Ursula Ucicky
deutsche Regieassistentin, Journalistin, Kunstsammlerin und Stifterin
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Ursula Lena Ucicky (Aussprache [uˈtʃitski:], geborene Kohn; * 1922 in Cottbus; † Dezember 2025 in Wien) – war eine deutsche Regieassistentin, Journalistin, Kunstsammlerin und Stifterin. Sie heiratete 1957 Gustav Ucicky, den Sohn Gustav Klimts. Im Jahr 2013 gründete sie die Klimt-Foundation.
Leben
Ursula Kohn war die Tochter der Helene Kohn, geborene Engelmann, und des aus Brünn stammenden jüdischen Tuchfabrikanten Heinrich Kohn (1867–1945).[1] Die Fabrik in Forst an der Lausitz und das Vermögen der Familie wurden während der NS-Zeit beschlagnahmt. Ursula Kohn konnte in Hamburg untertauchen. Ihre behelfsmäßige Unterkunft wurde 1944 ausgebombt. Nach der Befreiung Hamburgs durch die Briten ging sie nach England, später dann in ein Kibbuz nach Israel.[2]
1953 kehrte sie nach Hamburg zurück und arbeitete bei der britischen Militärregierung.[3] Sie lernte 1956 den Filmemacher Gustav Ucicky (eigentlich Učický) kennen und wurde seine Regieassistentin. Sie verfasste einen Artikel über Gustavs Kunstsammlung in der Zeitschrift Alte und Moderne Kunst und schrieb gemeinsam mit ihm die Anekdotensammlung zu „45 Jahre Film“. 1957 heirateten die beiden.
Kunstsammlung

Gustav Ucicky starb 1961 und hinterließ seiner Frau „eine respektable Kunstsammlung“, darunter Raubkunst, die er u. a. in der NS-Zeit im Kunsthandel und bei Auktionshäusern (Dorotheum) erworben hatte: so unter anderem das Klimt-Gemälde Wasserschlangen II, das sich bis 1938 im Besitz der Fabrikantin Jenny Steiner befunden hatte. In Absprache mit deren Erben wurde das Gemälde 2013 in Form eines Privatverkaufs über Sotheby’s um kolportierte 112 Millionen US-Dollar verkauft und der Erlös zwischen den Steiner-Erben und Ucicky geteilt, die damit das Stammkapital der von ihr 2013 gegründeten Privatstiftung speiste.[4]
In diese gemeinnützige Stiftung, die sich seither um die Verwaltung und Erforschung der geerbten Kunstsammlung bemüht, gelangten u. a. vier Gemälde und zehn Zeichnungen Klimts. Auf Ursula Ucickys Wunsch wurden Peter Weinhäupl, bis Sommer 2015 kaufmännischer Direktor des Leopold Museums in Wien, als ehrenamtlich tätiger Vorstand, die Kunsthistorikerin Sandra Tretter als Geschäftsführerin und der Betriebswissenschaftler Hubert Weinhäupl tätig. Als Stiftungsprüfer fungierte Eduard Lechner, Ordinarius für Finanzrecht an der Universität Wien.[5][6][7]
Eines der vier eingebrachten Gemälde ist das Klimt-Porträt von Gertrud oder Gertha Löw oder Loew (später Felsöványi), das die Porträtierte 1939 bei ihrer Flucht aus Österreich nicht mitnehmen konnte; weiters musste sie damals sechs Klimt-Zeichnungen zurücklassen, die in Ucickys Besitz gelangt sind.[8] Zum weiteren Schicksal des Gemäldes und von fünf der Zeichnungen wurde Provenienzforschung betrieben; die Stiftung gab im Oktober 2013 bekannt, im Sinne des Stiftungszwecks eine faire und gerechte Lösung des Falles anzustreben.[9] Gertrud Felsöványis Sohn Anthony Stephen Felsovanyi starb im Herbst 2013 99-jährig.[10]
Wie der Öffentlichkeit am 24. Jänner 2014 bekanntgegeben wurde, richtete die Klimt-Foundation im Einvernehmen mit den Erben nach Felsöványi ein unabhängiges Gremium aus Rechtsexperten (u. a. der ehem. Verwaltungsgerichtshofpräsident Clemens Jabloner) ein, das die Dossiers der Provenienzforschung prüfen und eine Empfehlung für das weitere Procedere abgeben sollte.[11] Da von der Stiftung von fünf Zeichnungen gesprochen wurde, blieb offen, was mit der sechsten Zeichnung aus Felsövanyis Eigentum geschehen ist bzw. geschehen soll. Nach der Provenienzforschung sollte die Kommission unter Clemens Jabloner bis Herbst 2014 Vorschläge für die weitere Vorgangsweise erarbeiten.[12]
Im Dezember 2025 gab die Klimt-Foundation den Tod der Stifterin im Alter von 103 Jahren bekannt.[3]