Uwe Wittstock

deutscher Literaturkritiker und Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Uwe Wittstock (* 5. Juni 1955 in Leipzig) ist ein deutscher Literaturkritiker, Lektor und Autor.

Uwe Wittstock in der Zentralbibliothek Carl Brandts Haus, Mönchengladbach. Lesung aus Marseille 1940 im Rahmen des Literarischen Sommers 2024.

Werdegang

Wittstock wuchs in Köln auf und studierte dort Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft. Seine Tätigkeit als Journalist begann er bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er von 1980 bis 1989 in der Literaturredaktion arbeitete. Von 1989 bis 1999 war Wittstock leitender Lektor für deutschsprachige Gegenwartsliteratur im Frankfurter S. Fischer Verlag.[1] In diesem Zeitraum war er auch Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. 2000 wurde er zunächst stellvertretender Feuilletonchef der Tageszeitung Die Welt, seit 2002 war er deren Kulturkorrespondent in Frankfurt am Main. Vom 1. Oktober 2010 bis Ende 2017 war Wittstock Literaturchef des Magazins Focus. Seither ist er freier Schriftsteller und lebt bei Frankfurt am Main.

Wittstocks Buch Februar 33. Der Winter der Literatur stand zwischen September 2021 und Februar 2022 mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in fünfzehn Sprachen übersetzt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete es als „einen großen Wurf“,[2] die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Die atmosphärische Dichte und die Zuneigung, die Wittstock für seine [...] Figuren entwickelt, machen sein Buch zu einer Art emphatischer Geschichtsschreibung.“[3] Der Schriftsteller Pankaj Mishra nannte das Buch in der New York Review of Books „ein gekonnt konstruiertes Kaleidoskop [...] es liest sich wie ein rasanter Roman“[4] und Le Monde bezeichnete es als „eine blendende chorische Erzählung“.[5] Dagens Nyheter (Stockholm) schrieb: „Selten wurde Literaturgeschichte so anschaulich, fast filmisch beschrieben.“[6]

2022 kuratierte Wittstock gemeinsam mit Sylvia Asmus die Ausstellung Marcel Reich-Ranicki. Ein Leben, viele Rollen in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main. Der Katalog zur Ausstellung erschien unter demselben Titel ISBN 978-3-941113-56-5.

Mit dem 2024 erschienenen Buch Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur gelang Wittstock ein erneuter großer Erfolg mit einem Sachbuch über ein Kapitel deutscher Literaturgeschichte im Exil, das von der Literaturkritik äußerst positiv aufgenommen wurde.[7] Im März 2024 stand Marseille 1940 auf Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste sowohl bei Die Zeit (zusammen mit Deutschlandfunk Kultur und ZDF) als auch der Welt (zusammen mit der Neuen Zürcher Zeitung, RBB Kultur und Radio Österreich 1). Das Buch blieb über ein halbes Jahr auf der Spiegel-Bestsellerliste, davon 14 Wochen unter der Top-Five. Es wurde in neun Sprachen übersetzt. Florian Illies schrieb in der Zeit: "Wittstocks Buch besticht durch seine Genauigkeit. Er hat unzählige Erinnerungen der Flüchtenden studiert und Tag für Tag miteinander abgeglichen und verwoben.".[8] Das Buch erzähle, hieß es in Le Monde, von den "epischen Abenteuern" der Exilanten "mit teuflisch präzisen Strichen".[9] Und Corriere della Sera meinte: "Die Geschichte von Wittstock ist die Geschichte der Rettung großer Persönlichkeiten, aber sie ist vor allem ein Denkmal für ganz normale Menschen, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren, um das Leben von ihnen unbekannten Menschen zu retten."[10]

Am 14. März 2026 moderierte er im Deutschlandfunk die Sendung Klassik-Pop-et cetera.

Seit April 2026 ist er Mitglied von PEN Berlin.[11]

Auszeichnungen

1989 wurde Wittstock mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus ausgezeichnet. 2006 vergab er als alleinverantwortlicher Vertrauensmann der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft den Kleist-Preis an Daniel Kehlmann. Im Jahr 2019 erhielt er das Spreewald-Literaturstipendium. 2023 wurde sein Buch Februar 33. Der Winter der Literatur für den Prix du Livre Européen[12] und 2024 Marseille 1940: Die große Flucht der Literatur für den „Bayern 2 Publikumspreis“ im Rahmen des Bayerischen Buchpreis[13] nominiert. 2024 erhielt Wittstock für die chinesische Fassung von "Februar 33" (übersetzt von Chen Zao) den Xingdu-Buchpreis[14] und 2025 für die französische Fassung von "Marseille 1940" (übersetzt von Olivier Mannoni) den Prix littéraire de la Résistance[15] der Organisation der französischen Widerstandsbewegung "CAR – Souvenir Français – Ordre de la Libération". Damit wurde die seit 1953 vergebene Auszeichnung erstmals einem deutschen Autor zugesprochen.

Werke

Herausgeber (Auswahl)

Einzelnachweise

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