Vally Wieselthier

österreichische Keramikkünstlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Valerie „Vally“ Wieselthier (* 25. Mai 1895 in Wien, Österreich-Ungarn; † 1. September 1945 in New York City) war eine österreichisch-US-amerikanische Keramikkünstlerin und vielseitige Designerin die auch unternehmerisch tätig war. Sie zählt mit Gudrun Baudisch-Wittke und Kitty Rix-Tichacek zu den talentiertesten Schülerinnen Josef Hoffmanns.

Vally Wieselthier, Plakatentwurf (1916/1917) Zeichnet Kriegsanleihe! MAK Wien, Bibliothek und Kunstblättersammlung
Vally Wieselthier, bunt glasierter Keramik-Ofen mit orientalisierendem Dekor: Turbanbekrönung und figurale Reliefapplikationen, Wien (Nachlass Dr. Paul Szenkovits), 1922
Vally Wieselthier (Entwurf), Wiener Porzellanmanufaktur Augarten (Ausführung), junge Frau mit Affe, um 1925, Porzellan, Aufglasurstaffierung, 1926 auf der Grassimesse ausgestellt und vom GRASSI Museum, Leipzig erworben. Ein Exemplar ist auch im Badischen Landesmuseum Karlsruhe vorhanden
Vally Wieselthier, Jüngling auf einem pavianähnlichen Fabelwesen (1924–25), keramische Kleinplastik, farbige Laufglasur, Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Vally Wieselthier und Adolf Beckert für J&L Lobmeyr, Glasbecher mit einer Darstellung der Königin von Saba (1923–26), Cincinnati Art Museum
Vally Wieselthier (Entwurf), Wiener Werkstätte (Ausführung), Bowle, 1928, Wien Museum
Vally Wieselthier mit der überlebens-großen Plastik Modern Youth in New York, (1929)
Kostümfest im Contempora-Studio, New York City, 1929; v..l.n.r: Paul Poiret, Vally Wieselthier, Paul Lester Wiener, Lucian Bernhard, Frances Lee and Rockwell Kent
Vally Wieselthier, Salome, einen goldenen Schleier um ihren nackten Körper geschwungen, zu Füßen das blutige Haupt Johannes d.T.; um 1938 in New York entstanden, unglasierter Ton, bemalt, MAK Wien (3D - Visualisierung)
Aktfigur mit braunem Schal, New York 1944 (Cincinnati Art Museum)
In den Asphalt gefräster Gedenkteppich der Künstlerin Iris Andraschek für Vally Wieselthier vor dem Eingang zu dem ehemaligen Sitz der Wiener Werkstätte in der Neustiftgasse 32

Ihr innovatives Werk bewegt sich fließend zwischen Kunsthandwerk und überlebensgroßer Skulptur. Neben figürlichen Keramiken und unterschiedlichsten keramischen Gebrauchsgegenständen umfasst es Entwürfe für Holz- und Glasdekore, Stoffmuster, Stickereien, Spitzen, Schmuck und Silbergegenstände sowie Gebrauchsgrafik, die über die Gestaltung von Postkarten und Plakaten bis zu Tapeten reicht. Konventionsbefreite, spielerische Leichtigkeit, farbenfreudige Heiterkeit und ein unerschöpflicher Reichtum an Fantasie zieht sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Werk. Vally Wieselthiers emanzipierte, ungebundene Lebensführung prägte das weibliche Rollenverständnis neu.[1][2][3] Ihr kompromissloses Selbstbewusstsein spiegelt sich nicht nur in ihrer 1932 in englischer Sprache verfassten Autobiographie, sondern auch in einer Reihe von Fotografien, die sie im Schaffensprozess oder im Dialog mit ihren großen figürlichen Plastiken zeigen.[1.1]

Bereits zu Lebzeiten war ihr internationaler Erfolg beschieden.

Biografie

Herkunft und Familie

Valerie Wieselthier wurde am 25. Mai 1895 in eine der gut situierten bürgerlichen Familien Wiens hineingeboren. Sie war Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Wilhelm Wieselthier (1859–1936) und seiner Frau, Rosa Wieselthier (1869–1935), geb. Winkler, vormals verheiratete Weiss. Die Familie mit jüdischem Hintergrund lebte in bevorzugter Wohngegend im 1. Bezirk. Vally Wieselthier hatte noch zwei ältere Halb-Schwestern, Charlotte Weiss und Helga Kende, von denen Erstere im gemeinsamen Haushalt lebte.

Schule und Ausbildung: Frauenkunstschule und Wiener Kunstgewerbeschule

Die Eltern legten Wert auf Bildung. Vally besuchte das Öffentliche Mädchenlyzeum des Schulvereines für Beamtentöchter in der Langen Gasse 47.[4] Früh zeigten sich ihre künstlerischen Neigungen. Doch größte Freude bereitete ihr der Sport. Mit 12 Jahren gewann sie den Meistertitel im Schwimmen und Tauchen. Ebenso glänzte sie im Tennis, im Skifahren und im Hockey.[1.2]

Entgegen elterlicher Erwartungen konnte Vally Wieselthier den Wunsch durchsetzen, Künstlerin zu werden. Bis 1920 nahm die staatliche Akademie der bildenden Künste in Wien ausschließlich männliche Bewerber auf. Frauen stand lediglich die private Frauenkunstschule offen. Hier schrieb sich Vally Wieselthier 1912 bei Otto Friedrich ein. Sie schloss jedoch den dreijährigen Studiengang nicht ab.

Im Kriegsjahr 1914 gelang ihr vielmehr die Aufnahme an die fortschrittliche Wiener Kunstgewerbeschule. Über zwei Tage zogen sich die herausfordernden Eignungsprüfungen hin, wie sie sich in ihrer Autobiographie erinnert. Nur ein Drittel der Bewerberinnen konnte sich qualifizieren.[1.1]

Prägenden Einfluss auf die Institution übten in diesen Jahren die Ideen des Malers, Kunsterziehers und Reformpädagogen Franz Čižek aus. Er forderte Respekt vor dem individuellen schöpferischen Talent und bahnte den Weg zu traditionsbefreiten Avantgardismen.[5]

Unter Vally Wieselthiers Lehrern und Lehrerinnen sind neben Franz Čižek (Formenlehre) vor allem Rosalia Rothansl (Werkstätte Textil), Koloman Moser (Fachklasse für dekoratives Zeichnen und Malen), Josef Hoffmann (Fachklasse Architektur) und Michael Powolny (Werkstätte Keramik) hervorzuheben. Daneben arbeitete sie im Ersten Weltkrieg als Hilfskrankenschwester.

Wiener Werkstätte und Künstlerinnenwerkstätte

Noch zu Studienzeiten gewann Josef Hoffmann die begabte Schülerin für die Wiener Werkstätte, wo sie sofort in verschiedene Projekte involviert wurde. So beteiligte sie sich mit Grafiken an den Mappenwerken Die Mode 1914/15 und Das Leben einer Dame. Auch übernahm sie verschiedene Textilgestaltungen.[6]

Dagobert Peche, der von Hoffmann 1915 für die Wiener Werkstätte gewonnen werden konnte, war in diesem Fachbereich die überragende Gestalt. Sein besonderer Verdienst lag darin, das Ornament als eigenwertige Kunstform etabliert und in verschiedensten Medien verwirklicht zu haben, unabhängig von der Art des Gegenstandes, dessen Funktion oder Materials.[1.3] Von seinem einflussreichen Wirken, wie von enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin zeugt beispielsweise ein Vorhang aus 81 geklöppelten Spitzen-Einsätzen. Die Motive dazu lieferten neben Dagobert Peche auch Vally Wieselthier und Anny Schröder-Ehrenfest.[7][8.1]

Die Liebe zum vitalen Ornament verband Vally Wieselthier eng mit Dagobert Peche, doch bald fand die Künstlerin in farbig glasierter Keramik ihr bevorzugtes Medium. Wie die Kunsthistorikerin Marianne Hörmann bemerkt, unterschied sich der Zugang Vally Wieselthiers dabei von jenem ihres Lehrers. Sie entwickelte ihre Ideen nicht auf der Fläche einer Entwurfszeichnung, sondern in direkter, taktiler Auseinandersetzung mit dem Material und verlieh dem prozessualen Verlauf des nicht bis ins Letzte bestimmbaren Keramikbrandes Sichtbarkeit. Changierende, ungleich farbendichte, Fließglasuren in leuchtenden Farben spielen in ihren frühen Keramiken eine wichtige ästhetische Rolle. Kontrapunktisch zur eigentlichen Formgestalt von Gefäßen oder anderen Gebrauchskeramiken setzt sie grelle, häufig auch plastische Akzente, etwa mit Hilfe von Applikationen.[1.4] Funktion und Dekor behaupten sich als gleichwertige Gegenspieler.

Ab 1919 wagte sich Vally Wieselthier auch an größere Skulpturen, aus denen später überlebensgroße Formate hervorgehen sollten.[1.5] Dabei stellte sie überwiegend weibliche Persönlichkeiten aus Mythologie, Allegorie und dem Alten Testament dar. Ein Charakteristikum ihrer puppenhaften, meist stark geschminkten Frauengestalten sind schlanke, zu weiten Teilen nackte Körper, deren überlange, knochenlose Glieder in zart geschwungene Gelenke übergehen. Von sanfter Melodik durchdrungen, scheinen die Frauen in sich zu ruhen und geben ihre Schönheit den Blicken preis.[1.6]

Wichtiger Teil der Wiener Werkstätten war die Künstlerinnenwerkstätte in der Döblergasse 4. Die Idee dazu hatte Josef Hoffmann bereits 1916 lanciert. In den schwierigen Kriegsjahren wollte er vielversprechenden Absolventen und Absolventinnen der Kunstgewerbeschule weitere Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Wie Vally Wieselthier waren die meisten unter ihnen Frauen. Auf 85 Quadratmetern boten die Räumlichkeiten ein freilassendes Experimentierfeld für ein kreatives künstlerisches Forschen. Werkzeuge, Gerätschaften und Materialien standen zur Verfügung, etwa auch Töpferscheiben und ein Ofen. Die Frage nach späterer Verwendung der entstehenden Werke stand nicht zur Debatte. Zu bestimmten Anlässen, wie den Weihnachtsausstellungen, öffentlich zugänglich, wurde das innovative Schau-Atelier auch mehrfach in der Tagespresse besprochen.[9] Perlarbeiten, Emails, Puppen, Elfenbeinschnitzereien, bemalte Gläser, Stoffmuster, Wollblümchen, Tunkpapiere, graphische Entwürfe für Weihnachtskarten und vieles mehr zählte zur breiten Produktpalette. Gruppenfotos, etwa von Vally Wieselthier, Gudrun Baudisch-Wittke und Kitty Rix-Tichacek in der Keramikwerkstätte, dokumentieren den kollaborativen Arbeitsstil und schworen die aufstrebenden Künstler und Künstlerinnen solidarisch zusammen.[10]

Gemeinsam mit Lotte Calm, Fritzi Löw und anderen Mitarbeiterinnen gestaltete Vally Wieselthier um 1918, die Wände im Stiegenhaus des neuen Verkaufslokals der Wiener Werkstätten in der Kärntner Straße 32.[2][11] 1920 erhielt sie schließlich von Josef Hoffmann ihr eigenes Atelier.[1.7]

Dennoch blieben auch Spannungen nicht aus. Nach Auseinandersetzungen mit Philipp Häusler, einem ehemaligen Schüler und Assistenten Hoffmanns, verließ Vally Wieselthier die Wiener Werkstätten.[8.2]

Frühe Erfolge und eine eigene Werkstatt (1921–1927)

Mit dem Gewerbeschein einer Hafnermeisterin machte sich die Künstlerin 1921 unabhängig und gründete eine eigene Keramikwerkstätte. Sie entdeckte dabei auch ihre pädagogische Befähigung, bildete Lehrlinge aus und publizierte ein programmatisches Konzept:[12]

„Ich möchte bestimmt behaupten, daß der Weg des guten Handwerks nicht, wie ich von vielen Seiten höre, aus der Kunst zum Handwerk, sondern umgekehrt aus dem Handwerk zur Kunst geht.“

Vally Wieselthier: Meine Werkstätte (1926)

Gleichzeitig nahm sie Kooperationen mit verschiedenen Firmen auf: Bereits in den ersten Jahren lieferte sie Entwürfe für Holzkasetten an die Firma Dr. Paul Szenkovits.[2] Weitere wichtige Partner waren etwa die 1923 neu gegründete Porzellanmanufaktur Augarten, die Manufaktur der Gmundner Keramik unter Josef Böck, die Manufaktur Friedrich Goldscheider, die Heinsteinwerke Heidelberg[13][14] oder der Glasverleger Lobmeyr. Von der Gemeinde Wien erhielt sie schließlich Aufträge für Bauplastiken.[11]

Auf der Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes (1925) in Paris erregten ihre expressiven und humoristischen Porzellanfiguren große Aufmerksamkeit.[15] Sie galten als typische Beispiele des Art-Déco-Stils. Für ihr bei J&L Lobmeyr verlegtes Glas Verstand erhielt sie die Auszeichnung Gold. Zeitweise unterhielt die Künstlerin in der französischen Hauptstadt auch ein Atelier, das sie erst 1932 aufgeben sollte. Der Kulturkontakt mit der Pariser Kunstszene löste nicht nur bei Vally Wieselthier eine Wende in Stil und Motivik aus. Künstler und Künstlerinnen der Wiener Werkstätten öffneten sich nun zunehmend gegenüber aktuellen Strömungen zeitgenössischer Kunst, der Mode und des Theaters.[1.8]

1927 gelang es Vally Wieselthier, die eigene Werkstätte einschließlich aller Lizenzen auf ihre Modelle an die Wiener Werkstätten zu verkaufen. Sie trat dieser erneut bei und übernahm die Leitung der keramischen Abteilung.

Übersiedelung nach New York 1928/1929: Künstlerfeste und ein neuer Absatzmarkt

1928 wurde sie zur International Exhibition of Ceramic Art im Metropolitan Museum of Art, New York City eingeladen und war dort mit 5 Werken vertreten.[16][17] Ein Aufenthalt von 17 Monaten schloss sich an. Der Sohn Josef Hoffmanns und seine Frau boten ihr ein angenehmes Unterkommen.

Schnell fand die Wienerin in den Kunstkreisen der Neuen Welt Anerkennung. Auf New Yorker Künstlerfesten war sie mit prominenten europäischen Emigranten, wie dem Begründer der Wiener Werkstätten Fritz Wärndorfer oder dem französischen Modeschöpfer Paul Poiret zu sehen und zeigte sich in auffallenden Aufmachungen.[18] Zu den illustren Kreisen in ihrem Umfeld zählten darüber hinaus Paul Theodore Frankl, Friedrich Kiesler, Eugen Schoen, Rudolf und Rena Rosenthal und Ely Jacques Kahn, von dem sie den ungewöhnlichen Auftrag für die Gestaltung von bronzenen Lifttüren in der 745 Fifth Avenue (Squibb Building) erhielt.[19] Auch trat Vally Wieselthier 1928 der Künstlervereinigung The American Union of Decorative Artists and Craftsmen, New York bei.

Trotz der Weltwirtschaftskrise konnte sie bald einige Verkaufserfolge für sich verbuchen. Dabei fanden ihre Entwürfe für Stoffmuster und verschiedene Kleinmöbel größeren Anklang als ihre Plastiken.[20] Dass Erzeugnisse der Wiener Werkstätten und des Werkbundes in verschiedenen New Yorker Warenhäusern gehandelt wurde, kam ihr zugute. Made in Austria galt als geschätzte Marke.[18]

„Österreich erfreut sich in allen Dingen der Kunst eines guten Leumundes, man schätzt die spielerische Form und die amüsanten delikaten Gebrauchsgegenstände, die das Wiener Kunstgewerbe nach Amerika bringt.“

Die Bühne 1929 (Heft Nr. 218), S. 17

Gefeiert, verlegte Vally Wieselthier ihren Lebensmittelpunkt zunehmend in die USA und eröffnete 1932 ihr eigenes Atelier in New York. Sie blieb jedoch ihrem selbst bestimmten, rastlosen Lebensstil treu und zog nur ein Jahr später, 1933, mit dem Architekten und Städteplaner Paul Lester Wiener nach Chicago, von dem sie sich jedoch bald wieder trennen sollte, um wieder nach New York zurückzukehren.

Gemeinsam mit Lester Wiener, Lucian Bernhard, Bruno Paul und Paul Poiret arbeitete sie als Designerin für die Contempora Group, einem unternehmerischen Künstlerverbund, dem sich vor allem Migranten aus europäischen Kulturkreisen angeschlossen hatten. Man verstand sich als internationales Haus für Kunst im Dienste der Industrie und widmete sich Fragen einer geschmackvollen Inneneinrichtung. Nach ausgewählten Prototypen wurden Möbel im großen Stil industriell hergestellt. Sie sollten dennoch Ansprüchen nach Qualität und Individualität gleichermaßen genügen.[1.9] Bald wurden auch Büros in Europa eröffnet. Vally Wieselthier gehörte dieser Vereinigung als einzige Frau an. Sie steuerte Zimmerplastiken und Reliefs bei.[21]

Ebenso war sie für die Sebring Pottery Company in Ohio[22], die General Ceramics in New Jersey, die Mayer China Company, Beaver Falls, Pennsylvania, wie die Dunkirk Glass Works in New York City tätig. Die einst von den Wiener Werkstätten genährten Ideen des Kunstgewerbes in dieser neuen Umgebung zu fördern, blieb ihr stets ein wichtiges Anliegen.[20] Auch lehrte sie mit unkonventionellen Lehrmethoden an verschiedenen Bildungs-Institutionen, wie etwa an der Louisiana State University.[23]

Tod

Vally Wieselthier starb am 1. September 1945 nach schwerer Krankheit in einem New Yorker Krankenhaus. Am 3. September erschien ein ausführlicher Nachruf in der New York Times.[24] Der Keramiker Waylande Gregory nahm ihre Hände in Gips ab.[1.10]

Gedenkorte für Vally Wieselthier

Vor dem Eingang zu den ehemaligen Wiener Werkstätten in der Neustiftgasse, einem Ort, den Vally Wieselthier unzählige Male passiert hat, installierte die österreichische Künstlerin Iris Andraschek 2011 ein Bodendenkmal mit dem eingeschriebenen Appell: „Tell these people, who I am!“

In Form eines ausgebreiteten Teppichs, dessen Umriss, Ornamentik und Schriftzüge in den Asphalt gefräst wurden, wird an eine Episode erinnert, mit der Vally Wieselthier 1938 großes Aufsehen erregt hat: Aufgrund provokanten Auftretens war sie aus ihrem Lehrauftrag an der Louisiana State University entlassen worden. Empört wandte sie sich daraufhin direkt an den Präsidenten Franklin D. Roosevelt und forderte ihn zu jenem titelgebenden Sprechakt auf: „Tell these people, who I am!“[23]

Das Vally Wieselthier gewidmete Bodendenkmal ist Teil einer Serie, mit der Iris Andraschek bedeutenden Frauen im Stadtviertel Wien-Neubau ein authentisches, sichtbares Lebenszeichen gesetzt hat.[25][26]

2021 beschloss der Wiener Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft, auch einen unweit der Neustiftgasse gelegenen Park nach ihr zu benennen.[27]

Siehe auch

Ausstellungen (in Auswahl)

Einen Überblick über die ungewöhnlich rege, internationale Ausstellungstätigkeit Vally Wieselthiers liefert die Kunsthistorikerin Marianne Hörmann. Zwischen 1915 und 1944 verzeichnet sie 55 Ausstellungen in Österreich, den Niederlanden, Deutschland und US-Amerika.[1.11]

Zu Vally Wieselthiers Durchbruch haben folgende Ausstellungen beigetragen:

Posthume Ausstellungen:

  • 1948: Nach ihrem frühen Tode richtete die Galerie St. Etienne, New York eine Gedächtnisausstellung für Vally Wieselthier aus. Danach verblasste das Renommee der emigrierten Wiener Künstlerin in Europa und Übersee.

Museen und Sammlungen (in Auswahl)

Literatur

  • Alastair Duncan: Encyclopedia of Art Deco. William Collins, Sydney 1988, ISBN 0-7322-0013-X, S. 183
  • Marianne Hörmann: Vally Wieselthier. 1895–1945. Wien – Paris – New York. Keramik – Skulptur – Design der zwanziger und dreißiger Jahre. Böhlau, Wien 1999, ISBN 3-205-99132-X (Zugleich: Universität Innsbruck, Dissertation, 1999).
  • Hertha Kratzer: Die großen Österreicherinnen. 90 außergewöhnliche Frauen im Porträt. Ueberreuter, Wien 2001, ISBN 3-8000-3815-3.
  • Robert E. Dechant, Filipp Goldscheider: Goldscheider. Firmengeschichte und Werkverzeichnis. Historismus, Jugendstil, Art Déco, 1950er Jahre- Arnold, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89790-216-9.
  • Die bessere Hälfte: jüdische Künstlerinnen bis 1938. In: Andrea Winklbauer und Sabine Fellner im Auftrag des Jüdischen Museums Wien. (Hrsg.): Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, 4. November 1916 - 1. Mai 2017. Metro Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-99300-274-9.
  • Christoph Thun-Hohenstein, Anne-Katrin Rossberg, Elisabeth Schmuttermeier (Hrsg.): Die Frauen der Wiener Werkstätte. MAK, Wien und Birkhäuser Verlag, Basel 2020, ISBN 978-3-0356-2211-9.
  • Bernhard Denscher: Vally Wieselthier - von Wien nach New York. In: Bernhard Denscher (Hrsg.): Gebrauchsgrafik aus Österreich. 51 Lebensläufe. Sesculus Verlag, Wolkersdorf 2022, S. 165–167. Wiederabgedruckt in: Barbara Denscher (Hrsg.): Die Flaneurin. Online-Magazin und in Austrian Posters. Beiträge zur Geschichte der Visuellen Kommunikation. Online Magazin.
  • Johanna Flawia Figiel: Vally Wieselthier „Trällernde Vergnügtheit und ein technisches Können“. In: dies.: Tonangebend. Starke Frauen und ihre Kunst 1918–1945. Ausstellungskatalog Keramikmuseum Stauffen. Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 2023, ISBN 978-3-937345-94-9, S. 66–79.
  • Elana Shapira: „The Laugh of the Medusa“. Ceramicist Vally Wieselthier and Her Lessons on Women’s Sexuality. In: Dies., Anne-Katrin Rossberg (Hrsg.): Gestalterinnen. Frauen, Design und Gesellschaft im Wien der Zwischenkriegszeit. De Gruyter, Berlin 2023, ISBN 978-3-11-077194-7, S. 117–132 (https://doi.org/10.1515/9783110771947-008).
Commons: Vally Wieselthier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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