einzuführen. Er war Enkel von Ludwig XIV. von Frankreich und strebte genauso einen zentralistischen Staat. (Die Krone von Aragonien war bis dahin ein Bundesstaat gewesen.)

  • 1707–1719: Philipp V. erlässt Decretos de Nueva Planta für das Königreich València (1707), Mallorca (1715), Katalonien (1) (1716) und Sardinien (1719). Der offizielle Gebrauch des Katalanischen wird verboten.
  • 1707: Die Kastilianisierung oder Abschaffung von Ortsnamen im Land Valencia beginnt. Am 27. November erlässt Philipps V. ein Dekret, wonach an der Stelle, an der Xàtiva lag – die von seinen Truppen verbrannt worden war – eine neue Siedlung namens „Ciudad de San Felipe“ (auf Spanisch) errichtet werden soll.[6]
  • 1712: 20. Februar. Es werden geheime Anweisungen an die Statthalter des katalanischen Gebiets erteilt: „Sie sollen mit größter Sorgfalt die Einführung der spanischen Sprache vorantreiben und zu diesem Zweck die maßvollsten und unauffälligsten Maßnahmen ergreifen, damit das Ziel erreicht wird, ohne dass diese Bemühungen auffallen.“[7]
  • 1714: Philipp V. schreibt vor, dass „alle Anstrengungen unternommen werden sollten, um die spanische Sprache in jenen Städten einzuführen, in denen sie nicht gesprochen wird“.
  • 1715: Die Verordnung des Rates von Kastilien besagt, dass es im Unterricht keine Bücher auf Katalanisch geben darf, dass diese Sprache dort weder gesprochen noch geschrieben werden darf und dass die christliche Lehre auf Kastilisch gelehrt und gelernt werden soll. Sie fügt hinzu, dass „keine schwachen und weniger wirksamen Mittel gewählt werden sollten, sondern vielmehr die robustesten und sichersten, um aus dem Gedächtnis der Katalanen alles zu tilgen, was ihren abgeschafften Verfassungen, Gebräuchen, Fueros und Sitten entsprechen könnte“.[8]
  • 1716: Anordnung, wonach in Perpignan nur auf Französisch gepredigt werden darf.
  • 1717: Geheime Anweisungen an die Corregidores in Katalonien, um das Kastilische möglichst wirksam, unauffällig und flächendeckend einzuführen.[9]
  • 1755: Artikel 10 der Visitation des Provinzials der Piaristen schreibt vor, dass alle Ordensbrüder sowohl untereinander als auch gegenüber der übrigen Bevölkerung ausschließlich Spanisch und Latein sprechen dürfen. Die Strafe für das Sprechen von Katalanisch ist eine Fastenkur.
  • 1768: Königliche Verfügung, wonach der Unterricht in Katalanisch an den Schulen für Grundbildung, Latein und Rhetorik verboten wird; Katalanisch wird aus allen Gerichten verbannt, und den Diözesangerichten wird ebenfalls empfohlen, dies ebenfalls zu tun.[10]
  • 1772: Königliche Verfügung, wonach alle Groß- und Kleinhändler ihre Buchhaltung auf Kastilisch führen müssen.[11]
  • 1773: Verbot für die Universität Cervera, Bücher auf Katalanisch zu veröffentlichen – mitgeteilt vom Rat von Kastilien in einem Schreiben vom 20. März.
  • 1776: Der Bischof von Mallorca erzwingt die Verwendung des Kastilischen in den Pfarreien und im Katechismusunterricht.[12]
  • 1780: José Moñino y Redondo, Graf von Floridablanca, erlässt eine königliche Bestimmung, die alle Schulen dazu verpflichtet, die Grammatik der Real Academia Española zu unterrichten.[13]
  • 1794: Der französische Nationalkonvent dekretiert den allgemeinen Unterricht des Französischen – das zu jener Zeit von 10 % der französischen Bevölkerung gesprochen wurde –, um „die Patois zu vernichten und den Gebrauch des Französischen zu universalisieren“. Es beginnt der große Linguizid Frankreichs.
  • 1799: Königliches Dekret, das „das Darbieten, Singen und Tanzen von Stücken, die nicht in kastilischer Sprache verfasst sind“, untersagt.[14]

19. Jahrhundert

  • 1801: Manuel de Godoy Godoy untersagt in sämtlichen Theatern die Aufführung von Theaterstücken, die nicht auf Kastilisch sind.[15]
  • 1802: Nachdem Menorca infolge der Aufgabe durch die Engländer unter die Hoheit des spanischen Staates fällt, ordnet der Generalkapitän der Insel unverzüglich an, dass in den Schulen ausschließlich Kastilisch unterrichtet wird.[16]
  • 1821: Der Plan Quintana verpflichtet das Schulsystem zur Verwendung des Spanischen.[17]
  • 1825: Der Plan Calomarde versucht, eine einheitliche staatliche Bildung auf Spanisch einzuführen: Die Verwendung des Katalanischen in den Schulen wird verboten.[18]
  • 1828: Der Bischof von Girona verpflichtet, dass die Bücher der Pfarrei auf Kastilisch geschrieben sind.[19]
  • 1837: Ein königliches Edikt verhängt schändliche Strafen über Kinder, die in der Schule Katalanisch sprechen.[20] Gleichzeitig ordnet die Regierung der Balearen die Bestrafung von Schulkindern an, die Katalanisch sprechen – und zwar durch die Denunzierung der Schüler.[21]
Beschwerdebrief des katalanischen Historikers und Schriftstellers Joan Cortada i Sala an die Zeitung „El Guardia Nacional“ bezüglich des Verbots von Grabinschriften auf Katalanisch im Jahr 1838.[22]
  • 1838: Verbot von Grabinschriften auf Katalanisch in den Friedhöfen.[23][24] Der Historiker und Schriftsteller Joan Cortada i Sala prangerte den Verbot in der Zeitung El Guardia Nacional an.[22]
  • 1843: Die Vorschriften für die Normalschulen des Königreichs Spanien führen die spanische Grammatik – ebenso wie die Geschichte Spaniens, Grundkenntnisse der spanischen Literatur usw. – als obligatorischen Bestandteil des Lehrplans auf.[25]
  • 1846: Rundschreiben des Obersten Gesundheitsrates, das vorschreibt, dass ärztliche Rezepte ausschließlich auf Spanisch oder Latein ausgestellt werden müssen.[26]
  • 1860: Der Königliche Erlass vom 24. Februar schreibt vor, dass Straßennamen auf Kastilisch zu schreiben sind, und betrachtet die übrigen Sprachen als Dialekte.[27]
  • 1862: Das Notariatsgesetz untersagt öffentliche Urkunden auf Katalanisch.[28]
  • 1867: Der Innenminister Luis González Bravo verbietet, dass man Theaterwerke „in den Dialekten der spanischen Provinzen“ schreibt.[29]
  • 1870: Das Gesetz des Personenstandsregisters untersagt die Verwendung des Katalanischen.[30]
  • 1876: Die Königliche Verordnung vom 25. Dezember lässt lediglich Telegramme zu, die in spanischer, französischer, italienischer, portugiesischer und deutscher Sprache verfasst sind.[31]
  • 1881: Das Zivilprozessgesetz verbietet die Verwendung des Katalanischen vor Gericht.[32]
  • 1882: Das Strafprozessgesetz vom 14. September schafft große Rechtsunsicherheit für Angeklagte und Zeugen, die kein Spanisch verstehen: Obwohl es ihr Recht anerkennt, von einem Dolmetscher unterstützt zu werden, berücksichtigte das Verfahren zur Bestellung von Dolmetschern nicht, ob die für diese Aufgabe ausgewählten Personen über juristische Kenntnisse verfügten – es konnte sich dabei um „jeden handeln, der die Sprache beherrscht“.[33]
  • 1896: Die Generaldirektion für Post und Telegraphie verbietet das Sprechen von Katalanisch am Telefon in ganz Spanien.[34]

Frühes 20. Jahrhundert

  • 1902:
    • Königlicher Erlass von Álvaro Figueroa Torres, der den Unterricht des Katechismus auf Kastilisch vorschreibt.[35]
      „Sprich Französisch, sei sauber.“, Inschrifft in einer Schule in Aiguatèbia i Talau, die den Kindern das Katalanischsprechen untersagt.
    • Verbot, durch militärischem Befehl, der Jocs Florals von Barcelona.[36]
  • 1916: Der Abgeordnete Morera i Galícia verteidigt einen Vorschlag, der die freie Verwendung des Katalanischen in allen Bereichen gewährleisten soll. Romanones erwidert, dass eine Kooffizialität inakzeptabel sei, und der Vorschlag des katalanischen Abgeordneten wird im Kongress mit 120 zu 13 Stimmen abgelehnt.

Diktatur von Primo de Rivera

Bereits seit dem Beginn seiner Diktatur am 13. September 1923 erklärte der General Miguel Primo de Rivera den katalanischen Separatismus und die katalanische Sprache zu seinen größten Feinden.

  • 1923: Ein Dekret untersagt die Verwendung des Katalanischen in offiziellen Akten und schreibt vor, dass alle offiziellen Bücher und Aufzeichnungen in kastilischer Sprache zu führen sind.
  • 1924: Die Jocs Florals von Barcelona müssen aufgrund der Diktatur in Toulouse stattfinden.[36]
  • 1924: Am 11. September wird der 72-jährige Architekt Antoni Gaudí in Barcelona festgenommen und misshandelt, weil er sich mit der Polizei auf Katalanisch unterhält.[37][38]
  • 1926: Ein Dekret kriminalisiert jeden, der eine andere Sprache als Kastilisch verwendet oder passiven sprachlichen Widerstand leistet, und belegt ihn mit der Strafe eines „schweren Arrests in einem Korrektionsgefängnis“.[39]
  • 1928: Verordnung, durch die der Unterricht in Katalanisch mit der Versetzung der Lehrkraft zu einer kastilischsprachigen Provinz bestraft wird.[40][41]

Zweite Spanische Republik

Während der Zweiten Spanischen Republik (1931–1939) war die spanische Regierung weniger aggressiv gegenüber dem Katalanischen. Sie gestand, dass die Schulbildung idealerweise in der Muttersprache der Kinder beginnen sollte, und schaffte bereits am 29. April 1931 Dekrete von Primo de Rivera ab.[42] Dennoch wurde das Kastilische als grundsätzliche Unterrichtssprache in ganz Spanien durchgesetzt – die Sozialisten argumentierten, dass die Arbeiterklasse sich nur wehren könne, wenn sie die (angeblich höherwertige) kastilische Sprache beherrschte.[43] Manche sozialistische Abgeordnete schlugen sogar vor, die „regionalen Dialekte“ auszurotten.[44] Dennoch gelang es den Katalanern, die eine tragende Rolle bei der Gründung der Republik gespielt hatten, ein Autonomiestatut zu erreichen, bei dem Katalanisch neben Kastilisch Amtssprache in Katalonien wurde. In València und den Balearen hingegen blieb Kastilisch einzige Amtssprache.

Bürgerkrieg und Francos Diktatur

Ausschnitt aus dem Diario de Navarra vom 17. Februar 1939, mit der Überschrift «Es ist verboten, Katalanisch als Amtssprache zu verwenden». Der Text erklärt, dass sämtliche autonomische Institutionen Kataloniens per Dekret vom General Franco aufgelöst werden.

Der Bürgerkrieg (1936–1939) brachte ein abruptes Ende für die Selbstbestimmung und die Sprachrechte der Katalanen: Die frankisitischen Truppen gingen bei ihrer Eroberung des katalanischsprachigen Gebiets brutal vor. Der britische historiker Paul Preston beschreibt das Vorgehen in seinem Buch The Spanish Holocaust wie folgt vor:[45]

„In den Tagen nach der Besetzung von Lleida (…) wurden republikanische Gefangene, die als Katalanen identifiziert wurden, ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Wer beim Sprechen des Katalanischen gehört wurde, lief Gefahr, verhaftet zu werden. Die willkürliche Brutalität der antikatalanischen Repression nahm ein solches Ausmaß an, dass Franco selbst einen Befehl erlassen musste, wonach Fehler vermieden werden sollten, die man später bereuen könnte.“

The Spanish Holocaust, S. 459

„Es gibt Beispiele für Bauern, die ermordet wurden – ohne ersichtlichen Grund, außer dass sie Katalanisch sprachen.“

The Spanish Holocaust, S. 463

Francisco Francos Eingreifen bremste wohl das wahllose Massaker an den Katalanen, die damals noch größtenteils einsprachig waren; der Hass gegen sie hielt dennoch lang. Während der Franco-Diktatur (1936–1975) wurde das Katalanische ständig angegriffen und praktisch auf den familiären Gebrauch zurückgedrängt. Das Spanische wurde zur alleinigen Sprache des Bildungswesens, der Verwaltung und der Medien.

  • 1936: Staatliches Verbot der Verwendung des Katalanischen in Schulen und im öffentlichen Leben auf Mallorca unter dem Slogan „Wenn du Spanier bist, sprich Spanisch“[46]
  • 1938: Am 5. April wird das Autonomiestatut Kataloniens aufgehoben, daher ist Katalanisch nicht mehr Amtssprache.
  • 1939: Franco sagt: „Wir wollen absolute nationale Einheit mit einer einzigen Sprache, Kastilisch, und einer einzigen Persönlichkeit, dem Spanischen.“ Als Folge dieser Politik werden viele Maßnahmen ergriffen, wie die Aufhebung des Statuts von Katalonien, der Kampf gegen Schilder, Werbung und Zeitungen in Katalanisch, Rundschreiben über Katalanisch in Schulen. Es begann die härteste Diskriminierung des Katalanischen in der Geschichte:
    • Erlass des spanischen Ministeriums für Nationale Bildung, der jeglichen Unterricht mit Bezug zur katalanischen Kultur unterbindet. Der Unterricht in katalanischer Philologie, moderner Geschichte Kataloniens, Geographie Kataloniens, katalanischem Zivilrecht und Geschichte der mittelalterlichen katalanischen Kunst wird abgeschafft.[47]
    • Massive Verbrennungen von Büchern auf Katalanisch – darunter die umfangreiche Bibliothek von Pompeu Fabra, Vater der modernen katalanischen Rechtschreibung, die öffentlich auf einem Platz in Badalona verbrannt wird.[48] Diesbezüglich lassen sich die Äußerungen von General Queipo de Llano anführen, die in dem Artikel mit dem Untertitel „Gegen Katalonien – das Israel der modernen Welt“ am 26. November 1936 im Diario Palentino erschienen; darin betrachtet er Katalanen als „eine Rasse von Juden“, „weil sie dieselben Methoden anwenden, die die Juden in allen Nationen des Erdballs praktizieren“. Daraus folgert er, dass „unser Kampf kein Bürgerkrieg, sondern ein Krieg der westlichen Zivilisation gegen die jüdische Welt“ sei. Der General brachte seine antikatalanischen Absichten unmissverständlich zum Ausdruck: „Wenn der Krieg vorüber ist, werden Pompeu Fabra und seine Werke über die Ramblas geschleift werden.“[49]
    • 4. Februar Die Druckplatten und die im Verlag verbleibenden Exemplaren des Diccionari General de la Llengua Catalana werden von den Frankistischen Truppen vernichtet.
    • 16. Februar Ein Dekret verbietet den Gebrauch des Katalanischen als zweite Sprache.[50]
    • 1. April: General Álvarez Arenas rechtfertigt die Durchsetzung Einführung der spanischen Sprache, „um die angeblichen Unterscheidungsmerkmale [der Katalanen] zunichte zu machen, die soviel Unheil gebracht haben“.[51]
    • 10. August: Der Neurologe und Universitätsprofessor Bel·larmí Rodríguez i Arias wird verhaftet, weil er auf Katalanisch unterrichtet hat.[52]
    • 28. Oktober Schreiben des spanischen Innenministers Serrano Suñer, gerichtet an alle katalanischen Bischöfe, um sie über die neuen Bestimmungen zum Sprachgebrauch in der Kommunikation der Kirche mit den Gemeindemitgliedern zu informieren – „bis die spanische Sprache von allen verstanden wird (was durch beharrliche schulische Arbeit erreicht werden wird)“.[51]
  • 1940: Ein Rundschreiben der Zivilregierung Barcelonas vom 8. August warnt, dass „alle Beamten der Provinz- und Stadtverwaltungen dieser Provinz – ungeachtet ihrer Kategorie –, die sich während der Ausübung ihres Dienstes, sei es innerhalb oder außerhalb der Dienstgebäude, in einer anderen Sprache als der Amtssprache des Staates äußern, werden mit sofortiger Wirkung und ohne weitere Rechtsmittel entlassen.“[53]
  • 1941:
    • Die Jocs Florals von Barcelona werden verboten – sie finden bis 1970 klandestin im Ausland statt.[54]
    • Verbot der Verwendung des Katalanischen in der Telegrafie.[55]
  • 1942: Am 14. Juli setzen die FET y de las JONS den Bürgermeister von Manresa in Kenntnis, dass in einigen Orten der Provinz Theateraufführungen in katalanischer Sprache stattfinden. Sie fordern ihn eindringlich auf, den Zivilgouverneur darüber zu informieren, damit die entsprechenden Sanktionen verhängt werden können.[53]
  • 1943: Dekret zu den neuen notariellen Vorschriften, wonach Urkunden in kastilischer Sprache auszufertigen sind.
  • 1948: Am 25. Dezember untersagt die spanische Zensur die Berichterstattung über den Tod von Pompeu Fabra, und Nachrufe in den Zeitungen sind nicht gestattet. Die Beerdigung wird streng von der Polizei überwacht.[56]
  • 1952: Die Zeitschrift Aplec wird beschlagnahmt. Der Gouverneur von Barcelona, Felipe Acedo, sagt zu den Herausgebern: „Glauben Sie, wir hätten Krieg geführt, damit das Katalanische wieder in der Öffentlichkeit verwendet werden kann?“[57]
  • 1953: In València wird die Zeitschrift Esclat verboten, weil sie auf Katalanisch erscheint – wenngleich sie schließlich heimlich veröffentlicht wurde.[58]
  • 1956: Die Gefängnisvorschriften legen fest, dass Häftlinge nur Spanisch sprechen dürfen.
  • 1957: Verbot eines Artikels in der Zeitschrift Géminis aus Tortosa, da dieser die Existenz von Übersetzungen T. S. Eliot ins Katalanische erwähnte, denn dies widersprach der offiziellen Doktrin, dass dem Katalanischen nicht der Status einer Kultursprache zukommen könne.[59]
  • 1968: Joan Manuel Serrat darf beim Eurovision Song Contest nicht auf Katalanisch singen.[60]

Ab den 60er Jahren wuchs der Widerstand gegen der Franco-Diktatur, insbesondere in Katalonien. Auch wenn es gewisse Parallelen mit der 68er-Bewegung der westlichen Demokratien gibt, waren die Proteste nicht wirklich vergleichbar: Die Macht der militärischen Diktatur, wenn auch etwas geschwächt, war immer noch sehr bedrohlich und Franco wurde letztlich nicht gestürzt, sondern regierte bis zu seinem Tod 1975. Dennoch konnte die Diktatur in diesem Kontext nicht mehr vermeiden, dass zahlreiche Liedermacher wie Els Setze Jutges oder Raimon auftauchten, die auf Katalanisch sangen. Auch die literarische Szene entwickelte sich stark, mit Autoren wie Joan Fuster oder Vicent Andrés Estellés und Verlage wie Edicions 62. Da der Franquismus nicht mehr in der Lage war, dieses Massenphänomen direkt militärisch zu beseitigen, erfolgte die Reaktion in versteckter Form. So wurde etwa die Bücherei "3i4" in València zwischen 1971 und 2007 18 Mal anonym angegriffen, unter anderem mit Bomben und Molotowcocktails, ohne dass die Polizei und die Justiz die Ereignisse wirklich untersuchten. Diese Vorgehensweise – inklusive der Passivität des spanischen Staates – setzte sich nach Francos Tod fort.[61]

Transition und spätes 20. Jahrhundert

Nach Francos Tod 1975 fand in Spanien bekanntlich ein Übergang zur Demokratie statt. Dieser war aber dadurch gekennzeichnet, dass die Verantwortlichen der Diktatur nach einer Amnestie nicht rechtlich zur Rechenschaft gezogen wurden. Viele davon behielten faktisch viel Macht, da der deep state nicht wirklich angetastet wurde. Diesbezüglich hatte Franco bereits 1969 gesagt, dass er die Zukunft „lückenlos abgesichert und bis ins kleinste Detail durchdacht“ hatte („atado y bien atado“).[62]

Die neue Verfassung legte weiterhin Kastilisch als Amtssprache für ganz Spanein fest. Sie öffnete zwar die Tür für weitere Amtssprachen in den entsprechenden Regionen, legt aber zugleich fest, dass die Bürger die Pflicht haben, Kastilisch zu kennen – und nicht die anderen Sprachen, die somit rechtlich zweitrangig bleiben.[63]

Außerdem öffnete die Verfassung die Tür für Autonomiestatuten in den verschiedenen Regionen: Katalonien erhielt ihr Autonomiestatut 1979, das Land València 1982 und die Balearen 1983. Dadurch konnten die Regionen ihre Zuständigkeit fürs Bildungssystem und für die Sprachpolitik ausbauen, zumindest theoretisch – praktisch ist es aber dann so, dass Gerichtsurteile aus Madrid vieles davon eingrenzen oder kippen, wenn sie die Vorherrschaft des Kastilischen in Katalonien als bedroht sehen, wie zum Beispiel das katalanische Autonomiestatut von 2006 oder die sprachliche Immersion in den katalanischen Schulen.[64]

In den ersten Jahren der "Demokratie" gab es vor allem im Land València zahlreiche Angriffe, sogar mit Bomben, gegen Schriftstellern, Künstlern und allgemein Bürgern, die sich im Land Valencia für die katalanische Sprache einsetzten. Der Blaverismus versuchte mit allen mitteln, das Antikatalanismus zu verbreiten und die Einheit der katalanischen Sprache in Frage zu stellen. Gruppen wie die Grup d’Acció Valencianista bedrohten und terrorisierten Menschen, die sich für die katalanische Sprache einsetzten, mit zahlreichen Gewalttaten. Die Polizei untersuchte solche Gewalttaten kaum, die Opfer wurden eher als "Radikale" abgestempelt und sogar für ihre eigene Situation beschuldigt.[65]

  • 1976: am 25. November explodiert eine Bombe in der Bücherei La Costera, in Xàtiva, die vor allem Bücher auf Katalanisch auf dem Sortiment hatte. Der Sachschaden war groß, aber zum Glück wurde niemand schwer verletzt. Eine Gruppe namens VI comando Adolfo Hitler bekannte sich zu dem Anschlag, doch die Polizei klärte nie auf, wer dahintersteckte.[66]
  • 1976 bis 2008: Es werden 149 Dekrete und Richtlinien erlassen, die zur Kennzeichnung von Nahrungsmitteln und anderen Produkten auf Kastilisch verpflichten.[67]
  • 1978:
  • 1979: am 9. Oktober legen Unbekante eine Bombe unter dem Transporter der auf Katalanisch singenden Folkgruppe El Carraixet. Glücklicherweise wurde die Bombe rechtzeitig entdeckt und deaktivert, der Fall wurde aber nie aufgeklärt.[69]
  • 1981:
    • am 11. September explodieren zwei größere Bomben am Haus von Joan Fuster, die zweite davon zerstört einen erheblichen Teil seiner Bibliothek. Glücklicherweise wurde der Schriftsteller nicht schwer verletzt. Die Polizei untersuchte die Tat kaum, es wurden keine Täter gefunden.[68]
  • 1986:
    • Das Patentengesetz erfordert, dass die Anträge für die Erteilung einer Patente auf Kastilisch stehen.[70]
    • Urteil Nr. 83/1986 des Spanischen Verfassungsgerichts gegen das Sprachengesetz (Llei de normalització lingüística) Kataloniens.
  • 1988: Urteil Nr. 123/1988 des Spanischen Verfassungsgerichts gegen das Sprachengesetz (Llei de normalització lingüística) der Balearen.
  • 1989:
    • Das Dekret 1597/89 zum neuen Reglament des Handelsregisters schreibt vor, dass Einschribungen ausschließlich auf Kastilisch erfolgen müssen.
    • Die spanische Regierung teilt Canal Nou (dem neuen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender für das Land Valencia) dieselbe Freqüenz zu, mit der bis dahin TV3 in València empfangen wurde. Dadurch wird die Möglichkeit erschwert, dass valencianer zwei Fernsehsender auf ihrer Sprache empfangen können.[71]
  • 1997: Die Ausstrahlungen von TV3 im Land Valencia leiden unter schweren Störungen, die es Tausenden von Valencianern unmöglich machen, den Sender zu empfangen. Der valencianische Präsident Eduardo Zaplana kritisiert diesen Angriff weder, noch versucht er herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist; stattdessen greift er Acció Cultural del País Valencià an – jene Organisation, die den Empfang von TV3 im Land Valencia überhaupt erst ermöglicht.[72]

21. Jahrhundert

  • 2001: König Juan Carlos I. leugnet, dass Kastilisch jemals mit Gewalt aufgezwungen wurde.[73]
  • 2007:
  • 2008:
    • Februar: Stellungnahme der Académie française gegen die Anerkennung von Regionalsprachen in der Verfassung.[77]
    • November: Abschaltung von weiteren Repeatern, die den Empfang von TV3 im Land Valencia ermöglichten – diese waren einst durch Acció Cultural del País Valencià mittels Spendenaktion errichtet worden.[78]
  • 2010: Am 9. Juli wird das Urteil des Verfassungsgerichts zum Autonomiestatut Kataloniens von 2006 veröffentlicht, das unter anderem feststellt, dass die katalanische Sprache weder die bevorzugte Sprache der Verwaltung in Katalonien noch die Unterrichtssprache des Bildungssystems ist.[79]
  • 2011:
    • Im Februar wird die Abschaltung aller Repeater, die den Empfang von TV3 im Land Valencia ermöglichten, abgeschlossen.[80]
    • Am 5. Juli greift die extreme Rechte eine Buchhandlung in Valencia gewaltsam an, um die Präsentation eines Buches von Vicent Flor über antikatalanische Gewalt zu verhindern.[81]
  • 2012: Am 26. Juni entschied der Oberste Gerichtshof Spaniens, dass das Katalanische nicht die einzige Unterrichtssprache im Bildungssystem Kataloniens sei, und verfügte, dass auch das Spanische als Arbeitssprache zu verwenden sei.[82]
  • 2013: Es werden vierzig bestätigte Fälle sprachlicher Diskriminierung durch die Verwaltung (Gesundheitswesen, Polizei, Post usw.) bekanntgegeben, die sich zwischen 2007 und 2012 ereignet haben.[83]
  • 2014: Ein Vorschlag, um den Empfang von TV3 und Catalunya Ràdio im Land València zu ermöglichen, wurde im spanischen Parlament abgelehnt.[84]
  • 2015:
    • Januar: Das European Language Equality Network (ELEN) stellt in seinem periodischen Bericht an die UNO eine systemische und institutionalisierte Diskriminierung der Sprecher von nicht-kastilischen Sprachen in Spanien fest.[85]
    • März: Endesa, der Stromversorger in Manacor, verstößt gegen die Vertragsklausel, die festlegt, dass Kunden auf Katalanisch und Spanisch bedient werden müssen, indem das Unternehmen dies ausschließlich auf Spanisch tut.[86]
    • Mai: Obwohl die Generalitat de Catalunya über ausschließliche Zuständigkeiten im Bildungswesen verfügt und die Rechtsprechung des Verfassungsgerichts die sprachliche Immersion auf Katalanisch stützt, legt der Oberste Gerichtshof das Kastilische als Unterrichtssprache für 25 % des Schulunterrichts in Katalonien fest.[87]
    • August: Òmnium Cultural in l’Alguer kritisiert die Bezeichnung des Algherischen als „Variante der sardischen Sprache“ durch die sardische Regierung.[88][89]
    • Oktober: Der französische Senat vermeidet eine Debatte über die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen und schließt deren Ratifizierung aus.[90]
  • 2016:
    • März: Ein Anwalt, der einem Gericht eine schriftliche Beschwerde auf Katalanisch vorlegte, erhält als Antwort, dass er den Text übersetzen müsse, wenn er sein Verfahren nicht um 5 Jahre verzögern wolle.[91]
    • August: Die Regierung von Aragonien verbietet die Verbreitung eines Schulplaners auf Katalanisch im katalanischsprachigen Gebiet.[92]
  • 2017:
    • Das Finanzministerium streicht das Katalanische aus den Formularen, den Handbüchern und dem telefonischen Support für die Einkommensteuererklärung.[93][94]
    • 11. November: Zwei Frauen werden von einem Flug zwischen Barcelona und Mahón verwiesen, weil sie mit der Stewardess Katalanisch sprachen.[95]
  • 2019: Die spanische Regierung fordert die valencianische Regierung auf, mit der katalanischen und der balearischen Regierung auf Kastilisch zu kommunizieren.[96]
  • 2021:
    • November: Der spanische Oberste Gerichtshof verpflichtet Schulen dazu, 25 % der Unterrichtsstunden auf Spanisch zu unterrichten – trotz Sprachimmersion.[97]
    • Dezember: Bruno Billeci, der italienische Superintendent der sardischen Provinzen Sassari und Nuoro, untersagt die Verwendung des Katalanischen auf Schildern an der archäologischen Stätte Sant’Imbenia in l‘Alguer.[98]
  • 2022, September: Mitarbeiter am Renfe-Bahnhof in Xàtiva weigern sich, einem Reisenden Fahrkarten zu verkaufen, weil dieser Katalanisch spricht.[99]
  • 2023:
    • 4. März: Eine Lehrerin aus Terrassa wird von der spanischen Polizei angezeigt, weil sie auf der Polizeiwache Katalanisch spricht, als sie ihren Personalausweis verlängern will.[100]
    • April: Vier Kommunen in Nordkatalonien stehen wegen der Verwendung des Katalanischen in den Plenarsitzungen vor Gericht.[101]
    • Mai: Das Verwaltungsgericht Montpellier hat die Änderung der Bestimmungen, die es erlaubte, Katalanisch in den Plenarsitzungen von Elna, Els Banys, Portvendres, Tarerac und Sant Andreu de Sureda zu sprechen, für ungültig erklärt.[102]
    • Juli: Die PP und Vox verbieten Cavall Fort, Enderrock, El Temps und weitere Zeitschriften auf Katalanisch in der Bibliothek von Borriana[103]
  • 2024
    • November: Die von Carlos Mazón regierte Generalitat Valenciana subventioniert Organisationen, die die Spaltung der katalanischen Sprache fördern,[104] während sie die regulären Hilfen für den valencianischen Buchsektor streicht.[105]
    • Dezember: Ein Anwalt der Banc Sabadell weigert sich, ein Darlehen bei einem Notar zu löschen, weil das Dokument auf Katalanisch verfasst ist.[106]
    • Dezember: Der Provinzrat von Alacant streicht die Förderung des Katalanischen komplett aus dem Haushalt.[107]
  • 2025:
    • Mai: Die Partido Popular telefoniert mit konservativen Regierungen verschiedener europäischer Länder, damit sie beim Gipfel am 27. Mai 2025 gegen die Anerkennung des Katalanischen als europäische Amtssprache stimmen.[108][109]
    • Juni: Der Stadtrat von Alacant beschließt mit den Stimmen von PP und VOX, die Corts Valencianes aufzufordern, das Gesetz dahingehend zu ändern, dass die Stadt offiziell aus dem katalanischsprachigen Gebiet ausgenommen wird, was praktisch die Abschaffung der Sprachrechte katalanischsprachiger Menschen bedeuten würde.[110]
  • 2026:
    • Februar: Ein Krankenhaus in Barcelona verweigert einer Patientin mit Suizidneigungen die psychiatrische Versorgung, da diese auf Katalanisch behandelt werden möchte. Zudem setzt der ärztliche Direktor der Stiftung die Patientin unter Druck.[111]
    • Februar: Die Generalitat Valenciana leitet Änderungen am künftigen Lehrplan der Sekundarstufe für das Fach Katalanisch ein, indem sie das Literaturstudium ausschließlich auf valencianische Autoren beschränkt und katalanische sowie balearische Autoren ausschließt.[112]

Einzelnachweise

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