Vertrag von Stensby

Abkommen zwischen König Waldemar II. von Dänemark und dem Deutschen Orden From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Vertrag von Stensby war ein Abkommen zwischen König Waldemar II. von Dänemark und dem Deutschen Orden, das am 7. Juni 1238 in Stensby auf der Insel Seeland in Dänemark unterzeichnet und im September 1243 von Papst Innozenz IV. bestätigt wurde.[1] Durch das Abkommen wurde der nördliche Küstenstreifen Estlands im Austausch gegen militärische Unterstützung an das Königreich Dänemark abgetreten.[2] Durch den Vertrag gingen die vier historischen estnischen Kreise Reval (heutiges Tallinn und Umland), Jerwen (Järva), Harrien (Harju) und Wierland (Virumaa) in den Besitz Dänemarks über.[3]

Alte Landschaften Estlands auf Estnisch: Der Vertrag von Stensby gab Nordestland (Reval, Järva, Harju und Virumaa) an Dänemark zurück.

Hintergrund

Von Mai 1223 bis November 1225 hielt Graf Heinrich von Schwerin König Waldemar II. von Dänemark und dessen Sohn Waldemar den Jüngeren gefangen. Während dieser Zeit verlor Dänemark seine Vormachtstellung in der Ostseeregion.

Im Jahr 1225 übertrug Dänemark die Herrschaft über Estland an Bischoff Wilhelm von Modena. Die Schwertbrüder nahmen jedoch das Gebiet in Besitz und weigerten sich, es abzutreten. Der päpstliche Legat Baldwin von Alna forderte im Sommer 1233 im Namen des Papstes, dass der Schwertbrüderorden die Burg von Reval übergeben solle, doch dieser weigerte sich erneut und besiegte in den folgenden Kämpfen (möglicherweise August–September 1233) Baldwins Truppen.[4] Waldemar II. reichte schließlich bei der Römischen Kurie eine Beschwerde gegen den Schwertbrüderorden ein und plädierte vor dem Papst für die Rückeroberung Nordestlands.[5]

Im Februar 1236 beschloss Papst Gregor IX, dass die Livländischen Schwertbrüder Reval, Harrien, Jerwen, Harrien und Wierland an den dänischen König abtreten sollten. Im September 1236 wurden die Schwertbrüder (zusammen mit ihren Verbündeten aus Pskow und weiteren) in der Schlacht von Saule gegen die heidnischen Litauer entscheidend geschlagen. Dies beschleunigte ihre Umstrukturierung zum Livländischen Orden, der im Mai 1237 als autonomer Zweig in den Deutschen Orden eingegliedert wurde. So geschwächt und mit neuen deutschen Oberherren, die ihre neuen Eroberungen in der Region konsolidieren wollten, mussten die ehemaligen Schwertbrüder schließlich einen Kompromiss mit dem dänischen König eingehen und viele ihrer in den letzten zehn Jahren erzielten Gewinne aufgeben, während sie andere behielten.[5]

Vertragsinhalt und Unterzeichnung

Wilhelm von Modena überzeugte den Deutschen Orden (bezeichnet als fratrum domus Theutonice hospitalis sancte Marie Ierosolimitani, abgekürzt fratres, „Brüder“[3]) davon, der päpstlichen Resolution zu folgen und Nordestland an den dänischen König zurückzugeben. Der päpstliche Legat traf sich mit Vertretern Dänemarks und des Deutschen Ordens in Stensby. Der Deutsche Orden erklärte sich bereit, Revala (einschließlich Reval, dem heutigen Tallinn), Virumaa (Vironia), Järva (Jerwia) und Harju (Harria) an König Waldemar II. von Dänemark zurückzugeben.[1][5]

Der dänische König schenkte Järva dem Deutschen Orden unter der Bedingung, dass der Orden ohne seine Zustimmung keine Burgen in dem Gebiet errichtete und dass die Landschaft in der Diözese Reval verblieb. Er erklärte sich auch bereit, künftige Feldzüge des Ordens zu unterstützen. Die zukünftigen Gebiete, die sie gemeinsam von den Heiden erobern sollten (de terris acquirendis a paganis communibus expensis regis et fratrum), sollten zwischen ihnen aufgeteilt werden: Der dänische König sollte zwei Drittel des erworbenen Landes behalten (optineat rex duas partes), während der Orden ein Drittel erhalten würde (et fratres terciam).[3][5]

Viele Jahrhunderte haben mehrere Historiker die Ansicht vertreten, dass der Vertrag von Stensby Pläne für einen Angriff auf die Rus, d. h. die Republik Nowgorod und/oder das Pskow, enthielt, um diese zu erobern und die gesamte Region zum Katholizismus zu bekehren. Der Vertrag erwähnt jedoch nichts davon; er erwähnt lediglich „Heiden“ (paganis) und verbietet Christen, ohne päpstliche Erlaubnis gegeneinander zu den Waffen zu greifen.[5]

Umsetzung

Die erhaltenen Zeugnisse deuten darauf hin, dass die Umsetzung des Vertrags von Stensby nicht reibungslos verlief, da der päpstliche Legat Wilhelm von Modena „ein Dekret erließ, mit dem alle Friedensbrecher in dem Gebiet unter seiner Legation exkommuniziert wurden“. Es scheint auch, dass ehemalige Schwertbrüder gegen den neuen deutschen Landmeister in Livland, Hermann Balk, rebellierten, der ins Reich fliehen musste, wo er im Frühjahr 1239/40 starb.[5] Laut dem Historiker Anti Selart gelang es dem dänischen König Waldemar II. nie, den im Vertrag vorgesehenen Kreuzzug gegen die Heiden durchzuführen. Im Dezember 1240 trafen Papst Gregor IX. und Bischof Uffe Thrugotsen von Lund noch Vorbereitungen für einen Kreuzzug nach Estland, was darauf hindeutet, dass noch kein dänischer König der Newa-Region oder dem Land der Woten östlich davon gekämpft hatte. Im folgenden Jahr starb Valdemar II. und es kam zu einem dänischen Erbfolgekrieg (1241–1244) zwischen seinen Söhnen Erik und Abel, wodurch die Durchführung eines Kreuzzugs unmöglich wurde.[6]

Im September 1243 bestätigte Papst Innozenz IV. den Vertrag von Stensby.[1]

Einzelnachweise

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