Victoria Lidiard
englisch-britische Augenoptikerin und Suffragette
From Wikipedia, the free encyclopedia
Victoria Lidiard, geborene Simmons (* 23. Dezember 1889 in Clifton, Bristol; † 3. Oktober 1992 in Hove, East Sussex) war eine englisch-britische Augenoptikerin, Sozialaktivistin, Suffragette und christliche Autorin, die als die am längsten lebende Suffragette Großbritanniens gilt.[1]


Leben
Lidiard wurde als Teil einer großen Familie mit 13 Kindern geboren. Ihr Vater war Möbelhändler und vertrat traditionelle Ansichten über die Rolle der Frau. Ihre Mutter hingegen hatte progressive Ansichten zu Politik und Religion. Sie besuchte eine örtliche Privatschule, die sie im Alter von 14 Jahren verließ, um in einem Fotostudio zu arbeiten.[2] Abends lernte sie Buchhaltung und Stenografie.[3]
Zusammen mit ihrer Mutter und mehreren ihrer Schwestern und gegen den Willen ihres Vaters[1] trat sie 1907 der Women’s Social and Political Union (WSPU) bei, nachdem sie eine Rede von Annie Kenney, der Organisatorin der WSPU für Westengland, gehört hatte.[2] Lidiard wurde zu einer lokalen Aktivistin, hielt Reden, insbesondere in den Bristol Docks, verkaufte die WSPU-Zeitung Votes for Women und beteiligte sich an milden Protestaktionen, indem sie Slogans in Clifton mit Kreide an die Wände schrieb und politische Versammlungen störte.[1][2][3]
Obwohl sie zunächst nicht bereit war, sich an militanteren Aktivitäten zu beteiligen, wie sie Emmeline Pankhurst und die WSPU ab 1908 befürworteten, schloss sie sich einzelnen Aktionen der WSPU an, möglicherweise bereits bei einer Demonstration am 1. März 1908, bei dem Fenster im Zentrum Londons eingeschlagen wurden.[2][3]
Sicher beteiligte sich Lidiard Anfang März 1912 zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Sie wurde wegen Zerstörung eines Fensters des Kriegsministeriums verhaftet. In ihrem Prozess wurde sie zu einer zweimonatigen Haftstrafe im Holloway Prison verurteilt.[2][3][4]
Lidiard war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.[5]
Den Ersten Weltkrieg verbrachten Lidiard und eine Schwester in Kensington, wo sie eine Pension führten; Lidiard montierte an den Wochenenden in der Battersea Power Station Munition für Flugabwehrgeschütze. 1918 heiratete sie Alexander Lidiard, der damals als Major im 3. Manchester Rifles Battalion diente und aktives Mitglied der Men's League for Women's Suffrage war. Nach dem Krieg absolvierte sie eine Ausbildung zur Augenoptikerin und betrieb zusammen mit ihrem Mann Optikerpraxen in Maidenhead und High Wycombe.[1][2][3]
Als eine der am längsten lebenden Suffragetten wurde sie gegen Ende ihres Lebens von der BBC interviewt.[6] Der Historiker Brian Harrison führte ein Oral-History-Interview mit Lidiard im Rahmen des Suffrage-Interviews-Projekts Oral evidence on the suffragette and suffragist movements: the Brian Harrison interviews.[7] Es wurde im März 1976 aufgenommen. Im Interview spricht Lidiard über ihren familiären Hintergrund, ihr Engagement in der Frauenwahlrechtsbewegung, ihre Zeit im Holloway Prison und ihre Arbeit als Optikerin.[8]
Lidiard wurde schon als Jugendliche Vegetarierin und interessierte sich ihr ganzes Leben lang für Tierschutz.[9][3] Ihre vegetarische Ernährung verwirrte die Behörden im Holloway-Gefängnis, die ihr deswegen eine übermäßige Menge von „fast einem halben Pfund Limabohne“ gaben.[10] Lidiard war ihr ganzes Leben lang sozial engagiert, beteiligte sich an Tierschutzkampagnen, beispielsweise zur Verbesserung der Transportbedingungen für Nutztiere, hatte Ämter in einem örtlichen Kirchenrat inne und war Mitglied des National Council of Women of Great Britain. Gegen Ende ihres Lebens engagierte sie sich in der Bewegung für die Ordination von Frauen und zog dabei eine genaue Parallele zu ihrer Arbeit für das Frauenwahlrecht in ihrer Jugend.[1][2][3] Sie schrieb und veröffentlichte zwei Bücher, Christianity, Faith, Love and Healing (1988) und Animals and All Churches (1989).[1]
Sie starb 1992 im Alter von 102 Jahren in Hove, East Sussex.[1]
Ihr Leben wird durch eine Blue Plaque in Hove gewürdigt.[11]