Vaterland (2026)

Film von Paweł Pawlikowski From Wikipedia, the free encyclopedia

Vaterland (internationaler englischsprachiger Titel: Fatherland) ist ein Spielfilm von Paweł Pawlikowski aus dem Jahr 2026. Das Drama in Schwarzweiß-Bildern stellt den deutschen Schriftsteller Thomas Mann und seine Tochter Erika in den Mittelpunkt, die gemeinsam ins Nachkriegsdeutschland zurückkehren. Die Hauptrollen übernahmen Hanns Zischler und Sandra Hüller. Die europäische Koproduktion zwischen Polen, Deutschland, Italien und Frankreich wurde im Mai 2026 im Hauptwettbewerb des Filmfestivals von Cannes uraufgeführt und gewann dort den Preis für die beste Regie. Ein regulärer Kinostart in Deutschland ist für Anfang September 2026 geplant.

TitelVaterland
Erscheinungsjahr2026
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Vaterland
Produktionsland Polen, Deutschland, Italien, Frankreich
Originalsprache Deutsch, Französisch, Englisch, Russisch
Erscheinungsjahr 2026
Länge 82 Minuten
Stab
Regie Paweł Pawlikowski
Drehbuch Paweł Pawlikowski, Henk Handloegten
Produktion Mario Gianani, Lorenzo Mieli, Ewa Puszczyńska, Jeanne Tremsal, Edward Berger, Lorenzo Gangarossa
Musik Marcin Masecki
Kamera Łukasz Żal
Schnitt Paweł Pawlikowski, Piotr Wójcik
Besetzung
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Handlung

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges im Jahr 1949 reist der weltbekannte Schriftsteller Thomas Mann gemeinsam mit seiner Tochter Erika zurück nach Deutschland. Mehr als 15 Jahre hat er im Exil verbracht. In Frankfurt am Main und im sowjetisch besetzten Weimar erhält er den Goethepreis und soll Reden zum 200. Geburtstag des Dichters halten.[1] In einem schwarzen Buick starten sie in der Trizone und durchqueren das vom Zweiten Weltkrieg zerstörte Land in Richtung Weimar. Als Vater und Tochter die tragische Nachricht vom Suizid Klaus Manns erreicht, der Sohn von Thomas Mann und jüngere Bruder von Erika, versuchen sich beide gegenseitig Trost zu spenden. Den Schmerz lindert auch Thomas’ und Erikas gemeinsame Liebe zur Kunst.[2][3][4]

Hintergrund

Vaterland ist der siebte Spielfilm des polnischen Regisseurs Paweł Pawlikowski (Alternativtitel: Fatherland oder 1949).[3] Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit dem deutschen Filmemacher Hendrik Handloegten. Nach seinen preisgekrönten Werken Ida (2013) und Cold War – Der Breitengrad der Liebe (2018) nahm sich Pawlikowski wieder der Themen „Identität, Schuld, Familie und Liebe inmitten der Turbulenzen und moralischen Verwirrung des Nachkriegseuropas“ an.[5] Die Geschichte hält sich nicht an historische Fakten – tatsächlich wurde Thomas Mann bei der dargestellten Reise von seiner Ehefrau Katia begleitet und nicht von seiner Tochter Erika.[6]

Die Hauptrollen als Thomas Mann und dessen Tochter Erika übernahmen die deutschen Schauspieler Hanns Zischler und Sandra Hüller. Für Hüller seien die Szenen am schwierigsten gewesen, in der es um die tiefe Trauer der Figuren ging. „Und zwar nicht nur über den Verlust des Familienmitglieds Klaus Mann, sondern auch über den Verlust der Heimat. Das ist etwas, das mich persönlich die ganze Zeit begleitet hat“, so die Schauspielerin.[7] Zum Darstellerensemble gehörten unter anderem August Diehl als Klaus Mann, Devid Striesow als Dichter und SED-Politiker Johannes R. Becher, Joachim Meyerhoff als Erikas Ex-Ehemann Gustaf Gründgens sowie die Geschwister Enno und Theo Trebs als Wieland und Wolfgang Wagner.[2]

Die Dreharbeiten fanden ab Mitte August 2025 in Polen, Deutschland und Italien statt.[2] Dabei vertraute Pawlikowski auf sein langjähriges polnisches Filmteam um Kameramann Łukasz Żal, Kostümbildnerin Aleksandra Staszko, Editor Piotr Wójcik, die Szenenbildner Katarzyna Sobańska und Marcel Sławiński sowie Komponist Marcin Masecki.[8] Wie bei früheren Werken Pawlikowskis drehte Żal in schwarzweiß im „engen Academy-Format (1:1,37)“.[9]

Produziert wurde Vaterland vom Streaminganbieter Mubi, den Italienern Mario Gianani und Lorenzo Mieli (Our Films) sowie Lorenzo Gangarossa (Circle One), der Polin Ewa Puszczyńska (Extreme Emotions), der Britin Jeanne Tremsal und dem Deutschen Edward Berger (Nine Hours) sowie dem Franzosen Dimitri Rassam (Chapter2).[5][8] Die ungefähren Produktionskosten werden mit 10 Millionen Euro angegeben.[10]

Rezeption

Veröffentlichung

Die Uraufführung von Vaterland fand am 14. Mai 2026 im Hauptwettbewerb des 79. Filmfestivals von Cannes statt.[11] Auch beim australischen Sydney Film Festival einen Monat später wurde die Produktion mit weiteren Berlinale- und Cannes-Beiträgen in den Hauptwettbewerb aufgenommen.[12]

Ein regulärer Kinostart in Polen ist ab 19. Juni 2026 geplant.[13]

Die Deutschlandpremiere erfolgt als Eröffnungsfilm des am 26. Juni 2026 beginnenden 43. Filmfests München.[9] Ein offizieller Kinostart im Verleih von Neue Visionen folgt am 3. September 2026.[14]

Kritiken

Im zum Festival von Cannes herausgegebenen Kritikenspiegel des Branchenmagazins Screen International schnitt Pawlikowskis Regiearbeit mit 3,3 von 4 möglichen Sternen unter allen 22 gezeigten Wettbewerbsbeiträgen am besten ab. Höchstnoten erhielt der Film unter anderem von Nt Binh von der französischen Filmzeitschrift Positif und Peter Bradshaw vom britischen The Guardian.[15] Auch der amerikanische Branchendienst IndieWire zählte Vaterland zum Favoriten auf den Hauptpreis.[16] In einem rein französischsprachigen Kritikenspiegel der Website Le film français sah mit Éric Neuhoff von der Tageszeitung Le Figaro nur einer von 15 Kritikern den Film als Palmen-Favoriten an.[17]

Auf der Website Metacritic erhielt Vaterland eine Bewertung von 90 von 100 möglichen Punkten, basierend auf über einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Das Echo der Rezensenten wurde mit „einhelligem Beifall“ („universal acclaim“) beurteilt und es wurde eine eindeutige Filmempfehlung („must-see“) ausgesprochen.[18] Von den auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführten über 30 Kritiken wurden 94 Prozent als positiv („fresh“) eingeschätzt.[19]

Maria Wiesner von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung machte „Kunst und Identität“ als Themen des Films aus und lobte das Zusammenspiel von Sandra Hüller und Hanns Zischler. Der Kritikerin blieb vor allem eine Szene mit der Schauspielerin in Erinnerung, in der Erika versucht, der Mutter per Telefon in den USA Trost zu spenden. Was „sich dabei in wenigen Sekunden“ in Hüllers „Gesicht an Gefühlskomplexität“ abspiele, böte „Stoff für ganze Schauspielseminare“. Regisseur Pawlikowski gehe aber auch der Frage nach, „was Künstler tun müssten, wenn der Faschismus an die Macht kommt“.[20]

David Steinitz von der Süddeutschen Zeitung pries Vaterland als erstes großes „Highlight des Festivals“, der trotz seiner Kürze „viel mehr“ erzähle, „als so manch andere Zwei- bis Dreistünder“ im Festivalprogramm. „Die große Kunst“ der Regie sei es, dass sie „diese komplizierte Gemengelage, dieses Durcheinander der Traumata und Ideologien, in kurzen, prägnanten Szenen zum Ausdruck“ bringe. Steinitz wies in seiner Kritik auch auf das kühle „Kalter-Krieg-Schwarz-Weiß“ und schmalere Bildformat hin, das Pawlikowski bevorzugte. Die „ästhetische Einengung“ übertrage sich auf den Gemütszustand der Figuren. Steinitz stimmte in das Lob über Hanns Zischler und Sandra Hüller mit ein. Ihre Darstellungen seien „Pawlikowskis größter Coup“ und „preisverdächtig“. Zischler spiele Thomas Mann „mit einer berührenden Mischung aus schwerer Melancholie und leichtem Schalk“, ohne ihn „zur Karikatur zu machen“. Hüller schaffe es ebenso, Erika „in ihrer ganzen, lebenslangen Tragik sichtbar zu machen, obwohl der Film nur einen sehr kurzen Ausschnitt ihrer Biografie“ präsentiere. Lebhaft in Erinnerung blieb Steinitz die Ohrfeige-Szene mit Joachim Meyerhoff als Gustaf Gründgens.[6]

Nach Matern von Boeselager vom Online-Portal Spiegel+ habe Vaterland beim Festival von Cannes „begeistert“ und werde als Oscar-Kandidat gehandelt. Das Werk sei „ein melancholisches Roadmovie durch die deutsche Seele“. Wie Steinitz lobte er die „knappen, prägnanten Szenen“, die zwei Tragödien umreißen würden: „die des zerstörten Landes der Verbrecher“ und den Suizid von Klaus Mann, mit dem seine Familie konfrontiert wird. Auch er lobte die Leistungen der beiden Hauptdarsteller.[21]

Auszeichnungen

Paweł Pawlikowski mit seinem gewonnenen Regiepreis

Vaterland war Paweł Pawlikowskis zweiter Film nach 2018, der in den Wettbewerb um die Goldene Palme eingeladen wurde. Dort wurde ihm gemeinsam mit Javier Calvo und Javier Ambrossi (La bola negra) der Regiepreis zuerkannt.[22]

Weitere Informationen Festival, Kategorie ...
Festival Kategorie Resultat Person
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Einzelnachweise

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