Engeler Verlag

Buchverlag From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Engeler Verlag ist ein literarischer Buchverlag mit Sitz im schweizerischen Schupfart, Kanton Aargau. Frühere Verlagssitze waren Holderbank SO und Solothurn. Von 1997 bis 2009 bestand der Vorgängerverlag Urs Engeler Editor mit Verlagssitzen in Basel (Schweiz) und Weil am Rhein (Deutschland). Der Verleger Urs Engeler betreibt im Engeler Verlag auch die beiden Labels roughbooks und Das Versteck.

Verleger

Urs Engeler (* 7. November 1962 in Zürich) wuchs in Winterthur auf.[1] Er studierte von 1989 bis 1996 Germanistik bei Peter von Matt, Vergleichende Literaturwissenschaft bei Hans-Jost Frey, Philosophie und Religionswissenschaft an der Universität Zürich.[2] Er schloss sein Studium mit einer Lizentiatsarbeit über die Poetik von Rolf Dieter Brinkmann ab.[3] Beim Zürcher Ammann Verlag hat er ein Volontariat absolviert.[4] Von 2008 bis 2020 war er Professor am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel.[5] Er trat selbst als Lyriker (nicht nichts, 2024), als Übersetzer (u. a. von John Giorno und Robert Kelly) und Literaturtheoretiker (Poesie und Wiederholung, 2022) hervor.[5] Von 2009 bis 2021 war er Verleger und Lektor der Bücher von Arno Camenisch. Von 2012 bis 2013 war er Jurymitglied der Schweizer Literaturpreise.[6]

Geschichte und Konzeption

Der Schwerpunkt des Verlagsprogramms liegt im Bereich der Lyrik und Poetik sowie auf literaturtheoretisch-philosophischen Abhandlungen.

Von 1992 bis 2011 gab Urs Engeler die „Zeitschrift für Poesie und ihre Poetik“ Zwischen den Zeilen heraus. Diese bildete die Grundlage für die Gründung des Verlags Urs Engeler Editor. Von 1995 bis 2009 hat Urs Engeler Editor mehr als 60 Autoren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, USA und Italien herausgebracht. Ermöglicht wurde das Verlagsprogramm durch einen lyrikenthusiastischen Mäzen, der Engeler während 15 Jahren die Treue hielt.[1][4]

Als Folge der Subprime-Krise stellte Engeler seine Lyrik-Edition Urs Engeler Editor im Jahr 2009 ein. Ein Jahr später legte er mit roughbooks ein damals neues, heute üblich gewordenes Format vor, das jenseits des Buchhandels und Sponsorings funktionierte: Poesie mit Kleinauflagen im Digitaldruck und Direktvertrieb über die Website. Die streng seriell daherkommenden Bücher wirken „wie unrasierte Gäste auf einer glamourösen Cocktail-Party, rebellisch, unerschrocken und deshalb hochinteressant“ (Der Freitag).[7][8] Kommerziell erfolgreichere Prosa-Titel werden dem Buchhandel weiterhin über den neu gegründeten Engeler Verlag angeboten. Nachfolger der Zeitschrift Zwischen den Zeilen war die Zeitschrift Mütze, die von 2012 bis 2023 erschien.[9] Abgelöst wurde die Zeitschrift durch die Website Armengenossenschaft, auf der Texte kostenlos aufgeschaltet und die Nutzer zur Mitarbeit (z. B. für eine kollektive Übersetzung) aufgefordert werden.[10]

Seit 2022 wird der Verlag von Urs Engeler und Christian Filips gemeinsam geführt.[11]

Autoren

Kurt Aebli, Urs Allemann, Arno Camenisch, Michael Donhauser, Elke Erb, Brigitta Falkner, Eleonore Frey, Jayne-Ann Igel, Birgit Kempker, Robert Kelly, Jürg Laederach, Bert Papenfuß, Oskar Pastior, Wolfgang Schlenker, Michael Stauffer, Ulf Stolterfoht und Peter Waterhouse.

Literaturtheoretische Schriften der Autoren Hans-Jost Frey, Felix Philipp Ingold, Rainer Nägele, Thomas Schestag und in Übersetzung Philippe Lacoue-Labarthe und Jean Paulhan.[12]

Autoren des Labels roughbooks sind z. B. Konstantin Ames, Stephan Broser, Elke Erb, Christian Filips, Mara Genschel, Werner Hamacher, Dagmara Kraus, Rainer René Mueller, Bertram Reinecke, Michael Stauffer, Hans Thill, Bruno Steiger und Ulf Stolterfoht sowie in Übersetzungen Attila József, Paul Bogaert, Jean Daive, H.D., Halldór Laxness Halldórsson, Svein Jarvoll, Robert Kelly, Nicolas Pesquès, Christian Prigent, Jerome Rothenberg, Tim Turnbull und Rosmarie Waldrop.

Übersetzungen

Reihen

  • Sammlung Urs Engeler Editor
  • Compact Bücher (Bücher mit CDs)
  • Theorie: z. B. Felix Christens Eine andere Sprache, ein Werk zu Friedrich Hölderlins großer Pindar-Übertragung
  • Werkausgaben: z. B. Michael Donhauser
  • Zeitschriften: Zwischen den Zeilen (1992–2011), Mütze (2012–2023)
  • Editionen: roughbooks, Das Versteck, Neue Sammlung
  • Website Armengenossenschaft (seit 2023)

Sonstiges

2009 war der Verlag Mitinitiator der Hotlist, dem jährlich vergebenen Buchpreis der unabhängigen Verlage.

Auszeichnungen

Literatur

  • Theo Breuer: Urs Engeler Editor. In: Ders.: Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000. Edition YE, 2005, S. 150–151.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI