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Valeriano Domínguez Bécquer

spanischer Maler, Zeichner und Illustrator From Wikipedia, the free encyclopedia

Valeriano Domínguez Bécquer (eigentlich Valeriano Domínguez Bastida; * 15. Dezember 1833 in Sevilla; † 23. September 1870 in Madrid)[1] war ein spanischer Maler, Zeichner und Illustrator. Er zählt zu den Vertretern des sogenannten Costumbrismo in Spanien und war der Bruder des Dichters Gustavo Adolfo Bécquer.[2]

Valeriano Domínguez Bécquer, 1863. Biblioteca Virtual Miguel Cervantes

Leben

Valeriano Domínguez Bécquer wurde als Sohn des Malers José Domínguez Bécquer (1805–1841) und dessen Frau Joaquina Bastida y Vargas (gest. 1847) in Sevilla geboren. Er war der Bruder des Dichters Gustavo Adolfo Domínguez Bécquer. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er verwaist auf. Wie andere Mitglieder der Familie verwendete er den Künstlernamen Bécquer. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er zunächst bei Alberto Lista am Colegio de San Diego in Sevilla. Anschließend setzte er seine Ausbildung im Atelier seines Onkels Joaquín Domínguez Bécquer fort, der ein Cousin und früherer Mitarbeiter seines Vaters war. Zudem studierte er bei Eduardo Cano in Sevilla. In der Anfangsphase seines Schaffens kopierte er Werke von Bartolomé Esteban Murillo. Seit den 1850er Jahren wandte er sich zunehmend der Genremalerei des Costumbrismo zu. Ab 1855 lebte er mit Winifreda Coghan zusammen, die er 1861 heiratete. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. 1862 übersiedelte Domínguez Bécquer nach Madrid, ein Jahr nach der Trennung von seiner Ehefrau. In Madrid lebte er gemeinsam mit seinem Bruder Gustavo Adolfo unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen. Beide arbeiteten an mehreren Projekten für illustrierte Zeitschriften zusammen.[2]

Valeriano Domínguez Bécquer: El pintor carlista y su familia (Der carlistische Maler und seine Familie, 1859). Prado, Madrid

Im Jahr 1865 erhielt Domínguez Bécquer durch Vermittlung seines Bruders ein Stipendium des Ministeriums für öffentliche Arbeiten. Ziel war es, in verschiedenen Regionen Spaniens Studien über Sitten und Gebräuche anzufertigen, die durch den Eisenbahnbau und die beginnende Industrialisierung zu verschwinden drohten. In diesem Zusammenhang bereiste er unter anderem Aragónien und Kastilien. Im Gegenzug für das Stipendium war er dazu verpflichtet, jährlich zwei Gemälde für staatliche Sammlungen zu liefern. Das Stipendium wurde jedoch zeitweise ausgesetzt, da er dieser Verpflichtung nicht nachkam. Zwischen 1865 und 1869 war er Mitarbeiter der Wochenzeitung El Museo Universal. Seine grafischen Arbeiten erschienen außerdem in El Grabador al Aguafuerte, El Arte en España, La Ilustración de Madrid sowie La Ilustración Española y Americana. Domínguez Bécquer starb am 23. September 1870 im Alter von 36 Jahren in Madrid, wenige Monate vor dem Tod seines Bruders.[2][3]

Werk

Das Werk von Valeriano Domínguez Bécquer wird dem sogenannten zweiten Costumbrismo zugeordnet. Im Zentrum seiner Werke stehen Darstellungen regionaler Lebensweisen, Sitten und Gebräuche verschiedener spanischer Landschaften, insbesondere aus den Regionen um Burgos und Soria sowie aus Aragónien und Kastilien. Zu seinen bekannten Werkgruppen zählen Tipos de Soria, Costumbres de Castilla, Costumbres sorianas sowie Einzelfiguren und Genreszenen wie Pastor con su piara de ganado. Im Rahmen seines staatlichen Stipendiums entstanden Gemälde wie El chocolate, La carreta del pinar (auch El baile oder La carreta de los pinares) und La fuente de la ermita (1867). Sie beruhen auf Milieustudien, die er während seiner Reisen anfertigte. Im Vergleich zu seinen früheren andalusischen Genrebildern konzentrieren sich diese Arbeiten stärker auf ethnografische Aspekte. Neben der Genremalerei schuf Domínguez Bécquer zahlreiche Porträts, darunter Bildnisse seines Bruders Gustavo Adolfo Domínguez Bécquer, seiner Tochter Julia sowie Kinderporträts. Zudem war er als Maler von Gruppenporträts tätig und schuf Werke wie Interior isabelino (1856) und El pintor carlista y su familia (1859). Auch Kirchen- und Klosterinterieurs sowie Darstellungen von Denkmälern zählten zu seinen bevorzugten Motiven.[3]

Ein weiterer Schwerpunkt seines Schaffens lag auf der Zeichnung und Illustration. Viele seiner Zeichnungen dienten seinem Schüler Bernardo Rico als Vorlagen für Holzschnitte. Nach der Revolution von 1868 entstand in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Gustavo Adolfo eine Serie von Aquarellen und Zeichnungen, darunter ein Album mit satirischen Darstellungen, das unter dem Titel Los Borbones en pelota veröffentlicht wurde und von beiden unter dem Pseudonym Sem gezeichnet wurde. Darüber hinaus hinterließ Domínguez Bécquer eine zeichnerische Darstellung der Ereignisse der Revolution von 1868 im Hafen von Cádiz. Seine Werke befinden sich heute in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, darunter in Museen in Madrid, Sevilla, Zaragoza, Granada, Palma de Mallorca, Toledo und Buenos Aires.[3]

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 3, Engelmann, Leipzig, 1909.
  • Manuel Ossorio y Bernard: Galería biográfica de artistas españoles del siglo XIX, Madrid, 1883–1884.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon – Internationale Künstlerdatenbank – Online. Herausgegeben von: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy und Wolf Tegethoff, De Gruyter 2009.
Commons: Valeriano Domínguez Bécquer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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