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Urs Pankraz Eggenschwiler

Schweizer Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Urs Pankraz Eggenschwiler (* 23. Februar 1766 in Matzendorf; † 11. Oktober 1821 in Solothurn; heimatberechtigt in Matzendorf) war ein Schweizer Bildhauer des Klassizismus.

Leben

Urs Pankraz Eggenschwiler wurde 1766 als Sohn eines verarmten Bauern und Gerichtsweibels in Matzendorf geboren und absolvierte hier eine Wagnerlehre. Nach ersten Zeichenstudien in Strassburg und Besançon nahm er 1787 ein Studium der Bildhauerei in Paris auf. 1802 erhielt er für sein Gipsrelief «Kleobis und Biton» den renommierten Kunstpreis Prix de Rome und damit verbunden ein Stipendium für einen mehrjährigen Aufenthalt in Rom.[1] Das Relief schenkte er 1804 seinem Heimatkanton, dessen neue Regierung es am Solothurner Rathaus anbringen liess. Um 1804/05 kam er in Rom an und hatte hier vielleicht Kontakt zu Antonio Canova und Bertel Thorvaldsen.[2] 1812 kehrte er nach Paris zurück und gelangte – als einziger Deutschschweizer Bildhauer – in den Dienst Napoleons I.[1] Nach dessen Sturz 1814 nahm seine Karriere ein abruptes Ende und er war gezwungen, nach Solothurn zurückzugehen, wo es sich nicht mehr zu behaupten vermochte und dem Alkoholismus verfiel. Er bewarb sich vergeblich mit einem Entwurf für das Löwendenkmal Luzern, wurde aber damit betraut, Thorvaldsens Modell in den Naturfels zu übertragen. Bei dieser Arbeit stürzte er 1821 betrunken vom Gerüst und starb einige Monate darauf im Bürgerspital in Solothurn in tiefer Armut.[2]

Werke (Auswahl)

Standeswappen am Rathaus Solothurn (1818)

Pankraz Eggenschwiler war ein typischer Vertreter des Klassizismus der französischen Schule. In seinem Spätwerk zeigen sich Einflüsse von Bertel Thorvaldsen und der Nazarener.[2]

  • «Caritas» (1782), Portal des Bürgergemeindehauses (ehem. Waisenhaus), Unterer Winkel 1, Solothurn[3]
  • Rathaus Solothurn: «Kleobis und Biton» an der Ostwand (Gipsrelief, 1802, 170 × 126 cm),[3.1] «Maria selbdritt» neben dem Treppenturmportal (Marmorrelief, 43 × 52 cm),[3.1] Standeswappen mit Löwen über dem Mittelportal der Ostfassade (1818),[3.2]
  • «Amor durchbohrt mit seinen Pfeilen einen Schmetterling, der sich auf einer Rose niedergelassen hat» (1809), Schloss Fontainebleau, in der Nähe der Fontaine de Diane, Fontainebleau[2]
  • Büste des Chevalier Victor de Gibelin (1818), Kunstmuseum Solothurn[2]
  • Kruzifix (um 1819), Chorbogen in der Pfarrkirche St. Marien, Deitingen[2]
  • Ausarbeitung des Löwendenkmals Luzern nach Thorvaldsens Vorlage (bis 1821)[2]

Literatur

  • Grégoire Extermann: Scultori svizzeri emigrati in età neoclassica: Pankraz Eggenschwiler (1766-1822) e Maximilian Imhof (1798-1869). In: Mario Guderzo (Hrsg.): Abitare il museo. Le case degli scultori. Atti del terzo convegno internazionale sulle gipsoteche (= Quaderni del Centro Studi Canoviani, Nr. 9). Fondazione Canova, Possango 2014, S. 295–309.
  • Tapan Bhattacharya: Urs Pankraz Eggenschwiler. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2001.
  • Pascal Griener, Paul-André Jaccard, Laurent Langer: Paris! Paris! Les artistes suisses à l'Ecole des beaux-arts (1793–1863). Slatkine, Genf 2014.
  • Paul-André Jaccard: Skulptur (= Ars Helvetica. Band 7). Desertina, Disentis 1992, S. 169–171.
  • Gottlieb Loertscher (Hrsg.): Kunst im Kanton Solothurn vom Mittelalter bis Ende 19. Jahrhundert. Ausstellung zum Jubiläum «1481–1981». 500 Jahre eidgenössischer Stand Solothurn. Kunstmuseum Solothurn, 1981.
  • Sylvia Pressouyre: Sculptures du Premier Empire au Château de Fontainebleau. In: Les arts à l'époque Napoléonienne. De Noble, Paris 1969, S. 201–212.
  • Gérard Hubert: La sculpture dans l'Italie napoléonienne. Editions Boccard, Paris 1964.
  • P. U. Winistörfer: Pankraz Eggenschwyler, Bildhauer von Matzendorf. In: Neujahrsblatt des Kunstvereins von Solothurn. 1953.

Einzelnachweise

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