Uwe Wirth
deutscher Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker
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Uwe Wirth (* 1963 in Füssen) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker. Er lehrt seit 2007 als Professor für Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft an der Justus‑Liebig‑Universität Gießen.
Leben und Forschung
Nach dem Studium der Germanistik und Philosophie in Heidelberg, Frankfurt am Main und Berkeley hat Wirth 1997 in Frankfurt bei Volker Bohn promoviert.[1] Von 1997 bis 2004 war er dort als Mitarbeiter am Institut für Deutsche Sprache und Literatur sowie als Geschäftsführer des Graduiertenprogramms Buch- und Medienpraxis tätig. 2005 wurde er an der Goethe-Universität habilitiert. Von 2005 bis 2007 war er wissenschaftlicher Geschäftsführer am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin.[1] Seit 2007 ist er Professor für Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft an der Justus‑Liebig‑Universität in Gießen und seit 2008 Principal Investigator am dortigen Graduate Center for the Study of Culture. Von 2008 bis 2012 war er Teilprojektleiter im Loewe-Schwerpunkt Kulturtechniken und ihre Medialisierung.[1] Seit 2013 ist er gemeinsam mit Claudia Benthien und Ethel Matala de Mazza Mitherausgeber der Reihe Handbücher zur kulturwissenschaftlichen Philologie, die im de Gruyter-Verlag erscheint.
Die Forschungsschwerpunkte von Uwe Wirth liegen in methodologischen und theoretischen Fragen der Literatur- und Kulturwissenschaft: In den letzten Jahren verstärkt im Bereich der Kulturtheorie mit Blick auf die Konzepte Hybridität und Aufpfropfung, um das Programm einer Allgemeinen Greffologie zu entwerfen[2]. Ausgangspunkt dafür war die Beschäftigung mit Theorien der Performanz im Spannungsfeld von Sprachphilosophie, Kulturwissenschaft und Medientheorie. Dies führte zum einen in die Beschäftigung mit Konzepten der Autorschaft und der Paratextualität mit Schwerpunkt auf dem Aspekt der Herausgeberfiktion in der deutschsprachigen Literatur um 1800. Zum anderen geht es Wirth seit seiner Dissertation um die Entwicklung einer performativen Theorie des Komischen im Ausgang von Freuds Aufwandsdifferenz. Hinzu kommen Fach- und methodengeschichtliche Fragestellungen rund um Konzepte der Editionsphilologie – im Anschluss an seine Auseinandersetzung mit der Peirce’schen Zeichentheorie[3] und der konjekturalen „Logik der Abduktion“.
Uwe Wirth war Gastprofessor an der Universität Tokio, der Indiana University Bloomington, der Katholischen Universität Portugals, der University of California, Berkeley, am Deutschen Haus der New York University und an der Cornell University in Ithaca.[4]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Diskursive Dummheit. Abduktion und Komik als Grenzphänomene des Verstehens. Dissertation. Universität Heidelberg. Winter, Heidelberg 1999, ISBN 978-3-8253-0965-7.
- Die Geburt des Autors aus dem Geist der Herausgeberfiktion. Editoriale Rahmung im Roman um 1800. Fink, Paderborn 2008, ISBN 978-3-7705-4307-6.
- Rahmenbrüche, Rahmenwechsel. Kadmos, Berlin 2013, ISBN 978-3-86599-175-1.
- Pfropfung. Eine Theorie der Kultur. Fischer, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-10-092249-6.
Herausgeberschaft:
- Performanz. Zwischen' Sprachphilosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002. ISBN 978-3-518-29175-7.
- Kulturwissenschaft. Eine Auswahl grundlegender Texte. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008. ISBN 978-3-518-29399-7.
- mit Kai Bremer: Texte zur modernen Philologie. Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-018724-1.
- mit Safia Azzouni: Dilettantismus als Beruf. Professional Dilettantism. Kadmos, Berlin 2010, ISBN 978-3-86599-498-1.
- Komik. Ein interdisziplinäres Handbuch. Metzler, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-476-02349-0.
- mit Natalie Binczek: Literatur & Audiokultur. Handbücher zur kulturwissenschaftlichen Philologie. de Gruyter, Berlin 2020, ISBN 978-3-11-128150-6.
- mit Irmgard Wirtz: Zukünfte der Philologien im Medienwandel. Wallstein, Göttingen 2025, ISBN 978-3-8353-5963-5.
Weblinks
- Uwe Wirth bei der Universität Gießen
- Publikationsliste im Germanistenverzeichnis