V-Bomber

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Als V-Bomber wurden die drei strahlgetriebenen strategischen Bombertypen der britischen Royal Air Force bezeichnet. Sie wurden in den späten 1940er Jahren entwickelt, in den 1950er Jahren in Dienst gestellt und trugen allesamt ein V als ersten Buchstaben der Typbezeichnung. Alle drei waren für den Einsatz von Kernwaffen konzipiert, konnten aber auch konventionelle Abwurf- und später (mit Ausnahme der bereits 1964 ausgemusterten Valiant) auch Lenkwaffen tragen.[1]

Vickers 667 Valiant
Handley Page H.P.80 Victor, 1961
Avro 698 Vulcan

Typenfamilie

Die Typenfamilie der V-Bomber umfasste:

Die Valiant wurde für Kernwaffentests[4] genutzt, danach aber recht schnell zum Tanker umgerüstet,[5] hatte die kürzeste Einsatzdauer der V-Bomber und musste schon 1964 wegen Materialermüdung wieder außer Dienst genommen werden.

Die Victors wurden nach dem Ausscheiden der Valiants zum Tankflugzeug umgebaut und erst 1993 außer Dienst gestellt. Sie hatten mit 35 Jahren die längste Einsatzdauer der drei Flugzeugtypen. „Zusammen mit der Vulcan und einem dritten Bomber, der Vickers Valiant, bildete die Victor die V-Bomber-Flotte der RAF.“ (Rowland White)[6]

Einzig die Vulcan verblieb, selbst wenn auch von ihr einige Exemplare zu Tankflugzeugen umgebaut wurden, überwiegend in ihrer ursprünglichen Aufgabe als Bomber und wurde 1984 ausgemustert. Somit sind inzwischen alle V-Bomber außer Dienst gestellt.

Bedeutung

Die V-Bomber waren eine neue Generation des britischen Bombenflugzeugbaus und lösten die kolbenmotorbetriebenen, relativ preiswerten und für den Masseneinsatz konzipierten schweren Bomber des Zweiten Weltkrieges wie die Avro Lancaster,[7] die Handley Page Halifax, die Short Stirling[8] und auch die von den US-Amerikanern gelieferte B-29 ab.[9][10][11]

Ein vergleichbares Flugzeug ihrer Zeit war die sowjetische Tu-16.[12]

Die V-Bomber bildeten den Höhepunkt des eigenständigen britischen Flugzeugbaus – und erwies sich als der Anfang von dessen Ende. Nach den V-Bombern und dem späteren BAC-TSR-2-Desaster beschaffte die Royal Air Force, neben den einheimischen Mustern Harrier, Buccaneer und Hawk aufgrund der enormen Kosten nur noch Gemeinschaftsprojekte wie den Jaguar, den Tornado oder den Eurofighter. Diese Entwicklung bewirkte letztendlich, dass die großen britischen Luftfahrtpioniere Avro (1963), Handley Page (1970) und Vickers (in BAE Systems aufgegangen) aufgeben mussten.

Aus den Bombern wurden die Passagierflugzeuge Vickers VC7, Handley Page HP.111 und Avro 722 Atlantic abgeleitet. Keines dieser Muster kam über das Entwurfsstadium hinaus.

Nutzungsgeschichte

Während der Sueskrise 1956 griffen Valiants ägyptische Flugplätze mit konventionellen Bomben an.[13] Die Basis für diese Angriffe war Luqa auf Malta, das zu diesem Zeitpunkt noch britische Kolonie war.

Explosion der ersten von einem Flugzeug abgeworfenen britischen Atombombe (Operation Buffalo, Test 3 "Kite") am 11. Oktober 1956

Alle acht britischen Kernwaffen, die je vom Flugzeug aus zur Explosion gebracht wurden (1956 bis 1958 im Rahmen der Testreihen Operation Buffalo und Operation Grapple), wurden von Valiants des No. 49 Squadron RAF abgeworfen.[14]

Während des Borneo-Konfliktes wurden zwischen 1962 und 1966 zwei Victor als Bomber eingesetzt.

Die V-Bomber-Flotte erreichte ihren quantitativen Höhepunkt im Juni 1964, als 50 Valiants, 39 Victors und 70 Vulcans im aktiven Dienst standen.

Die Aufgabe als strategischer Kernwaffen-Träger verloren die V-Bomber spätestens Ende der 1960er Jahre aufgrund der wachsenden Leistungsfähigkeit der modernen Flugabwehr. Als Rückgrat der britischen Atomstreitmacht im Kalten Krieg wurden sie durch die Atom-U-Boote der Resolution-Klasse ersetzt, die von den USA gelieferte Polaris-Raketen führten.[15] Danach erhielten die V-Bomber andere Aufgaben als strategischer Fernaufklärer, Tankflugzeug und konventioneller Freifall-Bomber.

Besonders die in Norfolk stationierten Handley Page H.P.80 Victor wurde für Luftbetankungszwecke eingesetzt, ebenso die Victor K2 des 55. und 57. Geschwaders, während die Vulcans im Fliegerhorst Waddington dieser Aufgabe bereits früher nicht mehr zugewiesen wurden. In diesen Rollen kamen die V-Bomber auch in einigen Konflikten zum Einsatz. „In den letzten zehn Jahren (1972–1982) waren die verbliebenen Victor-Maschinen (...) ausschließlich als Tankflugzeuge zur Luftbetankung im Einsatz.“ (Rowland White).[16][17][18]

Die letzten Kampfeinsätze flogen die verbliebenen V-Bomber 1982 während des Falklandkrieges; für die Vulcan waren es gleichzeitig auch ihre ersten.[19] Im Rahmen der Operation Black Buck wurde eine Vulcan als Bomber und elf Victor als Tanker erfolgreich eingesetzt, um die Landebahn des Flugplatzes von Port Stanley vom 6.250 km entfernten Ascension aus anzugreifen.[20][21] Bei den folgenden Einsätzen von kombinierten Vulcan- und Victor-Verbänden wurden argentinische Radarstellungen mit Lenkwaffen vom Typ AGM-45 Shrike angegriffen.

Technische Daten im Vergleich

Weitere Informationen Kenngröße, Avro Vulcan 698 B.MK 2 ...
Kenngröße Avro Vulcan 698 B.MK 2 HP Victor BMk.2 Vickers 667 Valiant
Typ Mittlerer Bomber
Besatzung 5 (+1 Tankoperator) 5 5
Antrieb 4 × Rolls-Royce Olympus Mk103
(je 88,9 kN)
4 × Rolls-Royce Conway 201
(je 87,88 kN)
4 × Rolls-Royce RA.28 Avon
(je 44,7 kN)
Höchstgeschwindigkeit 1.038 km/h in 12.000 Höhe 1.024 km/h 912 km/h
Dienstgipfelhöhe 19.810 m 18.300 m 16.460 m
Reichweite 7.400 km 7.360 km 7.000 km
Länge 30,45 m 34,95 m 32,99 m
Höhe 7,95 m 8,97 m 9,80 m
Spannweite 33,83 m 36,80 m 34,85 m
Flügelfläche 368,26 m² 241 m² 219 m²
Leermasse 37.144 kg 41.275 kg 34.419 kg
max. Startmasse 113.400 kg 97.980 kg 63.503 kg
Bewaffnung Blue Steel CM, 21 × 454-kg-Bomben (1.000 Lb), max. Waffenlast ca. 9.500 kg Blue Steel, 35 × 454-kg-Bomben, max. Waffenlast ca. 15.890 kg 1 × 4.540-kg-Bombe oder 21 × 454-kg-Bomben, max. Waffenlast ca. 9.500 kg
Produzierte Einheiten 134 (45×B.1 + 89×B.2) 86 107
Erstflug 30. August 1952 24. Dezember 1952 18. Mai 1951
Indienststellung 1956 1958 1955
Außerdienststellung 1984 1993 1964
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Quellen: [22][23][24][25][26][27][28]

Einzelnachweise

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